Witzki und Grimm: Vom Erbe zur Neuerung – Generationswechsel im KMU

Cross Lab-Case 2025: Nachfolge

Isabella Cardenas, Karsten Strickroth, Franziska Burkhardt und Claudia Zech entdeckten im Workshop neue Perspektiven auf interne Unternehmensdynamiken.

Die Herausforderung

Viele ostdeutsche Unternehmen, die in den 1990er-Jahren gegründet wurden, stehen aktuell vor einem Generationenwechsel. Die Unternehmensnachfolge ist für die Nachfolgenden herausfordernd – und zwar strukturell, wirtschaftlich und auch emotional. Sie übernehmen häufig Betriebe, die stark von der Gründer- oder Gründerinnenpersönlichkeit geprägt sind und bewegen sich dabei im Spagat von Traditionsbewahrung und radikaler Neuerung. Oftmals haben die Unternehmen über viele Jahre stabil, aber wenig innovativ gearbeitet. Rasante Veränderungen wie neue Technologien, Fachkräftemangel und veränderte Marktsituationen drängen gerade jetzt zu Modernisierungen, die das Unternehmen zukunftsfähig machen. Hinzu kommt: Familiäre Übernahmen sind besonders sensibel, weil emotionale Bindungen, Erwartungen und Rollenwechsel zwischen Eltern und Kindern auftreten. 

Das Unternehmen Witzki & Grimm, ein Fachgroßhändler für Reinigungs- und Hygieneprodukte mit Sitz in Waltersleben, steht aktuell vor einem solchen Generationswechsel.

Isabella Cardenas, Nachfolgerin im 9-köpfigen Familienunternehmen, möchte den Betrieb zukunftsfit machen und dabei alle Mitarbeitenden mitnehmen. Sie wünscht sich in diesem Zusammenhang das, was sie im Unternehmen oftmals vermisst: mehr Akzeptanz, Offenheit und Teamgeist von den Mitarbeitenden.

Der Output

Für Nachfolgerin Isabella Cardenas, Mitarbeiter Karsten Strickroth, Medienkünstlerin Franziska Burkhardt und Informationsdesignerin Claudia Zech, öffneten sich im fortschreitenden Prozess überraschend neue Blickwinkel auf unternehmensinterne Dynamiken.

Durch Job-Shadowing, Interviews und systemische Aufstellungen bemerkten die Teilnehmenden, dass die von Transformation betroffenen Mitarbeitenden entgegen der ursprünglichen Annahme sehr wohl bereit sind, Veränderungen mitzutragen wenn sie sich im Transformationsprozess sicher fühlen.

Sie erkannten, dass die Basis für eine erfolgreiche zukunftsfähige Arbeit also an anderer Stelle implementiert werden muss und auch Übergebende und Nachfolgende eine entscheidende Rolle spielen. Der Mehrwert des Cross Labs zeigte sich damit vor allem, frei nach dem Motto “Der Weg ist das Ziel”, im Prozess selbst. Neue Blickwinkel legten Herausforderungen an unerwarteter Stelle frei.

Mit Blick auf diese haben sich die Teilnehmenden eine Eventreihe überlegt, die alle im Unternehmen einbindet und eine Brücke von der Wertschätzung der Vergangenheit hin zum Blick auf die Zukunft schlägt. Konzipiert wurde zum Beispiel eine Weihnachtsfeier zur Gründungsgeschichte des Unternehmens im Märchenformat.

Interne Veränderungen sollen niedrigschwellig eingeläutet werden, um die Angst vor großen Umbrüchen zu nehmen. Ein Beispiel für eine kleine Veränderung, die auf große Transformationen einstimmt, ist das Umstellen von Büromöbeln.

Aha-Momente

  • “Der Weg ist das Ziel”: Durch das Einnehmen der Nutzendenperspektive, das intensive Hinterfragen und die Anwendung verschiedener Methoden (wie Interviews mit Mitarbeitenden und systemischer Aufstellung), kristallisierte sich heraus, dass unter der ursprünglichen Herausforderung eine tiefer liegende Problematik liegt, die gelöst werden muss.
  • Mitarbeitende sind bereit, Transformation mitzutragen, benötigen allerdings gerade in der Übergangsphase vom aktuellen Geschäftsführer zur neuen Geschäftsführerin Sicherheiten. 
  • Das Spezifizieren von Rollen, Stärken und Bedürfnissen aller ist extrem wichtig, um die Dynamiken im Unternehmen sichtbar zu machen und die Grundlage für zukünftige Lösungen zu schaffen. Visualisierungen, kreative Methoden, Interviews und Denkexperimente helfen dabei.
  • Veränderung im Unternehmen während des Nachfolgeprozesses funktioniert nur, wenn alle Mitarbeitenden beteiligt werden. Und wenn Zukunft gedacht wird, ohne die Wertschätzung für das Vergangene aus den Augen zu verlieren.
  • Der Prozess der Unternehmensnachfolge, insbesondere bei der Nachfolge innerhalb der Familie, ist intensiv geprägt von Emotionen, Vertrauensaufbau, Annehmen und Loslassen.
  • Iterationsschleifen im Ideenentwicklungsprozess sind wichtig, um anwendbare Prototypen zu entwickeln, mit denen sich alle Beteiligten wohlfühlen. 

Das sagen die Teilnehmenden

Isabella Cardenas von der Witzki & Grimm GmbH aus Erfurt

„Ich hatte das große Glück, teilnehmen zu dürfen und genau das, was ich mir erhofft hatte, ist eingetreten: Durch den Perspektivwechsel und das Zusammenkommen mit kreativen Menschen, die gar nichts mit meinem Unternehmen zu tun haben, konnten wir von außen auf meine Themen schauen. Dazu kamen kreative Ansätze, die Apekte und Dynamiken sichtbar und greifbar gemacht haben. Plötzlich tat sich eine ganz neue Welt auf und in der kurzen Zeit sind wir von meiner Ausgangsfrage zum Kern meiner Herausforderung gekommen.”

Claudia Zech, Informationsdesignerin aus Erfurt

„Es war sehr wertvoll, die Recherchephase zu nutzen, um Mitarbeitenden im Unternehmen wirklich zuzuhören, zu verstehen, wo sie Schwierigkeiten haben und was sie beschäftigt. Es so wichtig, nachzufragen, zuzuhören und darauf einzugehen. Mit Empathie gestaltet sich Zusammenarbeit einfach viel leichter und Cross Innovation kann dabei helfen, das Unternehmen intern und extern besser zu verstehen.“

Franziska Burkhardt, Medienkünstlerin aus Weimar

“Beim Cross Lab hat mich besonders gereizt, dass ich hier als Kreativschaffende in den Alltag von Unternehmen eintauchen kann, zu erfahren, wie die Abläufe sind und was Unternehmen eigentlich brauchen. Ich merke in solchen Prozessen immer wieder, dass Kreativität so ein gutes Tool ist.”

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Claudia Köhler

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