Über 35 Grad. Ein Raum voller Kreativschaffender. Unzählige Gespräche. Ein sommerlicher Abend. Und ein Wort, das überall im Kontor spürbar wurde: ZUSAMMEN.
ZUSAMMEN war beim diesjährigen branchentreff:kreativ weit mehr als das Leitmotiv des Abends. Es zeigte sich in den vielen Begegnungen zwischen Kreativen, beim gemeinsamen Abendbrot an der langen Tafel, in den Blitzlichtern auf der Bühne, in der Kollaborationsküche mit Marcus Berger sowie in der Magazin-Release der vierten Ausgabe von “Thüringen kreativ – Das Magazin”. Unter dem Titel ZUSAMMEN widmet sich die aktuelle Ausgabe der Kraft von Kooperation, Kollaboration und Netzwerken. Die Menschen auf der Bühne, die Musik, das Abendbrot, die Blitzlichter und viele weitere Programmpunkte waren eng mit den Geschichten, Projekten, Akteuren und Akteurinnen des Magazins verbunden. So wurden die Inhalte nicht nur erzählt, sondern gemeinsam erlebt und aus den Seiten in den physischen Raum getragen.
Wir schauen noch einmal GEMEINSAM zurück auf einen fulminanten Abend mit vielen kleinen und großen Herzschlagmomenten.
Fotos: Thomas Müller

Zusammenarbeit beginnt mit den richtigen Zutaten
Der Duft frischer Kräuter liegt in der Luft. Messer hacken im schnellen Takt über die Schneidebretter. Butter wird geknetet, Zutaten wandern von Hand zu Hand, dazwischen das Klirren von Schüsseln und das Stimmengewirr der Teilnehmenden. Noch bevor das offizielle Programm begann, lud das Jahresthema ZUSAMMEN beim Aperitivo Creativo mit Personal- und Teamentwickler Marcus Berger dazu ein, Zusammenarbeit nicht nur theoretisch zu betrachten, sondern gemeinsam auszuprobieren. Während in der Küche des Mehnert Labs im Kontor Erfurt geschnibbelt und geknetet wurde, sprach der Kollaborationsexperte über die Zutaten gelingender Zusammenarbeit: Verschiedenheit, Offenheit, Neugier und Zeit seien die Grundlagen, die aus Einzelnen ein kollaboratives WIR machen, das zusammen mehr erreichen kann. “Zusammenarbeit ist nicht gleich Zusammenarbeit. Kooperation und Kollaboration sind zwei unterschiedliche Formen gemeinsamen Arbeitens – und je nach Herausforderung braucht es den passenden Ansatz”, erklärte er. “Während Kooperation Aufgaben effizient verteilt, entstehen in echter Kollaboration neue Ideen dort, wo unterschiedliche Erfahrungen, Perspektiven und Kompetenzen aufeinandertreffen.” Denn wie bei einem guten Rezept entsteht auch Zusammenarbeit erst dann, wenn jede und jeder etwas Eigenes mitbringt.
„Zusammenarbeit ist nicht gleich Zusammenarbeit“ – Personal- und Teamentwickler Marcus Berger





“Eine besondere Kraft der Kultur- und Kreativwirtschaft ist für mich, aus Unterschieden Verbindungen zu gestalten“ – Projektleiter der THAK Norman Schulz
Die Stärke der Kreativwirtschaft liegt in ihrer Vielfalt
Von der Kollaborationsküche ging es am frühen Abend zum Auftakt des Treffs. Norman Schulz, Projektleiter der THAK, und Wirtschaftsministerin Colette Boos-John vom Thüringer Ministerin für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum begrüßten die Gäste im Kontor. “Eine besondere Kraft der Kultur- und Kreativwirtschaft ist für mich, aus Unterschieden Verbindungen zu gestalten. Genau diese Fähigkeit können wir gerade an vielen Stellen in Wirtschaft und Gesellschaft richtig gut gebrauchen”, eröffnete Norman Schulz den branchentreff:kreativ von der Bühne aus. Im Anschluss hob die Ministerin in ihrem Grußwort an die Branche hervor, was die Thüringer Kreativwirtschaft auszeichnet: ihre Vielfalt. Elf Teilmärkte, unterschiedlichste Arbeitsweisen und zahlreiche Perspektiven bilden gemeinsam eine Branche, die Innovation ermöglicht und weit über ihre eigenen Grenzen hinaus wirkt. Gerade diese Heterogenität macht die Kreativwirtschaft zu einer wichtigen Impulsgeberin für andere Wirtschaftsbereiche.” Gute Netzwerke, so Boos-John, entstehen dort, wo Menschen sich begegnen, voneinander lernen und gemeinsam neue Wege entwickeln. “Die Kreativwirtschaft zeigt eindrucksvoll, wie Zusammenarbeit in beweglichen Strukturen Innovation, Erfindergeist und Resilienz hervorbringen kann.”





Viele Perspektiven. Ein gemeinsames Thema.
Zwei Bierkästen. Fünf Kreativschaffende. Zwei Cross-Lab-Teilnehmerinnen. Und hinter ihnen selbstgemalte Schilder, auf denen sich kreative Teilmärkte und Branchenschwerpunkte miteinander verbanden: Design + Internationales, Design + Material, Bildung + Kreativwirtschaft… In jeweils 100 Sekunden traten Designerin Hannah Meyer, Illustratorin Pauline Voss, Fotograf Paul Träger, Physiker und Illustrator Henry Holland-Moritz, Produktdesigner Friedrich Gerlach sowie Daniela Hühn und Viviane Steinkopf vom Vogelsberger Verpflegungsdienstleister Menü Mobil aus der vierten Ausgabe von “Thüringen kreativ – Das Magazin“ live hervor und setzten persönliche Impulse zum Thema ZUSAMMEN. Was alle verband: Verbindungen schaffen.
Designerin Hannah Meyer von Hüftstern aus Weimar und diesjährige Gestalterin des Magazins sprach darüber, dass Zusammenarbeit manchmal bedeutet, selbst einen Schritt zurückzutreten. “Zusammenarbeit braucht Haltung, Offenheit und die Bereitschaft, sich immer wieder neu mit anderen Perspektiven auseinanderzusetzen.”
Illustratorin Pauline Voss erzählte von ihrer internationalen Arbeit und davon, dass die wichtigsten Kooperationen häufig nicht aus perfektem Selbstmarketing entstehen, sondern aus ehrlichen Gesprächen und spontanen Begegnungen. Veranstaltungen wie der branchentreff:kreativ können eben diese schaffen und manchmal öffnen sie Türen, deren Bedeutung sich erst Jahre später zeigt.
Physiker, Illustrator und Wissenschaftskommunikator Henry Holland-Moritz zeigte, wie Kreativität Brücken zwischen scheinbar weit entfernten Disziplinen schlagen kann. Comics und Illustration helfen ihm dabei, wissenschaftliche Inhalte verständlich und zugänglich zu machen. Für ihn bedeutet ZUSAMMEN, Wissen zu teilen und Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. Denn nur auf einer gemeinsamen Wissensbasis lassen sich die Herausforderungen unserer Zeit gemeinsam bewältigen.
Produktdesigner Friedrich Gerlach lenkte den Blick auf die Zusammenarbeit zwischen Kreativwirtschaft, Industrie und Materialforschung. Ob recycelte Baustoffe oder neue Fertigungsmethoden: spannende Innovationen entstehen dort, wo unterschiedliche Fachgebiete zusammenkommen und Kreative ihre Fähigkeit einbringen, Ideen sichtbar und anwendbar zu machen.
Der Fotograf Paul Träger vom Fotoloft setzte kreative Arbeit und künstliche Intelligenz ins Verhältnis. Mit dem Bild eines Supersportwagens beschrieb er KI als leistungsstarkes Werkzeug, das enormes Potenzial bietet – dessen Nutzen jedoch davon abhängt, wie verantwortungsvoll und bewusst es eingesetzt wird. Kreativität, so seine Botschaft, entsteht nicht durch Geschwindigkeit, sondern durch den eigenen Weg. “Im besten Fall schwingen wir Kreativen uns dahingehend aufs Fahrrad!”
Den Bogen spannten schließlich die Cross-Lab-Teilnehmerinnen Daniela Hühn und Viviane Steinkopf vom Vogelsberger Verpflegungsdienstleister Menü Mobil. Sie teilten ihre Erkenntnisse aus der Zusammenarbeit mit Kreativschaffenden im Cross Lab 2025 und erzählten von daraus resultierenden Projekten, die sie bereits mit Lab-Partner und Kommunikationsdesigner Nils Volkmann von Rugwind umsetzen konnten: ein gedeckter Tisch, der Menschen dort zusammenbringt, wo Möglichkeiten zum Zusammenkommen schwinden – in den kleinen Kommunen Thüringens. Ein perfekter Übergang zum gedeckten THAK-Abendbrottisch, an dem die Kreativen später Platz nahmen und einander die gut gefüllten Salatschüsseln von Menü Mobil reichten.








Ein Magazin und das Jahresthema ZUSAMMEN
Schon von Weitem zog die Magazin-Bibliothek alle Blicke auf sich: Die druckfrischen Magazine waren zu kleinen Stapeln aufgetürmt. Neugierig wurde geblättert, über einzelne Seiten diskutiert und das neue Heft schließlich unter den Arm geklemmt oder direkt in der Tasche verstaut, um mit nach Hause genommen und weitergelesen zu werden.
Mit dem branchentreff:kreativ erschien in diesem Jahr die vierte Ausgabe von “Thüringen kreativ – Das Magazin“. Ein Heft, das nicht nur vom ZUSAMMEN erzählt, sondern selbst aus einem gemeinsamen Prozess entstanden ist. Gemeinsam mit Designerin Hannah Meyer vom Weimarer Gestaltungskollektiv Hüftstern wurde das Jahresthema in eine visuelle Sprache übersetzt. Kräftige Farben, offene Bildräume und eine Gestaltung, die Verbindung statt Abgrenzung sichtbar macht, ziehen sich durch das gesamte Magazin.
Inhaltlich richtet die neue, zweigeteilte Ausgabe ihren Blick im ersten Teil auf das KREATIVE WIR der Thüringer Kreativwirtschaft. Es wird gezeigt, wie Kreativschaffende verschiedene Themen miteinander verbinden, wie sie zusammenarbeiten, kreative Allianzen formen und was passiert, wenn kreative und künstliche Intelligenz aufeinandertreffen. Der Heftkern vertieft durch ein gemeinsames Gespräch mit dem Kollaborationsexperten Marcus Berger die Grundlagen für gelungene Zusammenarbeit. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Vertrauen, psychologische Sicherheit, Reibung als Motor gemeinsamer Entwicklung und die Frage, wie Zusammenarbeit so gestaltet werden kann, dass aus unterschiedlichen Perspektiven tatsächlich etwas Neues entsteht. Der zweite Magazin-Teil richtet den Blick auf das GEMEINSAME Wirken zwischen Kreativwirtschaft und anderen Branchen. Anhand von Beispielen aus Bauwirtschaft, Verwaltung, Mittelstand und Tourismus zeigt er, wie Kreativschaffende ihre Methoden, Denkweisen und Gestaltungskompetenzen in andere Bereiche einbringen. Denn dort, wo unterschiedliche Erfahrungen zusammenkommen, entstehen Lösungen, die keine Branche allein entwickeln könnte.
Mit dem Magazin-Release endete der Austausch auf dem branchentreff:kreativ jedoch nicht: Die Stimmen der Blitzlichter nahmen später in der Magazin-Bibliothek als Living Library auf Sofas und Stühlen Platz. Gäste konnten sich die Kreativschaffenden “ausleihen“, Fragen stellen, Gedanken vertiefen und genau dort weiter diskutieren, wo die Impulse auf der Bühne aufgehört hatten. Das Magazin wurde so nicht nur zum Lesestoff, sondern zum Gesprächsanlass und die Geschichten daraus unmittelbar lebendig.






ZUSAMMEN über den Tellerrand
Die Mikrofone der Blitzlichter waren verstummt, während sich die Musik von Toni Materne und Sascha von “Sascha meets Friends” erhob. Zeitgleich füllte sich schnell die lange Tafel im Kontor. Stühle wurden herangerückt, Magazine zur Seite gelegt und die ersten Gespräche vom Stehen ins Sitzen verlagert. An der langen Tafel im Kontor wanderten Brotkörbe der Familienbäckerei Bergmann von Hand zu Hand, die frisch gerührte Butter aus der Kollaborationsküche machte ihre Runde und die Salate von Menü Mobil wurden miteinander geteilt. Beim gemeinsamen Abendbrot “Über den Tellerrand” wurde gelacht, diskutiert und angestoßen. Zwischen Tellern und Besteck waren Menüs mit Zutaten für Kollaboration und Cross Innovation auf die Tischdecke gezeichnet. Die Gäste ergänzten sie um eigene Gedanken und schrieben oder scribbelten neue Zutaten hinzu. So entstand nicht nur ein gemeinsames Abendessen, sondern ein eindrucksvolles Bild dafür, wie Zusammenarbeit wächst.
Das ehemalige Warenlager wurde an diesem Abend zu dem, was das Jahresthema versprach: einem Ort, an dem Menschen, Ideen und Perspektiven zusammenfinden. Nicht inszeniert, sondern ganz selbstverständlich – beim Essen, Zuhören, Fragenstellen und gemeinsamen Weiterdenken.








Danke für einen Abend voller ZUSAMMEN
Ein Abend wie dieser entsteht nicht von allein. Er lebt von Menschen, die ihre Ideen, ihre Zeit und ihre Begeisterung einbringen. Unser herzlicher Dank gilt dem engagierten Team des Kontor Erfurt, das mit großer Gastfreundschaft, besonderer Atmosphäre und perfekter Organisation den passenden Rahmen für den branchentreff:kreativ geschaffen hat. Ebenso danken wir den Cross-Lab-Teilnehmenden Menü Mobil und der Familienbäckerei Bergmann, die unser gemeinsames Abendbrot kulinarisch begleitet und das Leitmotiv ZUSAMMEN auch auf den Tellern erlebbar gemacht haben. Ein großes Dankeschön geht außerdem an alle Mitwirkenden des Abends – an die Kreativschaffenden der Blitzlichter, an Marcus Berger für die inspirierende Kollaborationsküche, an Colette Boos-John für ihre wertschätzenden Worte sowie an Toni Materne und Sascha von “EFA meets Friends“, die den Abend musikalisch begleitet haben. Unser Dank gilt außerdem Thomas Müller, der die besonderen Momente des Treffs mit seiner Kamera festgehalten hat. Vor allem aber danken wir den vielen Kreativschaffenden sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und weiteren Bereichen, die den Weg ins Kontor gefunden haben. Mit ihrer Offenheit, ihrer Neugier und der Bereitschaft zum Austausch haben sie den Abend zu dem gemacht, was er ist: ein Ort, an dem Zusammenarbeit beginnt!
ZUSAMMEN geht weiter
Mit dem branchentreff:kreativ endet ein Abend voller Begegnungen. Das Jahresthema ZUSAMMEN jedoch nicht! Es wird uns als THAK das gesamte Jahr 2026 begleiten. Deshalb suchen wir weiterhin nach Geschichten, die zeigen, wie Zusammenarbeit gelingt. Nach Menschen, die Perspektiven verbinden. Nach Projekten, in denen gemeinsam mehr erreicht wurde als allein. Nach Kreativen, Unternehmen, Kommunen und Institutionen, die unterschiedliche Kompetenzen zusammengebracht haben und daraus neue Lösungen entstehen lassen.
Kennt ihr solche Geschichten? Oder wart ihr selbst Teil eines Projekts, das zeigt, was möglich wird, wenn Menschen gemeinsam denken und handeln? Dann nehmt über info@thueringen-kreativ.de Kontakt zu uns auf und erzählt uns davon – wir möchten diese Beispiele sichtbar machen und weitere Inspiration für gelingende Zusammenarbeit schaffen.
Und wer nicht nur darüber sprechen, sondern echte Kollaboration lernen will, kann sich noch bis 1. August für das Cross Lab der THAK bewerben. Dort treffen vom 26. bis 29. Oktober in der Sandbox in Erfurt Kreativschaffende und Unternehmen aufeinander, um gemeinsam und moderiert im einen Kollaborationsprozess an Herausforderungen zu arbeiten, deren Lösung zu Beginn noch nicht feststeht – ganz im Sinne unseres Jahresthemas ZUSAMMEN. Denn eines wurde an diesem Sommerabend im Kontor besonders deutlich: Gute Ideen entstehen selten allein.


































































