STECKBRIEF #20

Design We.Love

Interior Trends aus Weimar

Mark Pohl, Gründer und Inhaber von Design We.Love, den Design Apartments Weimar und Herausgeber des Interior Magazins „Hausen“

Schönes Design kann auch alltagstauglich sein? Sobald wir von gutem Design oder einem Designerstück sprechen, denkt so mancher zunächst an unpraktische Unikate zu überhöhten Preisen. Dass dem nicht so ist, beweist Mark Pohl seit sechs Jahren mit seinen Ferienapartments in Weimar. Der Clou ist, dass es sich hierbei um ‚Living Showrooms‘ handelt. Das heißt, das Interior besteht teilweise aus Designerstücken von jungen sowie etablierten Designern aus Thüringen und Design der letzten 60 Jahre. „Da können die Leute die Produkte dann testen und ausprobieren und danach bei uns im Laden oder im Onlineshop erwerben,“ so der Gründer von Design We.Love.

 

Die Inszenierung von Räumen

Mark Pohl hat ein Gespür dafür, was gutes Design auszeichnet. Ob Vintage oder neu Produziertes, entscheidend für den Stylisten ist es, dass die Produkte durch ihr gelungenes und wertiges Design überzeugen. Anstatt bei Vintagemöbeln auf pure Nostalgie zu setzen, werden die Möbelfundstücke wertfrei von ihrer geschichtsträchtigen Herkunft, in einem neuen Kontext arrangiert. Der Interior Stylist inszeniert Designklassiker mit neuen Elementen Der Stil ist skandinavisch geprägt. „Ich versuche meistens das zu finden, was es so noch nicht gibt. Die Looks sollen für die Leute neu erfahrbar sein“, so Mark Pohl und weiter „ich verkaufe in meinem Laden nur das, was mir auch persönlich gefällt und von dem ich denke, dass es angesagt ist. Ich spreche keine spezielle Zielgruppe an. Jeder soll etwas mitnehmen können.“ Frei nach dem Bauhaus ‚Design für Alle‘.

 

Made in Thüringen

Für viele bildet dänisches Design den Maßstab aller Dinge. Dass es auch in Thüringen gleichwertiges Handwerk gibt, davon ist Mark Pohl überzeugt. Das spornt den Wahlthüringer an. Er spricht mit den hiesigen Handwerkern und Betrieben und lässt für sein Label Design We.Love erste Kleinserien einheimisch produzieren. Das ist in Mitteldeutschland in konkurrenzfähiger Qualität und zu fairen Preisen möglich. „Wir können ja nicht von der großen Designerleuchte einfach so 1.500 Stück produzieren, ohne im Vorfeld zu wissen, ob das funktioniert. Erst mal eine Kleinserie machen und einen Prototypen anfertigen“, so Mark Pohl. Von seinen Gästen und Kunden wird er oft angesprochen, von wo er diese hochwertigen skandinavischen Produkte bezieht. Dann lächelt Mark Pohl und sagt: Made in Thüringen.

 

glocal Design für alle

Er setzt auf den persönlichen Austausch und möchte die hiesigen Produzenten unterstützen. „Das machen Menschen, die dahinter stehen und auch davon leben müssen. Teilweise habe ich Produkte von lokalen Designern, bei denen ich gar nichts verdiene und die ich quasi ohne Händlermarge an meine Kunden weitergebe. Denn ich möchte, dass die Leute das kennenlernen“, so Mark Pohl.
Was es in seinem Laden nicht gibt sind Rabatte und Produkte, die man bei den großen Online-Versandhändlern kaufen kann. Bei Design We.Love gibt es nur neue und etablierte Labels und Marken, die sich für den lokalen Markt interessieren. Das Ziel ist, den lokalen Handel zu stärken und die Innenstädte wieder mit Leben zu füllen. „Wir sind einzigartig in Weimar. Jetzt haben wir auch unsere eigene Wandfarbenkollektion herausgebracht: Design We.Love KolorZ. In unserem Concept Store kann man alles rund ums Wohnen kaufen, von Möbel und Wohnaccesoires über Trendfarben bis hin zu Fußböden. Denn den Laden teilen wir uns mit Jörke Holz- und Massivholzfussboden aus nachhaltiger Forstwirtschaft“, so Mark Pohl. Der Erfolg ihres Ladens gibt ihm Recht. Das Geschäft in der Schützengasse 6 in Weimar wird zu 80% von den Einheimischen frequentiert und auf dem Instagram-Account von @designapartmentsweimar sammeln sich mittlerweile über 21.000 Anhänger.

 

Weimar – die Stadt der Möglichkeiten

Vor gut sechs Jahren reifte in dem Unternehmer die Idee seinem Berufsleben eine neue Richtung zu geben. Nach seinem Schauspielstudium in Leipzig folgte Mark Pohl zunächst dem Ruf an das Nationaltheater Weimar. Parallel arbeitete er in diversen Kino- und TV-Produktionen mit und war ständig auf Tournee. Während dieser Zeit hat er in so manchem spröden Gästeapartment gewohnt und dachte bei sich, wie man mit etwas Esprit diese Orte heimeliger gestalten könnte. Gleichzeitig wandelte sich sein Wunsch, anstatt sich selbst als Person lieber Räume zu inszenieren. Er lernte Produktdesigner von der Bauhaus-Universität kennen, die Schwierigkeiten damit hatten einen gut funktionierenden Vertrieb aufzubauen. Da zündete die Idee eine Wohnung mit deren Design einzurichten, als Living Showroom. Mark Pohl erwarb eine Immobilie in Weimar und baute sie nach seinen Vorstellungen um. 2012 eröffnete er die Design Apartments Weimar unter dem Claim „Hier war Goethe nie“.
Zunächst vermietete er diese an Gastschauspieler. Die Freundin einer Gasttänzerin schrieb in New York durch Zufall für einen weltbekannten Einrichtungsblog und veröffentlichte dort das Vorher-Nachher Ergebnis made in Weimar. Das Medienecho in den deutschen Fachredaktionen war enorm. „Seitdem sind wir auf vielen Blogs und werden in Einrichtungsmagazinen als Konzept vorgestellt. Wir haben für die Konzeption den Best of Interior Award gewonnen. Da haben wir uns gegen die Großen aus den Metropolen durchgesetzt und den Preis in die oft gescholtene ‚Provinz‘ geholt“, freut sich Mark Pohl. Mittlerweile bringt er sein eigenes Interior Magazin „Hausen“ heraus, in der vierten Ausgabe ist es mittlerweile europaweit in ausgewählten Magazin-Shops erhältlich.

 

Inside Weimar – wenn aus Gästen Einheimische werden

Für den gebürtigen Rheinland Pfälzer ist Weimar einfach sein place to be. „Diesen Spirit findest du so in keiner anderen Stadt. Hier sind einfach unglaublich gute Leute. Die sind viel gereist, haben sich in anderen Städten inspiriert und merkten, dass Thüringen cool ist und sind wieder zurückgekehrt. Sie haben den „europäischen“ Lifestyle mitgebracht und trauen sich jetzt glücklicherweise vermehrt Läden aufzumachen. Deswegen hast Du auch jetzt so einen neuen Look in der Stadt. Man hat kurze Wege und es ist ein Umfeld, wo Investitionen noch möglich sind. Du kannst Dich ausprobieren, ohne das dich die Ladenmiete sofort ruiniert,“ schwärmt Mark Pohl. Das Gesicht der Stadt hat sich gewandelt. Neben den typischen Angeboten für Bildungsreisende, die auf romantischen Pfaden wandeln, gibt es auch vermehrt für Besucher, die kleine individuelle Läden schätzen und andere Ansprüche an eine Ausgehkultur haben. Für diese Menschen hat Mark Pohl zusammen mit Laura Graf den Reiseführer „Inside Weimar“ herausgebracht. Ein Travelguide made by Locals.

 

Inspirierende Netzwerke

„Ich finde, dass jeder die Chance hat etwas in seinem Umfeld zu werden, wenn er das richtige für sich findet. Man muss nur mutig und ehrgeizig genug dafür sein zu kämpfen“, ist Mark Pohl überzeugt. So vielfältig und weit verzweigt seine Berufsfelder sind, sie haben alle einen langen Reifeprozess durchlebt. „Ich habe ganz viele Inspirationsquellen. Das sind immer Inspirationsmischungen. Die haben zunächst noch gar keine Verknüpfung miteinander und dann kommt ein Moment, bei dem ich merke – Ja, das ist doch die perfekte Schnittstelle, für das, was ich mal machen wollte“, beschreibt er den Werdegang.
Dabei ist der Austausch mit anderen enorm wichtig und man muss auch mal Ideen preisgeben. Das gehört für Mark Pohl zu einem offenen Netzwerkgedanken dazu: „Klar kann man alles kopieren, aber das Herzblut kann man nicht kopieren. Die Liebe, mit der Du das machst, kannst Du nicht kopieren. Daran scheitern eigentlich alle Kopierer.“

Text: Michael Krömer

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