Design Spezial Teil 2

Design – weit mehr als ästhetische Gestaltung

Design ist weit mehr als nur ästhetische Gestaltung – es ist eine vielschichtige Disziplin, die die Art und Weise prägt, wie wir die Welt und die Dinge wahrnehmen und mit ihnen interagieren. Design berührt viele Aspekte des menschlichen Lebens. Das liegt auch an den vielfältigen Designarten: von Produktdesign über Kommunikationsdesign und Modedesign bis hin zu User Experience (UX) Design. Die Vielfalt von Design spiegelt sich nicht nur in dessen verschiedenen Disziplinen wider, sondern auch in den zahlreichen Methoden, die es ermöglichen, innovative Lösungen für komplexe Herausforderungen zu entwickeln. Im zweiten Teil unserer Spezialreihe zum Thema Design stellen wir weitere Disziplinen und dazugehörige Thüringer Akteur:innen vor und werfen einen Blick auf die Methoden, die von Branchenvertreter:innen entwickelt wurden. Außerdem widmen wir uns den Fragen, mit welchen Herausforderungen unserer Zeit Designer:innen umgehen und wie sie daraufhin unsere Zukunft gestalten.


Vielfältige Weltgestalter:innen: Die Designarten und ihre Akteur:innen

Design steckt (fast) überall drin, was die vielfältigen Disziplinen dieses Teilmarktes nahe legen. Seinen Branchenvertreter:innen ist gemein, dass sie Funktionalität, Nutzer:innenbedürfnisse und Ästhetik miteinander verbinden. Was sie unterscheidet, sind die Spielfelder, die sie wählen.
Zum Beispiel:

Kommunikationsdesigner:innen
… erarbeiten Konzepte, die Botschaften vermitteln.

Austellungsdesigner:innen
… schaffen informative Erlebnisse.

Modedesigner:innen
… kreieren, was uns kleidet.

Fotodesigner:innen
… vermitteln mit Bildern.


Die Agentur für Kommunikationsdesign Münchner Freigeist befindet sich im kleinsten und ältesten München Deutschlands nahe Bad Berka im Weimarer Land. Von hier aus gestalten und koordinieren die ehemaligen Leistungssportlerinnen Sabrina Rossow und Alina Merkle Kommunikationskonzepte für Kund:innen und Branchen aller Art. So unter anderem die neue Webseite (inklusive Markengestaltung) und 2024 anlaufende Social-Media-Kampagne für die Deutsche Rollsportjugend. 

“Gute Gestaltung kratzt nicht nur an der schönen Oberfläche. Markenbildung heißt, eine klare Haltung zu entwickeln, offen für Neues zu sein und stets mit der Zeit zu gehen. In Zeiten von Klimakatastrophen und Klimaschutz ist es umso wichtiger, sich zu fragen: Wie kann ich als Designer:in die Zukunft mitgestalten?” – Sabrina Rossow, Kreative Direktorin bei Münchner Freigeist


Foto: Peter Weigand

“Uns war bei der Konzeption (der Ausstellung, Anm. d. Red.) wichtig, dass wir Kreislaufwirtschaft nicht nur vorstellen, sondern auch konsequent selbst davon Gebrauch machen” – Nils Volkmann, Designer bei Rugwind

Die musealis GmbH aus Weimar hat sich auf das Design von Ausstellungsprojekten spezialisiert. Dabei spielt Nachhaltigkeit bei der Umsetzung eine entscheidende Rolle: Bei einem ihrer Projekte für die BUGA 2023 in Mannheim haben sie zusammen mit dem Stadtraumservice Mannheim, der nachhaltigen Kreativagentur Rugwindaus Weimar und Architekt Peter Weigand vom Architekturbüro Studio Umschichten eine interaktive Schau über Kreislaufwirtschaft entwickelt, die ausschließlich aus Materialien bestand, die nach ihrem Ausstellungseinsatz wieder in den Wirtschaftskreislauf kamen.


Mit einem Gespür für aktuelle Trends und zeitlose Kreationen nutzen Modedesigner:innen wie Carolin WoitkeStoffe, Schnitte und Farben, um ihre Kollektionen zu kreieren. Carolin hat einen Master in Fashion Design aus Mailand und arbeitete schon für Max Mara und Jil Sander. Mit 26 Jahren eröffnete sie ihr eigenes Atelier in ihrer Heimat Altenburg. Beim ThEx Award wurde sie dafür als Impulsgeberin 2023 ausgezeichnet.
 

“In den großen Modemetropolen braucht es nicht noch mehr engagierte Modedesigner:innen, aber in Altenburg kann ich einen positiven Fußabdruck hinterlassen, meiner Region etwas Gutes tun, ihr Zugang zur Mode ermöglichen und eine Vorbildrolle einnehmen“ – Carolin Woitke


“Zum einen ist die Schwarz-Weiß-Fotografie ein klassisches dokumentarisches Element der Leipziger Schule. Zum anderen bietet sie die Möglichkeit, die Realität zu abstrahieren. Indem man der Situation die Farbe entzieht, kann sich der oder die Betrachtende voll und ganz auf die Szenerie konzentrieren“ – Peter Runkewitz

Fotodesigner Peter Runkewitz fokussiert in seiner Arbeit die Facetten von Musiker:innen-Karrieren, die dem Publikum normalerweise verborgen bleiben. In fotografischen Dokumentationen hält er die Backstage-Atmosphäre von Künstler:innen wie Faber, Gisbert zu Knyphausen und Wallis Bird fest. Dabei begleitet Peter sie meist über Jahre hinweg – ganz nah, ganz persönlich. So auch den Thüringer Musikschaffenden Martin Kohlstedt.


Methoden aus dem Design

Design Thinking ist ein Ansatz, der aus dem Silicon Valley stammt und auf den Arbeitsmethoden von Designer:innen basiert. Das Ziel von Design Thinking ist es, komplexe Probleme kreativ zu lösen und Innovationen zu schaffen. Der Ansatz basiert auf einem multidisziplinären Team, das die Bedürfnisse und Perspektiven der Benutzer:innen in den Mittelpunkt stellt. Design Thinking umfasst verschiedene Schritte wie Verstehen, Beobachten, Ideenfindung, Verfeinerung, Ausführung und Lernen.

Urban Design Thinking befasst sich mit der Entwicklung von Ideen für ungenutzte oder ungeliebte Orte in der Stadt. Hierbei werden die Nutzer:innen vor Ort als Expert:innen einbezogen, um kreative Lösungen für die städtische Entwicklung zu finden. Diese Methode wurde von Laura Bruns entwickelt und zielt darauf ab, alternative Stadtentwicklung zu fördern und für die Nutzung von Freiräumen in der Stadt zu sensibilisieren.

Ein Beispiel für Speculative Design: Das Designbüro Superflux entwarf die Rauminstallation „Mitigation of Shock (London, 2050)“ – eine fiktive Wohnung, wie sie 2050 existieren könnte, macht die Folgen des Klimawandels für die Besucher:innen erlebbar und greifbar.

„Beim spekulativen Design geht es darum, mögliche Zukünfte zu erforschen und zu gestalten, um Diskussionen zu erleichtern. Ziel der Kreativmethode ist es, Zukunftsszenarien greifbar und erfahrbar zu machen und als materialisiertes Gedankenexperiment zu dienen“ – Dodo Vögler, Innovationsexpertin bei der Strategie- und Innovationsagentur Ellery Studio


Herausforderungen und Zukunftsgestalter:innen

Sich ständig wandelnde soziale, wirtschaftliche und technologische Umgebungen gehören für Designer:innen zu ihrer Arbeit dazu. Die damit verbundenen Herausforderungen nehmen sie als Aufgaben an und werden darum zu Zukunftsgestalter:innen. Sie erkennen die Zeichen der Zeit und greifen diese auf.

Nachhaltigkeit: In Punkto Klima besteht Handlungsbedarf. Entsprechend widmen sich Designer:innen zunehmend der Herausforderung, nachhaltige Prinzipien in den Designprozess einzubinden. So helfen sie, Produkte und Prozesse umweltfreundlicher zu gestalten. Denn: Die Integration von Recyclingmaterialien, ressourceneffizienten Methoden und langlebigen Designs trägt zu einer nachhaltigeren Zukunft bei.

Foto: Nicole Nerger

Christiane Kiel von der Designagentur Symposium aus Jena setzt auf nachhaltige Lösungen für Druckerzeugnisse – zum Beispiel aus Graspapier. Damit trägt sie zu einer nachhaltigeren Zukunft in der Werbebranche bei. 

“Es gibt heute tolle, nachhaltige Lösungen, die nicht nur schön sind, sondern auch mit dem Schutz unserer Umwelt einhergehen. Ich habe mir mit meiner kreativen Arbeit zum Ziel gesetzt, den ressourcenschonenden Möglichkeiten in der Unternehmenskommunikation mehr Aufmerksamkeit zu schenken und dafür noch mehr Unternehmer:innen zu begeistern“ – Christiane Kiel, Inhaberin von Symposium

Die rasante Entwicklung von Technologien: Die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI), Augmented Reality (AR) und anderen Innovationen in den Designprozess erfordert von Designer:innen eine kontinuierliche Anpassung und das Erlernen neuer Fähigkeiten. Insbesondere die Integration von KI und Automatisierung in Designprozesse stellt sie vor die Herausforderung, ihre eigene Rolle als Kreativschaffende und die Bedeutung dieser Technologie für die Menschen zu definieren. Somit spielen sie in einer zunehmend digitalen Welt eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung von anwender:innenfreundlichen Benutzer:innenoberflächen und digitalen Erlebnissen.

Vielfalt und Inklusion: Design sollte die Vielfalt der Gesellschaft widerspiegeln und für Menschen unterschiedlicher Hintergründe, Kulturen und Fähigkeiten zugänglich und ansprechend sein. Viele Designer:innen fördern heute darum aktiv die Inklusion, indem sie sicherstellen, dass Produkte und Dienstleistungen für möglichst viele Menschen zugänglich sind – für eine gerechtere und gleichberechtigtere Zukunft.

Foto: WUNSCH+MAIKIND

“Ich wünsche mir, dass sich in unserer Branche die Schwerpunkte Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit noch stärker entwickeln und in das Bewusstsein der Menschen rücken“ – Nadine Simoner, Interface Designerin bei WUNSCH+MAIKIND

Nadine Simoner und André Wunsch von der Digitalagentur WUNSCH+MAIKIND mit Sitz in Erfurt und Berlin liegt ein barrierearmes Webdesign am Herzen. Sie unterstützen unsere Gesellschaft auf dem Weg in eine gerechtere Zukunft, zu der möglichst viele Zugang haben.

Außerdem arbeiten Designer:innen an sozialen Innovationen, die auf die Lösung gesellschaftlicher Probleme abzielen. Durch partizipatives Design und die Zusammenarbeit mit sozial engagierten Partner:innen können sie positive Veränderungen vorantreiben. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Gestaltung von Bildungsprogrammen und Kampagnen, um Bewusstsein für wichtige Themen wie Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und kulturelle Vielfalt zu schaffen. Durch die Anerkennung und Integration kultureller Vielfalt in Designs können Designer:innen dazu beitragen, eine globalisierte Welt zu gestalten, die die Einzigartigkeit verschiedener Kulturen respektiert und schätzt.


Die neueste Ausgabe des THAK Magazins, unter anderem zum Thema Design, erscheint am 19. Juni 2024 zum branchentreff:kreativ im KulturQuartier in Erfurt, Foto: Thomas Müller.

THAK Online- und Printmagazin mit dem Schwerpunkt Design

Weil das Thema Design so spannend ist, werden wir es in der diesjährigen Ausgabe unseres Printmagazins „Thüringen Kreativ – das Magazin“ verbunden mit den Themen Kunst und Cross Innovation in den Fokus rücken. Die Ausgabe erscheint am 19. Juni 2024 zum branchentreff:kreativ. Save the Date und sichere dir die zweite Ausgabe!

Übrigens: Kreative Köpfe aus Thüringen können immer gern auf uns zukommen, um online in unserem THAK Magazin vorgestellt zu werden. Bewerbt euch also für ein Interview mit unserer Kommunikationsexpertin Nina Palme unter np@thueringen-kreativ.de. Wir machen Thüringens Kreativität und euch sichtbar!

Du möchtest noch mehr über Design als Teilmarkt erfahren? Hier geht’s zum ersten Teil der Spezialreihe.

Du hast weitere Fragen zu Design als Teilmarkt der Kreativwirtschaft?

Kontaktiere mich!

Claudia Köhler

Vernetzung & Transfer

0151 / 1500 1683

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