STECKBRIEF #16

Transmedia Mitteldeutschland e.V.

Innovative Geschichtenerzähler verbinden

Britta Senn, Gründerin des Transmedia Mitteldeutschland e.V.
Nicolas Wiethoff, Geschäftsführer von Thadeus Roth (A.R.S. – Alternate Reality Strategies GmbH)

Es gibt Geschichten, die einen nicht mehr loslassen. Man hat sie gelesen, gehört oder gesehen. Das Medium auf dem die Geschichte übertragen wurde, ist dabei zunächst für einen selbst sekundär. Entscheidend ist, dass die Geschichte ihre maximale Wirkung entfalten kann. Genau hier setzt professionelles Storytelling an. Der nächste Schritt ist die Fortführung der Geschichte auf unterschiedlichen Kanälen, z.B. in Form einer Fernsehserie, über Tweets bis hin zum Virtual-Reality-Erlebnis oder in einem gedruckten Buch. Transmedia- und Interactive-Schaffende haben sich genau auf diese Schnittstellen spezialisiert. Es ist ein komplexer und spannender Beruf, der eine große Allgemeinbildung und Neugier auf Unbekanntes voraussetzt. Das zeichnet ihre Arbeit aus, macht es für sie aber zugleich schwer, sich einem bestehenden Verband anzuschließen, der ihre originären Interessen vertreten soll. Sie sitzen zwischen den Stühlen und Gewerken. Denn oftmals sind sie Drehbuchautoren, Programmierer, Netzwerkkünstler und noch vieles mehr. In Mitteldeutschland hat sich das geändert. Seit einem Jahr gibt es den Transmedia Mitteldeutschland e.V.. Er versteht sich als Sprachrohr und Ansprechpartner für dieses junge Phänomen.

 

Mehr Sichtbarkeit und Gehör verschaffen

Britta Senn und Nicolas Wiethoff (Foto: Christian Menzel)

Gerade für neue Arbeitsfelder ist es wichtig, sich Gehör zu verschaffen. Britta Senn, Expertin für Storytelling, hat jahrelang Pionierarbeit auf dem Gebiet geleistet. Bereits als Leiterin des Interactive Bereiches beim DOK Filmfestival in Leipzig, vernetzte sie die internationalen Besucher mit den regionalen Profis, um sich über die neuesten Entwicklungen auszutauschen. Anstatt die kurzfristige Energie wieder versiegen zu lassen, wurde ein Stammtisch für interaktives Erzählen ins Leben gerufen. Britta Senn erinnert sich: „Dort treffen sich regelmäßig Filmemacher, App-Entwickler, Radiomacher, Künstler und Bastler. Wir wollten sichtbarer werden und bildeten eine Arbeitsgruppe. Neben der Planung einer virtuellen Landkarte für unsere interaktiven Projekte war auch die Gründung eines Vereins wichtig. Damit wir beispielsweise auch Förderungen beantragen können.“
Über drei Jahre reifte der Prozess von der Idee bis zur vollzogenen Vereinsgründung. Viele von den Initiatoren sind selbständig oder haben eine kleine Agentur. Da war es nicht immer leicht, Ressourcen für die Realisierung des Vereins freizustellen. „Wir haben das jetzt aus eigener Kraft für Mitteldeutschland übernommen, denn es tut sich hier einfach sehr viel“, so Nicolas Wiethoff, Geschäftsführer der transmedialen Produktionsfirma Thadeus Roth. Gleichzeitig wuchs das Interesse von außen.

Gründungsfoto vom 21. April 2016

Schon während der Planungszeit wurde Britta Senn zu regionalen Veranstaltungen eingeladen, um den zukünftigen Transmedia Mitteldeutschland e.V. zu präsentieren. „Da war einfach ein starker Wunsch da, dass wir erzählen, was wir so machen und was alles möglich ist“, so die Medienkonzepterin. „Wir sind wirklich sehr unterschiedlich aufgestellt. Es kommen welche aus dem VR-Bereich, Leute aus der App-Programmierung, klassische Storyteller, die einfach mal was ausprobieren wollen und Menschen, die durch ein gemeinsames Projekt darauf aufmerksam wurden und das jetzt professionalisieren möchten. Unsere Mitglieder stehen in einem sehr engen Kontakt und treffen sich andauernd“, freut sich Britta Senn.

 

Bewusstsein muss geschärft werden

(Foto: Kamila Szuba)

Die Kategorie Transmedia ist in den Förderstrukturen noch nicht fest verankert. Da bedarf es noch einiger Lobbyarbeit. In der Szene hat es sich mittlerweile durchgesetzt. Den Mehrwert eines neuen Distributionskanals und neuer Erzählformen versteht dort heutzutage jeder. Jetzt gilt es das Bewusstsein der Auftraggeber zu schärfen, auf welche Besonderheiten man beispielsweise in einem Film oder einem Computerspiel achten muss. Jedes Medium wird anders rezipiert. Schon feine Unterschiede können eine große Wirkung entfachen. „Wenn ich heutzutage z.B. Touristikern erkläre, dass wir bestimmte Medien einsetzen, um den Alltag der Nutzer zu durchdringen und so den Erlebniswert erhöhen, leuchtet denen das sofort ein“, so Nicolas Wiethoff. Für ihn ist es die logische Konsequenz, dass sich Transmedia Mitteldeutschland gegründet hat.

 

Team-Spirit

(Foto: Kamila Szuba)

Bei den interdisziplinären Projekten ist der Team-Spirit entscheidend. An der Schnittstelle von Storytelling und Technologie bedarf es einer Vielzahl an Kompetenzen, die eine einzelne Person nicht abdecken kann. Umso wichtiger ist es eine gemeinsame Sprache während des Arbeitsprozesses zu finden. Aus der Summe der Einzelteile wird etwas Neues generiert. Nicolas Wiethoff schwärmt: „Die Arbeit ist großartig, man ist einfach sehr frei. Du gestaltest einen komplett neuen Raum, immer einen Schritt weit ins Neuland.“ Durch die branchenübergreifenden Perspektiven und Erfahrungswerte, mit denen sich die einzelnen Mitarbeiter einbringen, entstehen einmalige interaktive Geschichten. Bei Thadeus Roth arbeiten sie mit einer selbstentwickelten Software, die Alltagsmedien transmedial nutzbar macht. Durch die Kombination von Whats App, Anrufen, E-Mails, Websites etc. betreiben sie Storytelling. So können sie z.B. die Narration eines ARD-Tatortes oder einer ARD-Themenwoche durch andere Medien interaktiv fortführen.

 

Standortvorteil Thüringen

(Foto: Kamila Szuba)

Britta haben es vor allem die Hochschulen in Weimar und Ilmenau angetan. Sie schwärmt von den experimentierfreudigen Menschen dort, die forschen, ausprobieren, und für die der wirtschaftliche Erfolg erstmal nicht im Vordergrund steht. Sie nennt das den Bauhaus-Effekt: „Da ist ein Wille, eine Haltung: Wir wissen und wir wollen da etwas neues. Wir wissen noch nicht genau, wie wir hinkommen, aber wir versuchen es jetzt.“ Genau das ist für den Transmedia-Bereich so essentiell wichtig – und für Britta Senn ein echtes Thüringer Phänomen.

Nicolas Wiethoff schätzt es sehr, dass er in Thüringen „mehr als anderswo die Chance hat, Ross und Reiter zu kennen. Auf der persönlichen Ebene, ohne allzu große Allüren.“ Auch das Land selbst hat es ihm angetan: „Thüringen ist ein kompaktes Land mit guten Strukturen. Für unsere touristischen Projekte etwa ist das ein echtes Plus. Und es gibt einfach gute Hochschulen mit guten Leuten.“ – Oft sind es eben vor allem die Menschen vor Ort, die einen Standortvorteil bedeuten.

 

Text: Michael Krömer

 

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