Andi Schulze bewegt sich seit vielen Jahren zwischen Bühne, Bildung und gesellschaftlichem Engagement: Als Clown, Musiker, Improvisationstheater-Spieler, Moderator und Konzeptentwickler verbindet der Erfurter Künstler seine unterschiedlichen Rollen zu einer eigenen Arbeitsweise, in der kreative Methoden sowie Elemente aus Theater, Musik, Moderation und Bildungsarbeit Menschen zusammenbringen und komplexe Themen erlebbar machen. Sein Spektrum reicht von Veranstaltungen zur Demokratiebildung über Fachtagungen zur Schulbildung bis hin zu generationsübergreifenden Projekten.
Titelbild: Marco Wicher

„Improvisationstheater ist für mich viel mehr als Bühnenkunst“, sagt Andi Schulze. „Es ist ein Werkzeug, um anspruchsvolle Themen spielerisch sichtbar zu machen.“
Eine seiner bekanntesten Methoden nennt er Analyse-Impro. Dabei beobachtet er Diskussionen, Workshops oder Vorträge auf Konferenzen beziehungsweise in Organisationen und übersetzt zentrale Aussagen anschließend live auf der Bühne in improvisierte Szenen. „Die Menschen sehen plötzlich ihre eigene Situation von außen. Nicht belehrend, sondern als künstlerischen Spiegel. Oft entstehen dadurch Aha-Momente, wo vorher Unverständnis war.“ Theater, Humor und Reflexion verbinden sich so zu einem Format, das Diskussionen öffnet und neue Perspektiven ermöglicht.
Zwischen Bühne, Bildung und Moderation
Ein für Andi wichtiges wirtschaftliches Standbein sind Fachtagungen und Bildungsveranstaltungen, bei denen er moderiert und für die er Programme entwickelt. Seit vielen Jahren kooperiert er etwa mit einem großen Bildungsinstitut in Bonn. Auch öffentliche Auftraggebende greifen auf seine Workshops, Dialogformate oder sonstigen Veranstaltungen zurück, bei denen er auch kreative Methoden mit einbringt. „Mich interessiert immer die Frage: Wie kann man Themen nicht nur erklären, sondern erlebbar machen?“
Das schafft er, indem er auf unterschiedliche Disziplinen aus Musikpädagogik, Psychodrama oder Design Thinking zurückgreift. Häufig arbeitet er dafür mit einem breiten Netzwerk aus Musikerinnen, Schauspielern, Technikern und Moderatorinnen zusammen.

Demokratie hörbar und erlebbar machen
Ein Beispiel für diesen Ansatz sind die vom kreativen Kopf entwickelten „Drum Circles“, die er vorwiegend in Bildungsprojekten einsetzt. „Dabei entsteht ein Orchester aus vielen Menschen. Jeder spielt einen Rhythmus, und gemeinsam entsteht Musik, die zum verbindenden Medium wird. Man merkt sofort: Wenn jemand aussetzt, verändert sich das Ganze. Und wenn alle zuhören und aufeinander reagieren, entsteht etwas Gemeinsames.“ Solche Formate funktionieren sowohl mit Schulklassen als auch bei Fachveranstaltungen oder in Teamprozessen.
Herzensprojekte: Generationen zusammenbringen
Projekte, die Menschen verschiedener Generationen miteinander ins Gespräch bringen, liegen dem Kreativen besonders am Herzen. Ein Beispiel ist der Generationendialog. „Dabei interviewe ich ältere Menschen zu ihren Lebensgeschichten, begleitet von Musik, die Erinnerungen wachruft. Die Interviews werden anschließend zu Podcasts verarbeitet, die Schulklassen hören. Dann überlegen wiederum die Kinder: Was können wir aus diesen Erfahrungen für unser eigenes Leben mitnehmen?“
Aus den Impulsen entstehen im Anschluss kreative Projekte wie Performances, Flashmobs oder kleine Theaterstücke, die der älteren Generation präsentiert werden. Daneben arbeitet Andi mit Silentdisco-Formaten, bei der Musik aus verschiedenen Lebensphasen über Kopfhörer gespielt wird. „Am Anfang sind viele skeptisch. Aber wenn man einmal miteinander tanzt oder lacht, entsteht schnell Nähe und Offenheit.“

Kreativität als Methode für das Zusammen
Was all diese Projekte verbindet, ist ein gemeinsames Prinzip: Menschen miteinander ins Gespräch bringen. „Mich interessiert das Zusammen“, sagt der Erfurter Künstler. „Zusammenarbeiten, Inhalte zusammen denken, Methoden zusammen erleben.“ Künstlerische Ansätze können dabei helfen, starre Rollen aufzubrechen und neue Perspektiven zu eröffnen.
Langfristig möchte Andi Schulze seine Erfahrungen stärker weitergeben. Eine Idee, die ihn seit einiger Zeit begleitet, ist ein Hub für kreative Bildung. „Ein Ort, an dem wir Methoden entwickeln, Menschen ausbilden und kreative Bildungsformate weiterdenken können“, sagt er. Ein solcher Ort könnte gemeinsam mit Partnern und Partnerinnen aus Kultur, Bildung und Wissenschaft entstehen. „Ich werde ja auch älter“, sagt er und lächelt. „Da wäre es schön, wenn das Wissen weitergegeben wird und neue Leute damit arbeiten.“ Denn für ihn steht fest: Kreative Methoden können Räume öffnen, die verbinden und in denen Menschen gemeinsam neue Lösungen finden.
Kontakt
www.andischulze.com
Instagram: @andreasmzungu
Teil der Reihe: Wie wir verbinden
Wenn Disziplinen zusammentreffen, verschieben sich Perspektiven, erweitern sich Möglichkeiten und entstehen Verbindungen, die mehr sind als die Summe ihrer Teile. Genau dort entsteht etwas Neues. Kreative übersetzen, vermitteln, verknüpfen: zwischen Wissenschaft und Gestaltung, zwischen lokalem Arbeiten und globalen Märkten, zwischen Menschen, Orten und Ideen.
Unsere Reihe „Wie wir verbinden“ stellt Menschen vor, die genau darin ihre Stärke sehen. Im THAK Online-Magazin erzählen wir ihre Geschichten fortlaufend weiter.
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