Wer heute über die Zukunft des Bauens spricht, sollte auch über die Menschen sprechen, die sie anders denken. Kreativschaffende hinterfragen Bestehendes, denken vom Nutzenden her und bringen Perspektiven ein, die über klassische Planungslogiken hinausgehen. Die Werte des New European Bauhaus – schön, nachhaltig und inklusiv – nehmen in ihren Arbeiten und Projekten längst konkrete Gestalt an.
Was passiert, wenn Bakterien Zement herstellen, Leerstand zur Bühne wird und Fassaden Geschichten erzählen? Fünf Kreativschaffende geben auf dem NEW bauhaus Festival in Weimar in 180-Sekunden-Blitzlichtern Einblicke in ihre innovative Arbeit bevor sie Teil der Living Library werden: Die Impulsgebenden werden zu „lebenden Büchern“, die Festivalbesuchende für kurze Gespräche ausleihen können. Statt Vorträge gibt es persönliche Erfahrungen und Perspektiven – direkt im Dialog. Im Materialstudio von Produktdesigner Friedrich Gerlach erleben die Festivalbesuchenden, wie aus Materialforschung ein Produkt wird.
Die Blitzlichter finden von 11:40 bis 12:10 Uhr im Flügelsaal Nord statt, die Living Library im Foyer.
Die Verzahnung von Bau- und Kreativwirtschaft ist längst in vollem Gange. Dieses Format zeigt, was entstehen kann, wenn Interdisziplinarität zur gelebten Praxis wird.
“Neue Player auf der Baustelle” ist eine Kooperation der Thüringer Agentur für die Kreativwirtschaft mit dem NEW bauhaus Festival.
Wir vergeben kurzfristig eine limitierte Anzahl kostenloser Festivaltickets an Kreativschaffende.
Fünf Themen
- Bakterien als Baustoff: Was wir von lebenden Materialien lernen können
Friedrich Gerlach | Produktdesigner
Wie kommt Materialforschung aus dem Labor in ein echtes, greifbares Produkt? Friedrich Gerlach arbeitet mit Materialien, die es so noch nicht zu kaufen gibt: Zement, den Bakterien wachsen lassen, Möbel aus dem Drucker, Objekte aus Reststoffen. Im Gespräch geht es darum, was davon heute schon funktioniert, was noch im Labor hängt und wo die Grenzen liegen.
- FreiRaumStation – Was, wenn Leerstand mehr kann?
Katrin Hitziggrad | Gründerin und Geschäftsführerin, Die Zukunftsoptimisten UG & Vorstandsmitglied, LeerGut-Agentinnen und -Agenten e.V.
Das Praxisprojekt FreiRaumStation versteht ungenutzte Räume als offene Bühnen, die aktiviert, ausprobiert und weitergedacht statt nur verwaltet werden wollen. Ob für Kunst und Kultur, kreative und junge Unternehmen oder neue Formen des Miteinanders: Katrin Hitziggrad spricht über die Kraft des Unfertigen und über die Frage, wie wir Leerstand nicht als Zwischenzustand, sondern als Möglichkeitsraum begreifen können.
- New European Bauhaus heißt, den Materialien wieder Wert zu geben.
Heiko Rittweger | Geschäftsführender Gesellschafter und Leitung Digitalisierung und Architekturberatung, Spezialisierung Datenanalyse, Datenvisualisierung und Circular Economy, RITTWEGER und TEAM GmbH Erfurt
Was, wenn wir beim Planen erkennen, welche Intelligenz das Material / der Baustoff für den nächsten Lebenszyklus hat? Heiko Rittweger will KI-basierte Materialbewertung nach NEB-Kriterien in die Planung integrieren und so Wirtschaftlichkeitslücken schließen.
- Das trojanische Pferd im öffentlichen Raum – Wie gelingt Beteiligung, die nicht nach Beteiligung aussieht?
Robert Ilgen | freischaffender Architekt, Inhaber des Architekturbüros TAKTAK und Mitglied des BDA Thüringen
Anhand seiner Projekte im Rahmen der Kulturhauptstädte Esch-sur-Alzette und Chemnitz zeigt Robert Ilgen, wie TAKTAK mit spielerischen, niedrigschwelligen Formaten Menschen zur öffentlichen Auseinandersetzung mit komplexen gesellschaftlichen Themen animiert. Mechanismen aus der digitalen Welt werden dabei zu Werkzeugen für analoge Interaktion und öffentlichen Diskurs. Beteiligung wird unmittelbar im öffentlichen Raum verhandelt.
- Die vierte Dimension der Architektur: Wenn Gebäude anfangen, Geschichten zu erzählen
Dirk Rauscher | Digital Artist und Motion Designer
Architektur ist statisch – oder doch nicht? Projection Mapping bringt Bewegung, Licht und Geschichten auf die Fassade und eröffnet damit eine neue Dimension des gebauten Raums. Der Motion Designer und digitaler Künstler Dirk Rauscher verbindet Projection Mapping, Kunst, Design und Technologie und eröffnet neue Möglichkeiten, Architektur zu inszenieren, Geschichten zu erzählen und Menschen mit Orten in Dialog zu bringen. Ein Impuls darüber, wie wir Gebäude nicht nur sehen, sondern auch erleben.
Fünf Kreativschaffende

Katrin Hitziggrad
Gründerin und Geschäftsführerin, Die Zukunftsoptimisten UG & Vorstandsmitglied, LeerGut-Agentinnen und -Agenten e.V.
Katrin Hitziggrad ist Immobilienfachwirtin, Produktmanagerin sowie Gründerin und Geschäftsführerin der „Die Zukunftsoptimisten UG“. Sie leitet damit ein interdisziplinäres Büro für kreative, koproduktive Stadt- und Bestandsentwicklung mit Sitz in Jena und Homberg (Efze). Mit über 15 Jahren Erfahrung in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft sowie mit der Gründung des CoWorking Space Leuchtturm Jena 2019 und der Kuration verschiedener Ausstellungen, schaut sie mit ganzheitlichem Blick auf innovative Projekte in der Stadt- und Bestandsentwicklung. In 2022 rief sie ihr Unternehmen ins Leben und wurde für Projekte, wie FreiRaumStation und MarktCampus, mehrfach ausgezeichnet, zuletzt 2024 als Unternehmerin der Zukunft. Seit 2023 ist sie zudem Vorstandsmitglied des Vereins LeerGut-Agentinnen und -Agenten e.V., der sich für eine gemeinwohlorientierte Leerstandsentwicklung engagiert. | Foto: Heidi Gumpert

Heiko Rittweger
Geschäftsführender Gesellschafter und Leitung Digitalisierung und Architekturberatung, Spezialisierung Datenanalyse, Datenvisualisierung und Circular Economy, RITTWEGER und TEAM GmbH Erfurt
Heiko Rittweger ist Gründer und Geschäftsführer der RITTWEGER und TEAM GmbH in Erfurt, einem international tätigen Unternehmen für regeneratives Wirtschaften, dessen Schwerpunkte im Bereich zirkuläres Produktdesign, zirkuläre Architektur sowie in der Defossilisierung von Produkten liegen. Das Unternehmen hat die größte Material- und Technologiebibliothek für kreislauffähige Materialien und Produkte in Europa aufgebaut und betreibt ein regelmäßiges Trendmonitoring zu zirkulären Materialien, Produkten und Komponenten. Zu den Projekten der RITTWEGER und TEAM GmbH gehören unter anderem die Modellierung von verschiedenen zirkulären Gebäudetypen wie Supermärkten, Hotelzimmern und temporären Gebäuden. | Foto: RITTWEGER und TEAM GmbH

Dirk Rauscher
Digital Artist und freiberuflicher Motion Designer
Dirk Rauscher ist Digital Artist und freiberuflicher Motion Designer, der Animation, Design und visuelle Gestaltung mit Raum und Bewegung verbindet. Seit über 20 Jahren entwickelt er bewegte Bilder für Architektur, Bühnen und Live-Umgebungen – von 2D- und 3D-Motion-Graphics über Show Content bis hin zu Projection Mapping. Dabei verbindet er eine klare grafische Handschrift mit seiner Faszination für Bewegung, Licht und Raum. Seine Arbeiten wurden international präsentiert und bei renommierten Projection-Mapping-Festivals weltweit ausgezeichnet. Darüber hinaus wurden sie auf zahlreichen internationalen Kreativplattformen vorgestellt. | Foto: Runkewitz

Friedrich Gerlach
Produktdesigner
Friedrich Gerlach ist Produktdesigner an der Schnittstelle von Material, neuen Technologien und deren Kommunikation. In international gezeigten Projekten macht er Forschungsergebnisse und Materialinnovationen sichtbar und erfahrbar, indem er sie in Objekte, Prozesse und Narrative übersetzt, vom Sofa aus einem der schnellsten 3D-Drucker der Welt bis zu zirkulären Materialien, die auf Bakterienebene wachsen. | Foto: Friedrich Gerlach

Robert Ilgen
freischaffender Architekt und Mitglied des BDA Thüringen
Robert Ilgen ist freischaffender Architekt und Mitglied des BDA Thüringen. Nach seinem Architekturstudium in Erfurt führte ihn sein beruflicher Weg über Weimar, Lille, Berlin und Biel/Bienne. Seit 2017 engagiert er sich mit seinem deutsch-litauischen Designstudio TAKTAK im Spannungsfeld von Architektur und Szenografie für Baukultur in Thüringen, Deutschland und darüber hinaus. In seinen Projekten schafft TAKTAK Räume im Dialog mit den Menschen vor Ort – von temporären Installationen und Ausstellungsdesigns bis hin zu nachhaltig konzipierter Architektur. | Foto: Robert Ilgen
Das Materialstudio
Das Materialstudio in Kooperation mit der Thüringer Agentur für die Kreativwirtschaft zeigt, wie aus Materialforschung ein Produkt wird. Der Weimarer Produktdesigner Friedrich Gerlach bringt Bio-Zement mit, ein Material, das mit Hilfe von Bakterien und menschlichem Urin wächst. Dazu Möbel aus einem der schnellsten 3D-Drucker der Welt und Objekte, in denen die Reststoffe unserer Gesellschaft durch neue Technologien eine zweite Form bekommen. Es entsteht nicht nur Wissenstransfer, sondern ein Moment, der Wissenschaft, Design, Technik, Gegenwart und Zukunft verschmilzt sowie bleibende Eindrücke und Bilder erzeugt.
Das Materialstudio findet ihr im Foyer.
Anmeldung und Festivaltickets – limitiertes Kontingent an Freikarten
Bitte melde dich zur Teilnahme an „Neue Player auf der Baustelle“ über das untenstehende Formular an. Wir vergeben eine limitierte Anzahl kostenloser Festivaltickets an Kreativschaffende. Nach deiner Anmeldung nehmen wir diesbezüglich Kontakt mit dir auf.
Titelbild: Friedrich Gerlach
Über das NEW bauhaus Festival
Das NEW bauhaus Festival in Weimar verbindet am 2. und 3. September Baukultur, Architektur, Stadtentwicklung, Immobilienwirtschaft, Politik, Wissenschaft, Design, Kunst und Zivilgesellschaft.
Die in Thüringen verwurzelte Bewegung NEW bauhaus versteht sich als eine zeitgemäße Antwort auf den gesellschaftlichen, technologischen und ökologischen Umbruch. Als Plattform für das Neue, für Transformation und für konkretes Handeln.
Inspiration und Impulse kommen beim NEW bauhaus Festival von internationalen Speakerinnen und Speakern, europäischen Institutionen, regionalen Akteuren und Akteurinnen sowie innovativen Unternehmen – vereint durch den Anspruch, konkrete Lösungsansätze für eine nachhaltige Zukunft zu entwickeln.
Hier findest du Informationen zum Programm.

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