Ungewöhnlicher Kinderbuchheld dank kreativer Kooperation

Illustrationen in Wasserfarbenoptik hauchen Leben ein

Die Story über eine zu dicke Taube brachte den Kommunikations- und Mediendesigner Sascha Simon mit dem Erfurter Autor Benjamin Schadow zusammen. Vor Kurzem haben sie gemeinsam das Kinderbuch „Pubert Pupstaube” herausgebracht – eine unkonventionelle Geschichte für Groß und Klein, fein illustriert von Sascha Simon. Der Erfurter Kreativschaffende setzt unter seinem Alias „Pale Cocoon” für verschiedenste Branchen im Bereich Animation, Illustration und Grafik Auftragsarbeiten mit Schwerpunkt 2D und 3D um.

Doch wie ist die Zusammenarbeit überhaupt zustande gekommen? Wir wollten mehr darüber erfahren und haben uns mit Sascha und Benjamin zum Zoom-Talk verabredet. Dabei sprachen wir über Erfolgsmomente und Herausforderungen sowie über stilistische Aspekte des Projekts.

Wie kam es zu der Idee mit dem Buch?

Benjamin: “Die Grundidee entstand, als mich meine beiden Jungs unterwegs nach einer Geschichte gefragt haben. Ich schaute zum Nachdenken in die Luft und beobachtete die herumflatternden Tauben. Ich dachte mir: Warum kommen Tauben eigentlich so selten in Kinderbüchern vor? Wie schön wäre es, wenn diese Tiere mal ihr schlechtes Image ablegen könnten und die Helden einer Geschichte sind. Als ich dann ein paar Monate darauf mit einem Freund durch Schottland reiste, erinnerte ich mich wieder an diesen Moment mit den Tauben und begann jeden Abend an einer Geschichte zu schreiben, in der es im Wesentlichen um eine Taube geht, die nicht fliegen kann, weil sie scheinbar zu dick ist. Pubert die Taube geht daraufhin zu Dr. Eule, der feststellt, dass er nur so dick ist, weil sein Poloch zu eng ist. Die Lösung: ein Poloch-Implantat mit Überdruckventil, das Pubert zum Fliegen bringt. Und zwar richtig schnell! Seine neu gewonnene Fähigkeit nutzt er, um als Superheld in Supergeschwindigkeit Verbrechen zu bekämpfen.

Wieder zu Hause, las ich die Geschichte meiner Familie vor, die sich alle vor Lachen gekugelt haben, und ich dachte, dass Pubert sicher auch noch andere Menschen begeistern könnte. So ist erstmals die Idee zu einem professionellen Buch im Eigenverlag entstanden. Es fehlte nur noch ein:e passende:r Illustrator:in, die oder der Pubert und den anderen Charakteren Leben einhauchen würde.”

Wie ist schließlich die Zusammenarbeit zustande gekommen?

Benjamin: “Nach monatelanger vergeblicher Suche nach einem kreativen Kopf für den illustrativen Teil des Buches, habe ich eigentlich schon aufgegeben. Bei einem zufälligen Gespräch mit Freunden darüber wurde mir Sascha empfohlen. Als wir uns dann zum ersten Brainstorming-Gespräch getroffen haben, hat die Chemie sofort gestimmt.”

Sascha: “Ich fand die Geschichte auf Anhieb total witzig. Sie ist frech, mit ihrer Flatulenzthematik etwas untypisch und durchaus auch etwas polarisierend. Entsprechend des Buchcharakters wollte auch ich meine üblichen kreativen Pfade verlassen und habe mich für einen Stil beziehunsgweise eine Illustrationstechnik entschieden, die ich schon lange mal austesten wollte.”

Und für welche?

Sascha: “Bei Pubert Pubstaube hatte ich gleich Wasserfarben im Kopf – Farben, die über vorgegebene Begrenzungen hinaus gehen, etwas unbeholfen und klecksig sind, aber auch die Figuren zu einem Gesamtbild verschmelzen lassen, das greifbar für die Betrachtenden ist. Da ich zu 95% digital arbeite und dieser Stil einen anderen, sehr an den analog angelehnten Workflow erfordert, musste ich mich entsprechend einarbeiten und habe u.a. auch meine digitale Pinselpalette modifiziert und ergänzt. Es war wichtig, einen gewissen Grad an Imperfektionismus zu erzeugen, da digitale Arbeiten oft schnell dazu neigen, sehr ,sauber‘ zu wirken. Wasserfarben sind aber zumindest teilweise willkürlich – sie folgen dem Pfad des Wassers, bilden Flecken oder verstärken die Sichtbarkeit der verwendeten Papierstrukturen, durch die Farbpigmente. Das Ergebnis wirkt sehr realistisch und hat auch Benjamin gleich überzeugt.

Bei der Formgebung habe ich vorwiegend mit weichen und runden Elementen gearbeitet. Ich wollte aber auch nicht, dass die Figuren zu niedlich werden: Freddy Fuchs zum Besipiel sollte schon noch fies aussehen – jede Figur hat so ihren einzigartigen Charakter, der sich in der Art des Illustrierens widerspiegelt.”

Auf welche Herausforderungen seid ihr bei der Umsetzung gestoßen?

Benjamin: „Als Selbstverleger rennt man in der Buchbranche nicht immer unbedingt offene Türen ein, da oftmals noch das Vertrauen fehlt. Aber nachdem ich in sämtlichen Buchläden hier in Erfurt, unter anderem der Buchbar, Comic Attack, Kleingedrucktes und Peterknecht, die finale Publikation von ,Pubert Pubstaube‘ zur Ansicht dagelassen hatte, kamen nicht nur begeistertes Feedback, sondern auch einige Bestellungen. Bei Peterknecht lagen wir in der Weihnachtszeit sogar neben den Harry-Potter-Romanen. Eine tolle Möglichkeit, für die wir wirklich dankbar sind!

Eine andere Herausforderung – da kann ich vielleicht für Sascha und mich sprechen – war, dass wir beide nebenberuflich am Buch gearbeitet haben: Ich bin zusammen mit meiner Frau Geschäftsführer des Hörakustikstudios HÖRSTIL in Erfurt und Sascha arbeitet hauptberuflich aktuell für ein Start-up-Unternehmen als UX/UI Designer. Wir mussten uns also unsere Zeit gut einteilen. Aber nach einem Jahr harter Arbeit überwiegt der schöpferische Stolz über die doch auch zuweilen kräftezehrenden Zeiten.”

Knowledge Sharing! Eure persönlichen Tipps für kreative Buchprojekte?

Sascha: „Wagt es immer mal etwas Neues auszuprobieren! Und nehmt euch auch genügend Zeit für kreative Phasen. Bei jedem Projekt ist ein Konzept, um eine konstante Qualität zu gewährleisten und um euch selbst die Arbeit zu erleichtern sehr wichtig. Und: Unterstützt Geschichten, die es wert sind, erzählt zu werden und euch selbst begeistern.”

Benjamin: „Stellt den qualitativen Anspruch bei einem solchen Projekt in den Vordergrund. Egal ob es um die Papierqualität oder den passenden kreativen Kopf für die Illustration geht. Es lohnt sich hier richtig zu investieren. Bei einem so emotionalen Produkt wie einem Kinderbuch, das im besten Fall durch viele Hände geht und weitergegeben wird, sowieso. Ein bedeutendes Learning für mich persönlich war auch, dass wir doch noch (obwohl erst nicht geplant) einen professionellen Lektor beauftragt haben – das hat sich nochmal richtig gelohnt, da durch ihn das Metrum und die Interpunktion einen deutlichen Feinschliff erhalten haben.“

Kontakt

Benjamin Schadow
www.hörstil.com
www.pupstaube.de
hallo@pubstaube.de

Sascha Simon
Kommunikations- und Mediendesign
Grafik | Illustration | Animation (2D/3D)
sascha.simon@mail.de
www.pale-cocoon.com
Instagram

Exklusive Eindrücke vom kreativen Prozess der Charakterentwicklung von Sascha Simon:

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