Falko Bärenwald ist bildender Künstler und Architekt zugleich – nicht nacheinander, nicht als Hobby und Hauptberuf, sondern gleichberechtigt. In seinem Atelier entstehen Wohnhäuser als begehbare Skulpturen und Bilder, die aus Landschaft, Raum und Wahrnehmung abstrahiert sind. Der kreative Kopf macht deutlich, dass künstlerische Identität nicht eindimensional sein muss. Unterschiedliche Professionen sichern nicht nur finanziell ab, sondern verstärken sich ästhetisch, kommunikativ und strategisch. Wir haben Falko Bärenwald in seinem Atelier getroffen und wollten erfahren: Wie schafft man es als kreativschaffende Person, über den eigenen Werkbegriff hinauszudenken, um nicht nur das Publikum zu erweitern, sondern auch die eigene künstlerische Freiheit?



Falko, du verbindest Kunst und Architektur in deinem kreativen Schaffen. Wann war dir klar, dass das kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch ist?
Für mich war das nie eine Frage des Entweder-oder. Meine zwei Professionen bedingen sich konkret, da ich Räume ganzheitlich entwerfe: von der Architektur über Farbgestaltung und Möbeldesign bis hin zur künstlerischen Arbeit. Daneben berate ich zu Wandbemalungen und zur Integration von Kunst im Raum.
Architektur ist für mich eine begehbare Skulptur aus Licht, Proportion, Blickachsen und dem Bezug zur Natur. Innenräume werden zu Begegnungsräumen, Fenster sind gerahmte Bilder und ihre Ausblicke Teil der Gestaltung. Wie das aussehen kann, wird an Architekturprojekten, wie dem Hotel Scala in Jena, dem Atelier Bärenwald oder meinem selbst entworfenen Wohnhaus deutlich, bei denen Innen- und Außenraum aufeinander Bezug nehmen. Meine abstrakten Malereien auf langen schlanken Formaten entstehen genau aus diesen Erfahrungen heraus: Lange Fensterformate sind meist decken- und raumhoch gestaltet und rahmen den Blick nach draußen immer wieder neu. Aktuell arbeite ich an Filzbahnen, die zugleich Vorhang, Wandfläche, Raumelement und Raumteiler sind und zusätzlich als schallabsorbierende Elemente wirken. Gerade an den Übergängen zwischen Disziplinen entstehen neue Ausdrucksformen und auch neue Märkte.
“Ich glaube, Kreative müssen sich heute nicht mehr entscheiden. Sie dürfen ihre eigene Komplexität zulassen.”




„Architektur und Kunst sind für mich gleichberechtigt: beide sind pure Leidenschaft und bedingen sich gegenseitig“
Atelier als Strategie: Warum Nähe oft wirkungsvoller ist als Reichweite
Dein Atelier Bärenwald in Jena ist dein Arbeitsort, aber auch Ausstellungsraum und Treffpunkt zugleich. Warum ist dir dieser Raum so wichtig?
Meine Erfahrungen aus Ausstellungen und Kunstprojekten haben gezeigt, dass die Preisdurchsetzung im klassischen Ausstellungsbetrieb, insbesondere hier in Thüringen, dem internationalen Vergleich weit hinterherhinkt. Herkömmliche Preise für Kunstwerke sind nur schwer durchsetzbar. Es braucht eine höhere Bewertung der Kunst, um den ganzen Schaffensprozess bis zum Vertrieb am Laufen zu halten. Wenn man bedenkt, dass Galerien bis zu 50 Prozent von einer Grafik einbehalten und dazu Herstellungs- und Nebenkosten anfallen, wird schnell klar: Unter diesen Bedingungen verschenkt man seine Arbeit fast. Deshalb realisiere ich Ausstellungen nur noch dort, wo die Rahmenbedingungen passen. In meinem Atelier am Ufer der Leutra, unweit meines selbst entworfenen Wohnhauses, kann ich auch potenzielle Kundschaft einladen, individuell auf sie eingehen und über Räume, Wirkung, Hängung und Inhalte sprechen. Hier kann ich meine Arbeiten erklären, kontextualisieren und nachhaltige Beziehungen aufbauen. Das Atelier ist Denkraum und Begegnungsort und für mich und somit ein Gegenentwurf zu anonymen Märkten.

Positionierung und Alter: Warum Offenheit eine bewusste Entscheidung ist
Du denkst viel über deine nächsten Jahre nach. Was treibt dich an?
Mit zunehmendem Alter möchte ich mich nicht abschotten, sondern weiter öffnen. Deshalb lade ich zu den “Offenen Ateliers” im September regelmäßig interessierte Gäste aus der Kreativwirtschaft ein, aber auch Landschaftsfans zu den “Offenen Gärten”. Diese Formate schaffen Gesprächsanlässe und die sind für mich das ehrlichste Marketing. Wenn jemand mein Atelier und meinen Garten verlässt und inspiriert ist, dann wirkt das weiter und erzeugt Resonanz. Darüber hinaus finden im Atelier Lesungen, Konzerte, Ausstellungen lokaler Kunstschaffender oder Workshops statt. Auch Unternehmen wie Jenoptik oder die Commerzbank waren bereits mit Gruppen zwischen 20 und 40 Personen hier, um Teambuilding in einem kreativen Kontext zu erleben. Ich wünsche mir, dass Menschen einfach klingeln. Wer Lust hat, kann mich Montag bis Samstag besuchen und mit mir ins Gespräch kommen!
„Wenn ich Menschen wirklich glücklich machen kann mit meiner Arbeit, ist das meine stärkste Marketingstrategie“
Kontakt
Falko Bärenwald
Talstraße 88b, 07743 Jena
Tel.: 03641827129
Mail: art@falko-baerenwald.de
Instagram: @falko.baerenwald.art
Auf einen Kaffee mit Kreativschaffenden
Manchmal braucht es nur ein kurzes Gespräch, um neue Perspektiven zu entdecken. In unserer Reihe laden wir Kreative aus ganz unterschiedlichen Gewerken und Disziplinen ein, ihre Erfahrungen zu teilen. Ob Design, Kunst, Musik oder Architektur – jede Begegnung bringt frische Ideen, konkrete Tipps und inspirierende Geschichten mit. Die Gespräche sind bewusst kurz gehalten, aber voller Impulse, die zum Nachdenken anregen und das eigene Business voranbringen können. Ein Format zum Mitnehmen und Weiterdenken: guter Austausch, auf eine Kaffeelänge.




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