Kreative Köpfe

STECKBRIEF: ROOOM AG

Die Vorteile der Dreidimensionalität für Jedermann nutzbar machen

Das Team der rooom AG hat eine webbasierte Plattform für 3D-Produkt- und Unternehmenspräsentationen für Thüringen und die ganze Welt entwickelt. Sie wollen 3D-Inhalte möglichst vielen Menschen schnell und einfach zugänglich machen. Ihre Kunden kommen aus den Bereichen E-Commerce, produzierendem Gewerbe, Industrie, Immobilien, Tourismus und Kultur. Egal welche Branche – durch rooom werden Räume, Objekte und Produkte für Kunden weltweit, überall und jederzeit betret- und erlebbar. Und das ohne komplexe Programme oder Hardware.

 

CEO der rooom AG Hans Elstner. Foto: Stefanie Loos für das Thüringer Wirtschaftsministerium.


“Ich konnte mich früh für den IT-Bereich begeistern”

Geschäftsführer und Gründer Hans Elstner bekommt im Alter von zwölf Jahren seinen ersten Computer geschenkt, programmiert mit dreizehn ein PC-Spiel und übernimmt mit sechzehn Aufträge im IT-Bereich für verschiedene Firmen, um sich ein wenig Taschengeld dazu zu verdienen. Während des Abiturs macht er sich selbstständig und arbeitet im IT-Bereich für Mazda-Motors Deutschland: „Ich konnte mich früh für den IT-Bereich begeistern”, erzählt Elstner, der im Anschluss an sein Abitur ein Studium des Internet Business Engineering im Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena anhängt: „Das war für mich eine Ausbildung, die perfekt war, um später ein eigenes Unternehmen zu gründen, da es wirtschaftliches und technisches Wissen vereinte”, erinnert sich der Geschäftsführer der rooom AG, der gegen Ende seines Studiums sein erstes Unternehmen namens e-Networkers GmbH gründet. Die Full-Service-Agentur agiert wie rooom in der kreativen Branche und hat sich auf Softwareentwicklung, Corporate Design und Webdesign in den Bereichen IT-Consulting, Hard- und Software und IT-Management spezialisiert. Aus dieser Unternehmung heraus und dem Faible für Spieleentwicklung und 3-dimensionalen Objekten, fängt Elstner im Jahre 2012 an darüber nachzudenken, wie man eine 3D-Plattform für Jedermann entwickeln könnte. Diese sollte verhältnismäßig einfach und ohne großartige Kenntnisse für komplexe Computertechnik, Grafikkarten und teure Hardware nutzbar sein. Im Jahre 2013 überzeugt er Investoren von seiner Idee und beginnt mit dem Businesskonzept der heutigen rooom AG. Nach fünfjähriger Entwicklungszeit zusammen mit einem achtköpfigen Team, stellt der Gründer rooom als ernstzunehmendes StartUp der Öffentlichkeit im März 2018 auf der IT-Leistungsschau in Thüringen vor: „Damals haben wir auch erstmals unsere Anwendung im App-Store mit einem starken Fokus auf den Endkunden angeboten.” Mittlerweile hat die Plattform für 3D-Applikation, mit der man einfach und kostenlos eigene 3D-Objekte und VR-Welten erstellen und erleben kann, über 25.000 Nutzer.

 

Foto: Stefanie Loos für das Thüringer Wirtschaftsministerium.


“Das Gefühl, tatsächlich dort zu sein”

Das rooom-Konzept ragt in verschiedene Bereiche und Branchen hinein: Neben Kultur, Immobilien, Produkt- und Onlinehandel wurde auch der Thüringer Tourismus auf die kreativen Dienstleister aufmerksam. Auf dem Saurierpfad in Jena kann man mit der Technologie von rooom auf digitale Entdeckungstour gehen: In Zusammenarbeit mit dem Jenaer Stadtforst, der Jenzig Gesellschaft e.V., drei60film, sowie der Universität Jena ist ein einzigartiges Konzept entstanden, das Saurier durch Augmented Reality zum Leben erweckt. Seit fast einem Jahr begeistern nun die zahlreichen Stationen mit Informationen und 3D-Inhalten rund um die prähistorische Geschichte Jenas Besucher und Wanderer, die das Gefühl bekommen „tatsächlich dort zu sein”. Das Team aus Jena gewinnt für den Saurierpfad den Thüringer-Tourismus-Preis: „Durch dieses Projekt konnten wir wiederum andere Touristiker und Kultureinrichtungen auf unsere Technologie aufmerksam machen.” Referenzen sind hier unter anderem die Klassik Stiftung Weimar mit virtuell begehbaren Museumslandschaften, die für die Nachwelt festgehalten werden: „Einer musealen Ausstellung gehen meist unzählige Monate Arbeit voraus. Wenn die Ausstellung schließt, kann diese für Menschen, die die Ausstellung nicht besichtigen konnten, für die Ewigkeit digital und erlebbar konserviert werden.” Hinzu kommen Kunden wie die Osterburg in Weida und das Optische Museum Jena. Hier werden vor allem wissenschaftliche Objekte und Räume Forschern auf der ganzen Welt digital und „zum Greifen nahe” zur Verfügung gestellt: „Im Bereich der Forschung kann die Zugänglichkeit zu den Objekten nicht rund um die Uhr gewährt werden. Oft sind auch Objekte schwer beschädigt und sind somit der Öffentlichkeit nicht zugänglich – unsere Technologie kann hier die zeitlichen und räumlichen Grenzen aufheben.” Auch für den Kultkomiker Otto Waalkes setzte rooom bereits ein Projekt um: „Für Herrn Waalkes haben wir einen digital-begehbaren Leuchtturm gebaut, wie man ihn aus seinen Filmen kennt. Hier kann man den Merchandise-Stand besichtigen, die T-Shirts anschauen und Otto besuchen.”

 

Innovative rooomBOOKS Anwendung. Foto: Stefanie Loos für das Thüringer Wirtschaftsministerium.


Wenn vermeintliche Konkurrenz zum Partner wird

Kooperationen und Zusammenarbeit sind dem Geschäftsführer wichtig. In Thüringen findet er die richtigen Ansprechpartner, die fundiert kreative Ideen spinnen und bereits viele Projekte umgesetzt haben. Spannend ist die 3D-Entwicklung für Agenturen, mit denen die Firma zusammenarbeitet und so vermeintliche Konkurrenz zum Partner wird. Andere Kooperationspartner sind Thüringer Hochschulen. Diese sind vor allem an Forschungsprojekten in Kooperation mit der Jenaer Firma interessiert. Auch Produkthersteller zählt rooom zu ihren Netzwerkpartnern, die spezifische Problemstellungen und Anwendungsszenarien mit den 3D-Entwicklern angehen: „So haben wir beispielsweise an einem Projekt gearbeitet, das es mithilfe von AR und VR möglich macht, in einem Bus kaputte Kabel anzeigen zu lassen. Das ist in jedem Bereich der Industrie anwendbar, um frühzeitig Ineffizienz oder Probleme zu erkennen und zu beheben. Unsere Technik ist offen und flexibel genug, um sie in verschiedenste Anwendungsgebiete zu integrieren.” In der Immobilienbranche könnte man Häuser und Objekte, die noch in der Planungsphase sind, für den potenziellen Käufer vorab begehbar machen. Auch für den Architekten kann dies eine Erleichterung sein: Er kann schon vor der Fertigstellung das geplante Haus mit dem Handy auf den Bauplatz „projizieren”. Bei Onlineshops besteht ebenfalls die Notwendigkeit einer Produktvisualisierung, die die Händler bisher durch aufwendige Produktfotografie von allen Seiten lösen: „Gleichzeitig möchte der potenzielle Käufer wissen, ob ihm das Produkt gefällt und wie zum Beispiel der ausgewählte Tisch in Schwarz in seine Wohnung passt. Mit rooom kann er durch die 3D-Visualisierung das Produkt sofort ansehen und auf dem Bildschirm in seinen Räumlichkeiten erleben. Ein wichtiger Nebeneffekt ist, dass hierdurch aufwendige Retourenquoten zurückgehen, was wesentlich nachhaltiger ist und für den Hersteller effizienter.” Wie breit das Anwendungsfeld der rooom Plattform einmal sein würde, hätte Elstner zu Beginn der Entwicklung nicht gedacht.

 

Der Leiter der 3D-Entwicklung Hendrik Lober. Foto: Stefanie Loos für das Thüringer Wirtschaftsministerium.


“Unsere Welt ist von drei Dimensionen geprägt”

Elstner besucht regelmäßig Veranstaltungen, um potenzielle Synergien mit anderen Firmen aufzuspüren und um zu Netzwerken: „Viele fragen sich, was Netzwerken bringt, da man das aktive Ergebnis oft nicht gleich sieht. Man trifft jedoch häufig relevante Multiplikatoren.” Auf diesem Wege ergattert sich das Team unter anderem auch eine Einladung zu den Investor-Days 2018, auf denen sie Jury- und Publikumspreis abräumen. Sie gewinnen beim Pitch-Day-X in Sachsen-Anhalt und auf der StartUp-Con in Köln den Preis für den besten Pitch. Auch den German Innovation Award nimmt das Team von rooom mit nach Hause. Durch die vielen Zeitungsartikel und die aktive Öffentlichkeitsarbeit bekommt die 2016 gegründete Firma ein gutes Standing: „Dass das Früchte trägt, merkt man schon bei der Eingabe bei Google, das nicht mehr room vorschlägt, wenn man rooom eingibt”, lacht der Gründer. Warum wird rooom nun eigentlich mit drei O geschrieben? „Unsere Welt ist von mindestens drei Dimensionen geprägt – Länge, Breite und Höhe. Ein O steht für jede Dimension und ist somit eine Hommage an die mathematische dritte Dimension”, erklärt Hans Elstner.

 

3D Scan für Produktpräsentation. Foto: Stefanie Loos für das Thüringer Wirtschaftsministerium.


“Wir haben noch viele Ideen und sind noch längst nicht am Ende”

Das Team rund um Elstner besteht aus 3D-Künstlern, Software-Entwicklern für Web und Applikationen, sowie Sales- und Marketing-Spezialisten. In Thüringen möchte der Geschäftsführer bleiben. Der gebürtige Jenenser ist hier geboren, aufgewachsen und verwurzelt: „Ich hänge tatsächlich an meinem Bundesland und an Jena. Diese Großstadt mit Kleinstadt-Charakter schafft eine Nähe zwischen den Menschen, die auch eine gute Grundlage zum Netzwerken bilden kann.” Eine Vision der rooom AG sei es jedoch Workspaces in anderen Städten zu haben, um auch zukünftigen Mitarbeitern aus anderen Bundesländern einen leichten Einstieg in das Unternehmen bieten zu können. Der Geschäftsführer des dynamischen Tech-Start-Ups hat noch weitere Visionen: „Wir haben noch viele Ideen und sind noch längst nicht am Ende. Dabei setzen wir auf absolute Genauigkeit und Perfektion. Was mein Team in kürzester Zeit jetzt schon umsetzen konnte, macht mich sehr stolz. Wir sind offen und freuen uns auf das was kommt.”

 

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