Wie wir zusammenarbeiten

Kreative Allianzen

Zusammenarbeit braucht mehr als gute Ideen, sie braucht eine Struktur, die trägt. Dabei gibt es nicht die eine richtige Form. Jede bringt eigene Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen mit sich. Kreativschaffende teilen, wie sie ihre Zusammenarbeit organisieren und geben Tipps und Einblicke aus der Praxis.

Titelbild: Alex Souza

Interesse an Austausch aus der Praxis?
www.vielwert.com 

Die GbR gehört zu den unkompliziertesten Formen für Teams. Sie lässt sich schnell und ohne großen bürokratischen Aufwand gründen und bietet gerade für kleinere Agenturen eine flexible Struktur, um Ideen zügig umzusetzen. 

Warum diese Rechtsform? 
„Die Rechtsform ist kein Imagefaktor, sie ist ein Werkzeug. Entscheidend ist, ob sie eure Arbeitsweise unterstützt und eure Verantwortung realistisch abbildet“, sagt die Agentur vielwert aus Erfurt. Bei der Gründung war es für die Kreativen wichtig, von Anfang an auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten und unternehmerisch eigenständig zu bleiben. Entscheidungen können schnell getroffen werden, Verantwortung liegt direkt bei den Beteiligten und die Identifikation mit der eigenen Agentur ist entsprechend hoch.

Der wichtigste Rat aus der Praxis
„Zuständigkeiten früh klären und nicht nur an die Gründung denken. Wer gemeinsam gründet, sollte auch überlegen, wie das Unternehmen in einigen Jahren aufgestellt sein soll und ob die gewählte Struktur dann noch passt.“

Interesse an Austausch aus der Praxis?
www.nochsonverein.de

Der eingetragene Verein bieter vor allem für gemeinnützige Initiativen der Kultur-und Kreativarbeit eine stabile organisatorische Struktur. Fördermittel können beantragt und Spenden angenommen werden. Gleichzeitig bringt die Gemeinnützigkeit aber auch Verantwortung, wie buchhalterische Pflichten und regelmäßige Prüfungen mit sich. 

Warum diese Rechtsform? 
„Die grundlegenden Ideale eines gemeinnützigen Vereins decken sich sehr mit unseren Motiven, niederschwellige Kultur- und Bildungsangebote ohne den Druck der Gewinnmaximierung umzusetzen“, betont der nochson e. V. aus Erfurt. Er profitiert von der offiziellen Struktur des eingetragenen Vereins für eine professionelle Organisation von Events, aber auch für die Projektkommunikation nach außen.

Ein Tipp des nochson e. V.
„In der Vereinsarbeit ist es wichtig, Erfahrungen zu sammeln, Überraschungen zuzulassen und auch Fehlschläge als Teil des Weges zu akzeptieren.“

Interesse an Austausch aus der Praxis? 
www.stepheight.com 

Als Kapitalgesellschaft bietet die Unternehmergesellschaft (UG) eine klare Struktur mit Haftungsbeschränkung, ohne großes Startkapital aufbringen zu müssen. Diese Rechtsform ist bei kreativen Teams beliebt, die gemeinsam unternehmerisch arbeiten möchten. Sie bietet genug Flexibilität, um sich als Unternehmen weiterzuentwickeln, etwa durch die Aufnahme neuer Partner und Partnerinnen oder die spätere Umwandlung in eine GmbH. 

Warum diese Rechtsform? 
„Im Kern erlaubt uns die UG, unseren künstlerischen Ambitionen in einer Konstellation nachzugehen, die sich auch verändern kann“, sagt das Team von stepheight UG. Für das junge Gamesunternehmen aus Jena bietet die Rechtsform einen praktischen Rahmen: Die Gesellschafterstruktur kann angepasst werden und das persönliche Risiko bei Auftragsarbeiten bleibt begrenzt. 

Der wichtigste Rat der Gründer 
Pragmatisch bleiben. „Die Rechtsform ist letztlich ein Werkzeug, um gemeinsam arbeiten zu können. Entscheidend ist nicht die perfekte juristische Konstruktion, sondern dass sie zu den eigenen Arbeitsweisen und Zielen passt.“

Interesse an Austausch aus der Praxis?
www.funkhaus-ost.de 

Die GmbH bietet für kreative Unternehmen, die langfristig zusammenarbeiten möchten, eine klaren wirtschaftlichen Rahmen, trennt private und geschäftliche Finanzen, signalisiert Professionalität und schafft bessere Voraussetzungen für Ausschreibungen. 

Warum diese Rechtsform? 
„Für uns war früh klar, dass wir größere Projekte mit Budgets im fünfstelligen Bereich umsetzen wollen. Deshalb war uns eine klare Trennung zwischen Unternehmens- und Privatvermögen wichtig. Zudem wollten wir als Agentur wahrgenommen werden und nicht als einzelne Selbstständige, die sich zusammengeschlossen haben“, sagt FUNKHAUS Ost, eine Kreativagentur aus Weimar mit Schwerpunkt auf audiovisuelle Medien. Die Entscheidung für eine GmbH brachte jedoch auch Verantwortung mit sich. „Wer gemeinsam gründet, bindet sich langfristig aneinander. Umso wichtiger ist es, mögliche Szenarien im Team frühzeitig zu besprechen, zum Beispiel was passiert, wenn sich unsere Wege später einmal trennen.“

Ein praktischer Hinweis der Gründer 
Wer Mitglied der KSK ist oder werden möchte, sollte bereits bei der Ausgestaltung des Gesellschaftervertrags genau hinschauen. Bestimmte Regelungen zur Sperrminorität können dafür entscheidend sein und lassen sich nachträglich nur mit zusätzlichem Aufwand ändern. 

Interesse an Austausch aus der Praxis? 
www.kulturhaus-neukirchen.de 

Eine eG verbindet unternehmerisches Arbeiten mit einem starken Gemeinschaftsgedanken. Für kreative Projekte schafft sie einen verlässlichen Rahmen nach außen und ermöglicht eine demokratische Organisation im Inneren: Jedes Mitglied hat eine Stimme, unabhängig von der Anzahl der Anteile. 

Warum diese Rechtsform?
„Eine eG ist mehr als eine Rechtsform. Sie steht für Gemeinschaft, Kommunikation auf Augenhöhe und Selbstwirksamkeit und genau das spüren wir jeden Tag in unserer Arbeit“, sagt Jessika Fichtel vom Kulturhaus Neukirchen, einem bürgerschaftlich getragenen Kultur- und Begegnungszentrum in Eisenach. Für das Team ist die eG nicht nur eine juristische Struktur mit beschränkter Haftung, sondern geht vor allem mit einer demokratischen Entscheidungsstruktur sowie einemfinanziellen Spielraum für gemeinsame Projekte einher. Genau diese Verbindung aus wirtschaftlichem Rahmen und echter Zusammenarbeit macht für viele kreative Initiativen den besonderen Reiz aus. 

Hinweis aus der Praxis
„Wer eine Genossenschaft gründet, entscheidet sich bewusst für Kommunikation auf Augenhöhe, Vertrauen und ein gemeinsames Ziel.“

Interesse an Austausch aus der Praxis?
www.hueftstern.com

Kollektive Zusammenarbeit bedeutet für Hüftstern aus Weimar vor allem: maximale Flexibilität bei gleichzeitig engem Austausch. Als Zusammenschluss von Soloselbstständigen verstehen sie sich weniger als feste Organisation, sondern als dynamisches Netzwerk, das sich je nach Projekt neu formiert. Zusammenarbeit wird dabei nicht nur funktional, sondern auch als sozialer Raum gedacht: gegenseitige Unterstützung und gemeinsames Weiterdenken sind zentrale Bestandteile des Arbeitsalltags. Gleichzeitig erfordert diese Form klare Absprachen. Insbesondere bei gemeinsamen Projekten müssen Zuständigkeiten früh definiert werden, damit auch über räumliche Distanz hinweg die Zusammenarbeit funktioniert. 

Warum diese Rechtsform?
„Ein Kollektiv ist keine Rechtsform, sondern eine Haltung“, sagt Hüftstern. Wissen, Räume und Arbeitsmittel werden geteilt. Die größten Vorteile liegen aber vor allem in der Kombination aus Eigenverantwortung und Gemeinschaft: Alle arbeiten selbstbestimmt, profitieren aber vom kontinuierlichen fachlichen Austausch, und immer wieder frischen Impulsen. 

Der wichtigste Rat aus der Praxis

Offen über Erwartungen sprechen. „Wer im Kollektiv arbeitet, sollte sich darüber klar werden, wie er oder sie arbeiten möchte – individuell und im Miteinander. Klare Kommunikation über Bedürfnisse, Grenzen und Verantwortlichkeiten sind die Grundlage für eine langfristig gelingende Zusammenarbeit, die für alle Beteiligten einen Mehrwert schafft.“

Du möchtest wissen, welche Rechtsform am besten zu deiner Gründung passt?

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Norman Schulz

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