Supporter lokaler Musikproduktion 

Im Interview mit dem Soundexperten Toni Materne

Toni Materne aus Erfurt ist vielseitig kreativ: Der Trainer und Tontechniker begeistert sich seit seiner Jugend für die Produktion von Musik und bringt zudem fast zwei Jahrzehnte Erfahrung in der IT-Branche mit. Seit 2022 widmet er sich voll und ganz seiner kreativen Arbeit und hat seine Leidenschaften für Musik und IT fusioniert: Als Tinnibo – Sound Solutions bietet er Musikproduktionsworkshops für Einsteiger:innen aber auch Professionals an. Hinzu kommen Audioservices wie Composing, Recording, Mixing und Mastering. Daneben unterstützt Toni Künstler:innen bei ihrem individuellen Online-Auftritt und der Vermarktung ihrer Werke. Wir haben den gebürtigen Arnstädter zum Kaffee getroffen und mehr über seinen Weg in die Selbstständigkeit erfahren. 

Toni Materne in der KreativTankstelle in Erfurt zum Interview, Foto: THAK.

“Mit 15 experimentierte ich noch mit ganz einfachen kindgerechten Musikprogrammen mit acht Audiospuren und animierten Instrumenten. Aber für mich war die Hauptsache: Ich gestaltete meine eigenen Tracks. Seitdem hat mich das Thema Sound nicht mehr losgelassen”, erzählt Toni uns im Kreativ- und Coworking Space KreativTankstelle in Erfurt. Ende der 90er Jahre bekam schließlich die Techno-Welle einen neuen Aufschwung. Gleichzeitig entstanden zahlreiche neue Genres. “Ich wollte die Menschen zum Tanzen bringen und habe eigene Sets produziert – zugegebenermaßen ziemlich experimentell und weniger tanzbar”, schmunzelt der Musikexperte, als er uns von seinen Anfängen in der Branche berichtet.

Endlich das tun, was man liebt: Tonis Weg in die Selbstständigkeit im Audiobereich

Neben der Musik ist der Kreativschaffende in seinen jungen Jahren begeistert von Technik und Computern. “Um einen ordentlichen Beruf zu erlernen und nicht mit der Musik in der brotlosen Kunst zu enden“, entschloss sich Toni daher zu einer Ausbildung mit Abitur am beruflichen Gymnasium zum Informatikassistenten. Im Laufe der Jahre erwarb er ein umfangreiches Wissen in den Bereichen Hardware, Serveradministration, Webseitenprogrammierung und IT-Automatisierung. “Ich würde mich als Generalist bezeichnen. Durch meine Ausbildung und meine 17-jährige Erfahrung bei einem Telekommunikationsanbieter habe ich ein breites Spektrum an technischem Know-how. Allerdings stieß ich in meiner Karriere irgendwann an einen Wendepunkt. Ich wollte meiner Kreativität auch beruflich mehr Raum geben. Also machte ich eine interne Weiterbildung zum Agile Coach und lernte viel über komplexe Projekte und Kommunikationsstrategien.” Während der Corona-Pandemie beschloss Toni schließlich, sich auf seine Leidenschaft zur Musik zu besinnen und sein Expertenwissen über Technik damit zu kombinieren. 2022 entstand sein Business Tinnibo – Sound Solutions.  

“Ich spürte den starken Drang, etwas Eigenes zu schaffen. Die Idee, mein Hobby, die Musikproduktion, zum Beruf zu machen, war omnipräsent. Ich musste es einfach versuchen.” Toni Materne absolvierte daraufhin eine Weiterbildung zum Tonassistenten und -ingenieur. “Anfangs war es nicht einfach, eine greifbare Geschäftsidee zu entwickeln. Ich bin die Sache zunächst sehr idealistisch angegangen. Meine Ziele drehten sich nicht primär um den monetären Erfolg. Um in der Branche interessant zu sein und um vor allem Geld zu verdienen, braucht man jedoch eine gewisse Bekanntheit. Ich war nach den ersten Startschwierigkeiten bereit, mich selbst zu hinterfragen und zu überlegen, wie und ob ich wirklich erfolgreich sein kann. In den letzten zwei Jahren habe ich viel gelernt, vor allem in der Zusammenarbeit mit meinen Kund:innen. Durch das Vernetzen in den Workshops und Musikprojekten habe ich verstanden, welche Wünsche und Ziele lokale Künstler:innen in Thüringen haben. Mittlerweile bin ich mit meinem Portfolio monetär erfolgreich und die Menschen schätzen meine Arbeit. Und es bleibt sogar noch Zeit, mich in der soziokulturellen Landschaft zu engagieren.” 

Workshops zu Musikproduktion und zur Unterstützung von Künstler:innen

Eine von Tonis Hauptdienstleistungen sind Workshops zum Thema Musiktechnik, wie dem Umgang mit Programmen und Synthesizern. “Meine Workshops richten sich an Einsteiger:innen, angehende Produzent:innen, Technik-Nerds und alle, die Musik produzieren wollen. Hierbei geht es vor allem darum, die musikalischen Fähigkeiten der Teilnehmenden zu professionalisieren. Ich lege großen Wert darauf, dass alle das vermittelte Wissen leicht verstehen und kreativ damit arbeiten können. Zudem möchte ich zeigen, dass Musikproduktion nicht immer viel Geld kosten muss und dass man mit dem richtigen Wissen und den richtigen Tools seine künstlerische Vision verwirklichen kann. Ich habe bereits mit einer Vielzahl von Musikschaffenden zusammengearbeitet, darunter Pianist:innen, Bands, Singer-Songwriter und Hobby-Produzent:innen. Durch den Austausch untereinander entstehen oft Synergieeffekte, die alle inspirieren und motivieren.”

Neben Workshops bietet Toni auch Unterstützungsleistungen für Künstler:innen an. “Nach den Veranstaltungen kamen die Teilnehmer:innen oft auf mich zu und fragten mich, wie sie ihre Musik einer größeren Zielgruppe zugänglich machen können. Sie suchten nach Möglichkeiten, sich im Internet zu präsentieren, Merchandise zu verkaufen oder ihre Tourplanung zu organisieren. Hierbei stehe ich ihnen zur Seite und helfe, ihre musikalische Karriere voranzutreiben. Ich baue ihnen eine individuelle und digitale Visitenkarte in Form einer Webseite, auf der sie ihre Künstler:innen-Playlist, ihre Biografie, Bilder- und Videogalerien sowie einen eigenen Shop für Merchandise einstellen können. Digitale Präsenz, die cool aussieht, ist ein wichtiger Bestandteil der heutigen Musikindustrie und trägt dazu bei, dass Künstler:innen sichtbar sind.”

Die dritte Säule seiner Dienstleistungen ist Mixing und Mastering. Hierbei hilft Toni Künstler:innen und Bands bei der Optimierung ihres Sounds. “Ich mische und mastere ihre Projekte, um sicherzustellen, dass sie auf allen Abspielgeräten gut klingen. Das Mixing führe ich in meinem Homestudio durch, während ich für die Aufnahme ein professionelles Studio miete. Mein Ziel ist es, mittelfristig eigene Räume zu haben, in denen ich meine Dienstleistungen noch besser anbieten kann”, träumt sich der Musikbegeisterte in die Zukunft seines Business. Aber zunächst reden wir über die Gegenwart. Zum Beispiel, wie er sich für die Musikbranche engagiert.

Foto: Toni Materne.
Foto: Toni Materne.

Netzwerken in der Branche und soziokulturelle Projekte

Die hiesige Musikszene zu stärken, ist dem gebürtigen Thüringer seit vielen Jahren eine Herzensangelegenheit. Seit 2013 hat er bereits eine Vielzahl von Projekten initiiert. Ein Beispiel ist das Mini-Festival „Du Lebst“, das er gemeinsam mit anderen Organisator:innen im Erfurter Klanggerüst umgesetzt hat. “Die Idee zu Du Lebst ist in einer Zeit entstanden, als es in Erfurt nur begrenzt Veranstaltungsangebote der besonderen Art gab. Bei Raves und Techno-Events zahlten die Leute meist 15 Euro Eintritt und haben entweder die ganze Nacht durchgetanzt oder standen nur kopfnickend herum. Mir fehlten Angebote, wie Chill-Out-Lounges oder Kreatives, damit auch andere Zielgruppen angesprochen werden. Daher haben wir mit interaktiven Angeboten Orte der Begegnung geschaffen, die die reine Musikveranstaltung erweiterten. Dort gab es neben Musik zum Beispiel Erzähltische, Upcycling-Workshops, Lagerfeuer und mein persönliches Highlight: essbare Dekoration aus Obst und Gemüse. Es ging eben vor allem darum, neue Menschen kennenzulernen, zusammen zu sein und eine gute Zeit zu haben.” Ein weiteres Projekt, an dem Toni beteiligt war, war das Auerworld-Festival. “Hier haben wir als Subveranstalter eine kleine Bühne organisiert, auf der DJs ihre Sets spielen konnten, aber auch Lesungen stattgefunden haben. Diese Projekte haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, Musikveranstaltungen nicht nur als eine Zusammenstellung aus Bands, Bratwurst und Bier zu betrachten, sondern als eine Form der Begegnung mit Kultur und Menschen.”

Ein längerfristiges Projekt trägt den Titel „Elektrisches Frequenz Arrangement„, kurz EFA, das er zusammen mit seinem Freund Stephan Ratajczak ins Leben gerufen hat, um die hiesige Musik-Community zu stärken. Zum Erfurter Kultursommer 2021 ist durch die EFA-Community ein kostenloses Workshop-Format zur Musikproduktion entstanden, in dem interessierte Teilnehmende lernen können, wie ein Synthesizer funktioniert. Fachlich unterstützt wurde das Projekt durch Steffen Marienberg, einem Synthesizer-Hersteller aus Sachsen-Anhalt. „Der Workshop war ein erster Erfolg und lockte Interessierte aus verschiedenen Generationen an, die sich für Musikproduktion begeistern. Profimusiker:innen, aber auch Einsteiger:innen hatten zudem die Gelegenheit, sich auszutauschen und voneinander zu lernen.” Das zweite große Community-Treffen mit Workshops und Live-Performances fand im Oktober 2023 im Bandhaus Erfurt statt.

Das Netzwerken mit anderen Menschen aus der Musik- und Veranstaltungsbranche ist einer der wichtigsten Aspekte seiner Arbeit: “In meinem Netzwerk finden sich Menschen, die kreativ und daran interessiert sind, gemeinsam etwas Neues zu erschaffen. Dazu gehören audiovisuelle und visuelle Künstler:innen, VJs, Hobbymusiker:innen, professionelle Musiker:innen und andere Personen, die in der Branche tätig sind. Ich vernetze mich aktuell mit Menschen aus Erfurt, Weimar, Jena und anderen Städten im mitteldeutschen Raum. Dabei bin ich immer auf der Suche nach neuen Kooperationen und freue mich darauf, mein Netzwerk weiter auszubauen.”

Die Rolle neuer Technologien: KI in der Musikwirtschaft

Wir kommen zum Ende unseres Gesprächs, in dem auf jeden Fall deutlich geworden ist: Toni liebt Kreativität. Daher fragen wir ihn nach den neuesten Entwicklungen von KI und inwiefern sich diese in Zukunft auf die Originalität von Musikwerken auswirken: “Die neuen Technologien, einschließlich Künstlicher Intelligenz, spielen natürlich auch in meinem Bereich eine Rolle. Es gibt Tools, die die Arbeit erleichtern oder bei denen es darum geht, kreative Ideen zu entwickeln. Sie bieten Algorithmen und Techniken, um den Sound zu verbessern und Inspiration zu finden, wenn man beispielsweise in einem kreativen Loch steckt. Ich finde diese Technologien durchaus spannend und nutze sie daher in manchen Arbeitsprozessen. Allerdings ist es wichtig, zu beachten, dass KI nicht in der Lage ist, Dinge von selbst zu erschaffen, die es noch nicht gibt. Sie basiert auf den bereits von Menschen geschaffenen Inhalten und kann keine eigenen Gedanken entwickeln. Insbesondere im Musikbereich können KI-Tools Emotionen und intuitive Klänge nicht ersetzen. Sie können zwar komplizierte Aufgaben erleichtern, aber das Erschaffen von einzigartigen und originellen Musikstücken- und Werken ist die wahrscheinlich größte Stärke menschlicher Erfindungsgabe. Es ist mir wichtig, dass wir weiterhin die Kreativität und Originalität von Kunstschaffenden unterstützen und fördern”, unterstreicht Toni, während er den letzten Schluck Kaffee aus seiner Tasse trinkt und wir uns mit viel neuem Input über die Thüringer Musikwirtschaft in das verschneite Erfurt verabschieden.

Kontakt

Toni Materne
Tinnibo – Sound Solutions
Music Producer & Sound Engineer 
Website: www.tinnibo.com
E-Mail: mail@tinnibo.com

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