Auf einen Kaffee mit: Cornelia Erdmann

Zwischen Licht, Raum und interkultureller Kunst

Cornelia Erdmann ist Künstlerin, Kuratorin, Forscherin und Grenzgängerin zwischen Ländern und Disziplinen. Nach fast zwei Jahrzehnten in Hongkong lebt sie seit 2023 wieder in Weimar und bringt internationale Erfahrungen in die hiesige Kunstszene ein. Mit Projekten zwischen Architektur, Bildender Kunst und öffentlichem Raum zeigt sie, wie kreative Praxis Brücken schlagen kann: zwischen Asien und Europa, zwischen Institutionen und Zivilgesellschaft, Lichtkunst und urbaner Gestaltung. Wir haben sie auf einen Kaffee getroffen und mehr erfahren.

Cornelia Erdmann verbindet in ihrer Kunst Architektur, Öffentlichkeit und internationale Erfahrung. Nach fast 20 Jahren in Hongkong bringt sie nun neue Impulse in die Weimarer Kunstszene.

Zwischen Hongkong und Weimar – internationale Perspektiven

“Eigentlich war ein kurzer Aufenthalt in Hongkong geplant – daraus wurden fast 18 Jahre”, erzählt Cornelia schmunzelnd. Mit ihrem Studio Laiyan Projects arbeitete sie dort an großen künstlerischen Auftragsarbeiten für Hotels und Casinos, über Flagship Stores, bis hin zu Kulturzentren. Kunst habe in Hongkong einen hohen Stellenwert, auch weil Budgets und Offenheit für Kooperationen vorhanden seien. “Projekte in dieser Größenordnung werde ich hier in Deutschland nicht so leicht finden“, konstatiert sie im Interview.

Die internationale Brille hat die studierte Architektin weiterhin auf. Zurück in Weimar entwickelt sie deshalb eigene Formate, die internationale Vernetzung sichtbar machen und fördern sollen. Dazu gehört das “Rathaus-Arthaus“, eine Ausstellungsfläche für zeitgenössische Kunst aus Weimars Partnerstädten Blois, Hämeenlinna, Siena, Trier, Zamość und Schowkwa, ebenso wie die “kleinste Bauhausausstellung der Welt”: eine mobile Ausstellung im Holzschrank, die auf internationale Tour geht. “Interkulturelle Zusammenarbeit ist für mich ein Dialoginstrument. Sie öffnet Türen und verändert Perspektiven.”

Netzwerke, Austausch, Sichtbarkeit

Neben eigenen Projekten engagiert sich Cornelia zudem im Netzwerk und der Produzenntinengalerie WOMAN ART WEIMAR, die 17 Künstlerinnen durch Ausstellungen und Mentoring verbindet und deren Sichtbarkeit stärkt. Darüber hinaus gibt ihre Mitarbeit im Team der ACC Galerie Weimar der Künstlerin den richtigen Raum, um globale Perspektiven nach Thüringen zu holen und umgekehrt lokale Stimmen international einzubinden. Cornelia sieht in Thüringen aber Entwicklungspotenzial: “Wir könnten hierzulande lernen, Projekte kurzfristiger und flexibler umzusetzen – Pop-up-Formate bieten große Chancen als spannende temporäre Erfahrungen. In Thüringen geht man oft noch zu zaghaft mit Kunst um. Ich wünsche mir mehr Mut für kurzweilige, experimentelle Formate – so wie ich sie aus Asien kenne.”

Bauhaus in Weimar 1919–1925, Ausstellung im Reisekoffer: Mit der „kleinsten Bauhausausstellung der Welt“ – einem mobilen Holzschrank auf internationaler Tour – macht Cornelia Erdmann kulturelle Vernetzung sichtbar und schafft Dialogräume über Grenzen hinweg, Foto: Cornelia Erdmann.

Licht als interkulturelles Medium

Auch Cornelias eigene künstlerische Arbeiten sind international geprägt. Besonders die Neonlandschaften Hongkongs inspirieren sie zu ihren Lichtinstallationen. Narrative Erlebnisse entstehen, die mit Licht, Bewegung und auch manchmal mit Ton emotionale Ebenen ansprechen. Cornelia möchte Kontraste schaffen, die in historischen Kontexten wirken, wie etwa im verschnörkelten Weimar. “Licht ist für mich ein Medium, das Räume modulieren kann und neue Zugänge zum Raum und wie wir uns darin verhalten und fühlen, eröffnen kann. Licht ist Reflexion. Dabei geht es auch immer um Selbstwahrnehmung. Licht berührt Menschen unmittelbar, egal, woher sie kommen.” Aktuell experimentiert sie mit starken Farben und geometrischen, minimalistischen Formen und kleineren, flacheren Formaten, statt großer Installationen.

Internationale Sichtbarkeit für Thüringer Kunstschaffende

Am Ende des Gesprächs richtet Cornelia den Blick nach vorn: “Es gibt keinen vorgefertigten Weg zur Internationalisierung der kreativen Karriere. Residenzen, Stipendien oder Auslandsaufenthalte sind sehr hilfreich, aber auch im Urlaub lohnt es sich, Galerien und lokale Praktiken anzuschauen. Kunst funktioniert nicht im stillen Kämmerlein – man muss reisen, beobachten, Netzwerke knüpfen oder temporär an anderen Orten leben.”

Ihr Rat an Thüringer Kreative: neugierig bleiben, Mut haben, Dialog suchen und die eigenen Horizonte immer wieder erweitern und testen: “Hinterfragen, beobachten und bewusst wahrnehmen. Das ist eine zentrale Quelle für Kreativität.“

Kontakt
www.corneliaerdmann.de
Instagram: @corneliaerdmann

Über Cornelia Erdmann: Ein kreativer Weg zwischen Architektur und Kunst

Schon früh war für Cornelia Erdmann klar, dass sie hauptberuflich kreativ arbeiten möchte. Erste Erfahrungen sammelte sie im Bühnenbild, später führte sie ihr Weg nach England und schließlich an die Bauhaus-Universität Weimar, wo sie Architektur studierte. Doch statt klassischer Bauprojekte reizte sie zunehmend das Prozesshafte und Temporäre von Kunst und Installationen. Geprägt von Aufenthalten in Japan und Asien fand sie im Master of Fine Arts  “Kunst im öffentlichen Raum und neue künstlerische Strategien” die ideale Schnittstelle zwischen Architektur, künstlerischer Praxis und interkultureller Zusammenarbeit. Ihre künstlerische Praxis erweiterte sie immerzu mit Forschung, u.a. 2021 durch ihre Promotion in Lichtkunst.

Neues Format: Auf einen Kaffee mit Kreativschaffenden 

Manchmal braucht es nur ein kurzes Gespräch, um neue Perspektiven zu entdecken. In unserer Reihe laden wir Kreative aus ganz unterschiedlichen Gewerken und Disziplinen ein, ihre Erfahrungen zu teilen. Ob Design, Kunst, Musik oder Architektur – jede Begegnung bringt frische Ideen, konkrete Tipps und inspirierende Geschichten mit. Die Gespräche sind bewusst kurz gehalten, aber voller Impulse, die zum Nachdenken anregen und das eigene Business voranbringen können. Ein Format zum Mitnehmen und Weiterdenken: guter Austausch, auf eine Kaffeelänge.

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