Kreative Köpfe

6 FRAGEN AN OLE BECHERT VOM GRAFIKBÜRO OLE B.

Der gelernte Schriftsetzer Ole Bechert wollte schon immer kreativ arbeiten. Als Kind einer Theaterfamilie, geboren in Görlitz und aufgewachsen in Eisenach, verschlug es ihn nach seiner Ausbildung ans Theater nach Altenburg als Grafiker. Hier gestaltete er die Programmhefte und betreute die Kommunikation im Print-Bereich. Im Anschluss bekam er den lang ersehnten Studienplatz an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle und schloss sein Studium als Diplom Grafikdesigner ab. Seit 1997 arbeitet er mittlerweile freiberuflich als Grafikdesigner in Erfurt unter seinem Label Grafikbüro Ole B. Wir haben den umtriebigen Familienvater via Zoom getroffen und mehr über seine Projekte, seine Liebe zu Kunst und Kultur und seine Träume erfahren.

 

 

1. Wie verschlug es dich nach Erfurt und worin liegt dein gestalterischer Fokus?

Während meines Grafikdesign-Studiums in Halle lernte ich meine heutige Frau kennen, deren Familie das ARTUS.ATELIER in Erfurt gegründet hat. Das Atelier-Team, bestehend aus Designern und Designerinnen sowie Architekten und Architektinnen, gestaltet seit 1991 als Familienunternehmen Raum-Konzepte sowie Corporate Designs für Museen und andere öffentliche Einrichtungen, aber auch börsennotierte Unternehmen, Start-Ups und Einzelunternehmen. Hier habe ich kurz nach meinem Studienabschluss und dem Umzug nach Erfurt in den 90ern als Freelancer angefangen. Gemeinsam mit dem Team habe ich Ausstellungsprojekte und gestalterische Konzepte für das kulturelle Leben in Erfurt und Thüringen umgesetzt. Bis heute arbeite ich regelmäßig mit dem ARTUS.ATELIER zusammen.

Mittlerweile habe ich mir hier einen breiten Kundenstamm aufgebaut und bin vor allem für Akteure aus dem Kulturbereich tätig. Mein gestalterischer Fokus liegt auf den Themen Typografie, Corporate Design, Fotografie und Ausstellungsgestaltung – diese Schwerpunkte entwickelten sich bereits während meiner Studienzeit. Damals waren die Grafikdesigner noch der Fakultät Kunst zugeordnet. In meinen freien Arbeiten lebe ich bis heute noch meine Liebe zum Zeichnen und der Fotografie aus.

 

 

2. Welche kreativen Leistungen bietest du an und welche Projekte hast du schon umgesetzt?

Durch meine langjährige Erfahrung bin ich in Bezug auf mein Portfolio ziemlich breit aufgestellt. Neben Plakatgestaltung, Corporate Design, Editorial Design und klassischen grafischen Arbeiten wie Flyern, Plakaten, Logo-Designs und Imagebroschüren biete ich auch Fotografie und Illustrationen an. Ich setze Projekte für Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen um. Zu meinem Kundenstamm gehören die Thüringer Energie AG, die Erfurter Stadtwerke, die Thüringer Aufbaubank, die Kulturdirektion Erfurt, die BUGA Erfurt, das Museum für Volkskunde Erfurt, das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, das Schlossmuseum Sondershausen, die Sterling Group, die EON und Start-Ups.

 

Plakatgestaltung für das Tanztheater Erfurt.

 

An der Kultur hängt jedoch mein Herz. Die Akteure und Akteurinnen dieser Branche benötigen, vor allem in diesen Zeiten, besonders viel Aufmerksamkeit und Strahlkraft. Seit vielen Jahren arbeite ich beispielsweise mit der Nerly Big Band, dem Jazz Club Erfurt und dem Tanztheater Erfurt zusammen. Für sie gestalte ich überwiegend Plakate und Programmhefte. Aber auch das Stadtmuseum Erfurt gehört zu meinem Kundenstamm: 2018 konzipierte ich gemeinsam mit dem Museumsteam die Ausstellung “Erfurt und das Bier”. 2020 arbeitete ich mit dem Stadtmuseum an der Trommsdorff-Ausstellung “Wer war Johann B.? Trommsdorff und der Aufbruch in die Moderne”, die eigentlich bereits letztes Jahr eröffnet werden sollte und sich aufgrund von Corona bisher verzögert hat. Diese Projekte sind sehr vielschichtig. Neben der klassischen Ausstellungsgestaltung umfassen sie auch Flyer, Plakate und andere werbliche Sachen im Print- und Digital-Bereich. Gemeinsam mit Experten und Expertinnen setze ich die technischen Komponenten wie die dazugehörige Webseite oder auch digitale Komponenten in der Ausstellung um. So habe ich zum Beispiel zusammen mit Experten und Expertinnen aus Biologie, Pädagogik und IT das Konzept, das  Design, und die spielerisch-interaktiven Inhalte für die Touchscreens der Ausstellung im “Haus der Natur” in Goldisthal entwickelt. Derzeit baue ich noch meine illustratorischen Fähigkeiten aus: Für die Handwerkskammer habe ich vor Kurzem gemeinsam mit einer befreundeten Grafikerin Displays für die Besprechungsräume gestaltet. Die hierbei entstandenen “Bon-Monster” spiegeln neben meiner eigenen zeichnerischen Reflexion auch die Offenheit und meine Lust am künstlerischen Prozess und einen eigenen Humor wieder.

Illustratorisches Werk: “Bon-Monster”.

 

3. Wie wichtig ist dir Netzwerken und Zusammenarbeit?

Ich arbeite bereits seit vielen Jahren projektbezogen mit Leuten aus verschiedenen Branchen und kreativen Bereichen zusammen. Zudem bin ich mit der Allianz deutscher Designer vernetzt. 2019 bin ich dann auf die Erfurter Zeichenrunde gestoßen, einer Gruppe aus Illustratoren, Grafikerinnen, Designern und Kreativen. Im Zuge dessen war ich beim letzten Graphit Festival dabei und habe mitgeholfen, die Veranstaltung zu organisieren. Der Austausch ist sehr befruchtend, inspirierend und positiv für mein eigenes Schaffen. Ansonsten arbeite ich derzeit am Ausbau meiner Webseite, um mir noch mehr Wahrnehmung für meine Arbeit und Projekte zu verschaffen und bin hierüber auch immer auf der Suche nach neuen Kooperations- sowie Projektpartnern und -partnerinnen.

 

Ausstellung im “Haus der Natur” in Goldisthal.

 

4. Wo holst du dir deine Inspiration?

In meiner Studienzeit waren Künstler und Kreative wie David Carson und Neville Brody meine großen Vorbilder. Sie arbeiteten damals sehr neuartig und mischten dadurch die Grafik-Szene ganz schön auf. Bis heute inspirieren mich ihre Arbeiten. Auch der Type Directors Club ist für Grafiker und Grafikerinnen sehr spannend. Er gibt nämlich einmal im Jahr ein Buch mit den 100 besten Plakaten des Jahres heraus. Das kaufe ich mir schon seit vielen Jahren und blättere es immer wieder durch, um für mich neue Ideen zu generieren. Als Kreativschaffender inspirieren mich aber auch alltägliche Situationen, wie ein Spaziergang durch die Stadt oder Film und Fernsehen und Fotografie.

 

 

5. Was denkst du: Wird es bald keine Printprodukte wie Flyer, Plakate und Co mehr geben?

Vieles an Werbemitteln wird mittlerweile digital konsumiert und auch beauftragt. Ich bin nun bereits über 30 Jahre in diesem Business und muss festellen, dass trotz der Digitalisierung die Nachfrage und Beauftragung von Printprodukten nicht zurückgegangen ist. Ich vergleiche das gerne mit der Entwicklung des E-Books: Es gibt immer noch sehr viele Menschen, die das Haptische schätzen und sich lieber analoge Bücher kaufen, egal welcher Generation sie angehören. So etwas wie Bücher, Flyer, Broschüren und Co werden nicht so schnell aussterben.

 

 

6. Wie hat sich deine Arbeit durch die Corona-Pandemie verändert und welche Visionen hast du noch für dieses Jahr?

Da ich viel im kulturellen Bereich arbeite, habe ich natürlich unmittelbar die Not der Kultur durch das Wegfallen von Veranstaltungen, Konzerten und Ausstellungen miterlebt. Viele Aufträge waren nun lange Zeit im Stand-by-Modus. Da ich auch Kunden aus anderen Bereichen betreue, hatte ich dennoch in den letzten Monaten gut zu tun.

Ein bisschen Zeit zum Nachdenken war dann aber doch: Ich wollte schon immer eine längere Reise machen und diese für die Weiterentwicklung meiner Kreativität nutzen, Fotos machen, Texte schreiben, Geschichten erzählen, neue Menschen treffen und meine Perspektive erweitern. Diesbezüglich bin ich gerade in der Planung. Ansonsten freue ich mich auf die kommende Zeit und dass die Kultur in Erfurt und Umgebung so langsam wieder aus ihrem Zwangs-Winterschlaf erwacht. Ich hoffe, dass sich durch die Lockerungen wieder viele Kultureinrichtungen erholen können und drücke hierfür allen Kollegen und Kolleginnen die Daumen.

 

Kontakt

Grafikbüro Ole B.
Petersberg 4
99084 Erfurt
ole@b-grafikdesign.de
www.b-grafikdesign.de

 

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Michael Katzlberger

KI-Spezialist | CEO bei Katzlberger Consulting GmbH

Michael Katzlberger war von 2001-2021 Geschäftsführer von TUNNEL23, einer der führenden, meistausgezeichneten digitalen Kreativagenturen in Österreich. Seit 2016 widmet sich Katzlberger intensiv dem Thema Künstliche Intelligenz (KI) in der Kreativindustrie und gibt sein Spezialwissen in Workshops, Lehrveranstaltungen und Gastvorträgen im In- und Ausland weiter. 

Seit 2021 ist Katzlberger mit einem neuen Unternehmen, der Katzlberger Consulting GmbH selbständig tätig. Sein Schwerpunkt liegt hierbei darauf, das Thema KI zu entmystifizieren, um es Unternehmen, Studierenden und der breiteren Öffentlichkeit besser zugänglich zu machen. 

Sein Engagement gegen Hass im Internet, dem in Echtzeit mit KI begegnet wurde, wurde 2019 mit vielen Auszeichnungen belohnt, u.a. mit dem Confare #IDEAward 2019, dem Deutschen Preis für Wirtschaftskommunikation 2019 (Berlin) oder der Nominierung zum Österreichischen Staatspreis für Digitalisierung für das Projekt #calmdowninternet.