Im Portrait: Zentralheize Erfurt

Im Gespräch mit Kristin Schlegel und Andreas Tröger

Mitten in Erfurt befindet sich gegenüber des Theaterplatzes das ehemalige Heizwerk. Das Industriedenkmal aus dem 20. Jahrhundert wurde durch eine besondere Sanierung und sieben Projektentwickler zu Eventräumen, einem Ort für Kultur sowie Büro- und Meeting-Locations aufgewertet und mausert sich stetig zum neuen Thüringer Kreativhotspot. Der industrielle Charme des Gebäudes, das im September 2021 wieder eröffnet wurde, soll Inspiration, Perspektivwechsel und disruptive Innovation fördern. Neben Tagungen, Business Events, Workshops und Kreativmeetings haben vor Ort bereits TV- und Filmproduktionen, Public Events und Konzerte stattgefunden. Für nächstes Jahr ist die erste öffentliche Kunstausstellung geplant. Wir haben Geschäftsführer Andreas Tröger und Eventexpertin Kristin Schlegel von der Erfurter Zentralheize zum digitalen Austausch getroffen, um mehr über den Space zu erfahren und wie er zur Quartiers- und Stadtentwicklung in Erfurt beitragen wird.

Die Erfurter Zentralheize, Foto: studiomarcofischer.de

Ein multiperspektivisch nutzbarer Ort mit historischem Charme

Seit mehr als einem Jahrzehnt stand das Erfurter Heizwerk leer. Dabei schrien die historischen Fliesen, nackten Betonwände und meterhohen Fenster mit Industrieverglasung nur danach, dem Gebäude wieder einen kreativen, kulturellen und sozialen Nutzen zu verleihen. 2017 war es dann endlich soweit – sieben Projektentwickler verliebten sich in das Gebäude, darunter Andreas Tröger, heutiger Geschäftsführer der Erfurter Zentralheize: “Wir haben an einem Gebäudekonzept gefeilt, das nicht nur nachhaltig, sondern auch wirtschaftlich tragfähig ist.

Wir wollten einen Ort erschaffen, der multiperspektivisch nutzbar ist. Hier finden Kreativagenturen, Kulturveranstaltungen, Events, Kongresse und gastronomisches Angebot ihren Platz. Der Ergänzungsbau beherbergt außerdem Designappartements von Limehome und lädt Besucher und Besucherinnen zum Verweilen an diesem historischen Ort ein. Aktuell werden 75% der Gesamtfläche von Gewerbetreibenden bespielt. Die restlichen 25% sind der Kultur und Events vorbehalten. Jede Fläche hat dabei ihren eigenen Charakter.

In dem 700 Quadratmeter großen historischen Kesselsaal mit einer Decke aus alten Kohlenschütten sollen zum Beispiel in Zukunft neben klassischen Konzerten auch DJ-Sets gespielt werden. Der Raum wurde zusammen mit Akustikern und Akustikerinnen so saniert, dass er Konzertbesuchenden einen idealen Klangteppich garantiert”, erklärt der Geschäftsführer, der zum Interview gemeinsam mit Kristin Schlegel im Konferenzraum der Zentralheize sitzt. Wenn auch nur durch die digitale Ansicht des Zoom-Meetings, fällt gleich der einzigartige Industriecharme des aus Backsteinwänden und schwarzem Stahl gesäumten Raumes auf.

Flexibilität und Wandelbarkeit im Fokus – räumlich und konzeptionell

Kristin Schlegel führt gedanklich weiter durch die historischen Räume: “Dann wäre da noch die 400 Quadratmeter große Maschinenhalle im Foyer des Gebäudes, die neben einem Inhouse Catering, auch ein Café für die Mitarbeitenden im Gebäude und die Nachbarschaft im Quartier beinhaltet. Die Maschinenhalle und der Kesselsaal können zudem als Eventlocation genutzt werden.” In den oberen Stockwerken des Gebäudes befindet sich der 250 Quadratmeter große Kohlenbunker, der einen Blick auf die Stadt und den Erfurter Dom ermöglicht.

„Von Anfang an war die nachhaltige Umsetzung und Bewirtschaftung des Gebäudes eine der wichtigsten Komponenten“

Hier steht auch eine Dachterrasse zur Verfügung. Bei den Raumkonzeptionen stand die Flexibilität und Wandelbarkeit stets im Fokus. Das darin enthaltene Interieur kann flexibel gedacht werden: “Durch modulare Raumteile und flexible Bühnenelemente können Eventkonzepte dynamisch gedacht und umgesetzt werden.” Das Haus wachse und wandle sich individuell mit seinen Inhalten, Anfragen und den Bedürfnissen von Kunden und Kundinnen, ergänzt Andreas Tröger.

Foto: studiomarcofischer.de
Foto: studiomarcofischer.de

“Was alt ist, bleibt alt” – Nachhaltige Umsetzung der Zentralheize

Die Sanierung, die zusammen mit der Erfurter Architekten-Firma hks | architekten GmbH und vielen lokalen Handwerkern und Akteurinnen umgesetzt wurde, verpflichtet sich nicht allein der Flexibilität, sondern auch dem Thema Nachhaltigkeit: “Von Anfang an war die nachhaltige Umsetzung und Bewirtschaftung des Gebäudes eine der wichtigsten Komponenten”, resümiert Tröger. Das Gebäude wurde architektonisch weitestgehend erhalten. “Was alt ist, bleibt alt”, beharrt der Geschäftsführer – somit wurden liebevoll einzelne Elemente wie Lichtschalter und Fliesen saniert oder nachgebaut und unverputzte Backstein- und Betonwände beibehalten.

Neue Elemente aus Holz und schwarzem Stahl sowie ein einheitliches Lichtkonzept im Gebäude bewahren den Industriecharme und bestehen aus nachhaltigen Rohstoffen. “In den Veranstaltungsräumen arbeiten wir zudem mit Wärmetauschern, die Energie auch in andere Bereiche des Hauses übertragen und somit ein internes erneuerbares Energiesystem bilden. Nächstes Jahr werden auf dem Parkplatz hinter dem Haus E-Auto-Ladesäulen aufgestellt. Zudem wird für die Mieter und Mieterinnen im Haus ein Lastenrad zur Verfügung gestellt, um Besorgungen klimaneutral und ohne Auto erledigen zu können.”

Buntes Kulturprogramm an einem erinnerungswürdigen Ort

“Wir möchten den Erfurtern, aber auch Besucherinnen der Stadt neben einem Ort, der eine Geschichte erzählt und einen erinnerungswürdigen Charakter hat, auch eine Stätte mit buntem Kulturprogramm bieten”, so Tröger, der für kommendes Jahr eine Banksy-Ausstellung im Haus plant, die Interessierte in die historischen Hallen locken soll. Er möchte durch ein ausgefeiltes kulturelles Lineup nicht in Konkurrenz zu anderen Kulturakteuren und -akteurinnen der Stadt stehen, sondern vielmehr zur Vernetzung der Branche beitragen: “Mit dem Theater Erfurt, das unsere Räume bereits für Aufführungen genutzt hat, ist eine spannende Zusammenarbeit entstanden, von der wir als Haus, aber auch das Theater profitieren.”

Neben der Herbstlese wurden hier zum Beispiel das Krimi Festival und die Thüringer Bachwochen ausgerichtet. Aber Tröger denkt noch größer: “Die Erfurter Zentralheize soll zu einem Haus werden, das Generationen, kreative Köpfe und Genuss verbindet. Sie soll das Quartier noch attraktiver und lebenswerter machen. Wir möchten die Zentralheize auch für soziokulturelles Engagement nutzen. Zukünftig ist auch eine Zusammenarbeit mit der gegenüberliegenden Seniorenresidenz geplant, um auch für deren Bewohner Mehrwerte zu schaffen.” Für offene Ideen, Denkanstöße und Impulse sei das Team der Zentralheize immer offen und freue sich auf Anfragen von kreativen Ideengebern und -geberinnen, fügt Kristin Schlegel hinzu.

Neben der Banksy-Ausstellungen sind für kommendes Jahr noch weitere Projekte in Planung: die Buchveröffentlichung eines Coffetable-Books, das mit historischen Fotografien und Impressionen vom Umbau des Gebäudes auf die Geschichte des Heizwerkes aufmerksam machen will sowie die Publikation eines One-Shot-Videorundgangs durch das Gebäude von Erfurter Videografen Dennis Schmelz. Auf den sanitären Einrichtungen gibt es zudem bereits eine Audioinstallation von Zeitzeugen.

Fotos: Steven Neukirch Fotografie

Ein historischer Ort erwacht aus dem Schönheitsschlaf

“Dieser historische Ort konnte Dank kreativer Ideengeber und engagierten Macherinnen wachgeküsst werden”, so Tröger. “Wir freuen uns sehr darauf, zusammen mit weiteren Interessierten und Kooperationspartnern und -partnerinnen das ehemalige Heizwerk zu beleben und die Potenziale des Kreativortes für die Stadtentwicklung zu entfachen.”

Kontakt

ZENTRALHEIZE – Event- und Kulturflächen im Erfurter Heizwerk
Maximilian-Welsch-Straße 6
99084 Erfurt
www.zentralheize.de
info@zentralheize.de

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