Kreative Köpfe

6 Fragen an Christoph Gorke Photography – Werbefotografie

Der Fotograf Christoph Gorke beantwortete uns sechs Fragen.

 

1. Wer und was steht hinter Christoph Gorke Photography und wie hat alles angefangen? 

Ich bin in Thüringen aufgewachsen und habe mit ein paar Umwegen in Ilmenau Medien und Kommunikationswissenschaften studiert. Angefangen habe ich mit der Fotografie neben meinem Studium. Ich hatte in meinem Umkreis schon länger ein paar Freunde, die vor allem auf Konzerten und Festivals fotografiert haben. Das hatte mich damals gereizt und ich bin einfach mal mit ihnen mitgegangen. Ein paar Monate später kaufte ich mir meine erste eigene Kamera. Nach relativ kurzer Zeit nach dem Kauf der Kamera kamen tatsächlich die ersten Jobs und ich wurde gefragt ob ich Veranstaltungen und besondere Anlässe für die regionalen Tageszeitung und für meine Universität fotografiere könnte. Da es bei diesen Jobs dann auch ernsthaft darum ging, Rechnungen zu schreiben und Geld mit der Fotografie zu verdienen, habe ich 2013 mein Gewerbe gegründet und bin so auch zur Werbefotografie gekommen. Seit ein paar Jahren mache ich das nun hauptberuflich. Meine Motive sind oftmals eine Mischung aus Mitarbeitern an ihrem Arbeitsplatz und Einzelportraits. Die Branchen sind dabei unterschiedlich und können von der Maschinenhalle eines Automobilzulieferers, bis zu den Mitarbeitern einer Zahnarztpraxis reichen. Das Bildmaterial wird von den Unternehmen im Anschluss meistens für Kampagnen oder ihre Präsentation auf der Webseite und in Printprodukten wie Flyern oder Mitarbeiterzeitungen genutzt.

 

 

2. An welchen Kundenprojekten arbeitest du gerade?

Aktuell sitze ich an der Bearbeitung von zwei Aufträgen, bei denen die Fotoshootings bis auf einen Termin schon abgeschlossen sind. Der eine Auftrag kommt von einem Unternehmen aus der Energiebranche. Die Marketingabteilung kam letzten Monat auf mich zu um drei neue Bilder für Flyer zu fotografieren. Nach den ersten Gesprächen haben sie sich dafür entschieden, dass ich das komplette Bildmaterial für das Unternehmen neu fotografieren darf. Parallel dazu betreue ich eine Ausgründung der technischen Universität in Ilmenau, welche für ihre Webseite und Veröffentlichungen neue Mitarbeiterbilder möchte. Dass man zeitgleich an mehreren Projekten sitzt ist eigentlich normal. Manche sind davon immer wiederkehrende Themen, wie Firmenveranstaltungen beziehungsweise Jubiläen. Neben Unternehmen habe ich auch in einem anderen Bereich immer wieder Privatkunden. Dabei kommt es auch mal vor, dass von einem Privatkunden mein Kontakt in deren Unternehmen weitergegeben wird oder umgekehrt.

 

3. Was ist das Beste an deiner Arbeit und dein persönlicher Antrieb dazu?

Das Beste an meiner Arbeit ist die Abwechslung. Tatsächlich bekommt man sehr viele Einblicke hinter die Kulissen und lernt die unterschiedlichsten Menschen kennen. Gelegentlich bin ich auch außerhalb Thüringens unterwegs. Man sieht jedoch leider nicht oft viel von der Gegend. Meist gestalten sich meine Termine durch Anreise, arbeiten, Abreise. Aber die Dynamik an diesem Beruf gefällt mir dennoch dabei. Ich bin gerne unterwegs, um verschiedene Unternehmen fotografisch einzufangen und das Fotografieren selbst ist immer ein wenig wie eine Jagd nach dem besten Motiv. Ich vergesse gelegentlich die Zeit und die Umgebung um mich herum. Vor ein paar Jahren habe ich mal eine Reise eines Vereins nach Barcelona begleitet und stand deswegen mit meiner Kamera dort am Strand. Etwas später habe ich erst realisiert, dass ich plötzlich bis zur Brust im Wasser stand. Ich hatte einfach ein Motiv gesehen und um eine bessere Perspektive zu bekommen bin ich näher ran. Die kleinen Roststellen vom Salzwasser an meinem Kameragurt erinnern mich immer noch an den Tag. Im Industriebereich muss ich dann natürlich immer etwas vorsichtiger sein und frage vorab in welchen Bereich ich mich genau bewegen kann.

 

 

4. Welche Situation an Deiner Arbeit ist die größte Herausforderung?

Ich muss schon gestehen: Ich bin oft immer noch bei Aufträgen etwas aufgeregt. Ich arbeite selten in meinem Studio und bin deshalb oft bei den Kunden vor Ort. Die Gegebenheiten sind dabei immer anders und eigentlich will ich immer das perfekte Licht und die perfekte Stimmung für die Fotos. Einmal kam es dabei aber auch schon vor, dass ein Kunde hinterher einen anderen Bildlook haben wollte, als beim Shooting besprochen, da habe ich schon etwas geschwitzt … Aber das ließ sich zum Glück in der Nachbearbeitung korrigieren.

 

5. Gibt es praktische Tipps, die die Kreativität fördern?

Manchmal kommt es vor, dass es gewünscht ist, als Fotograf zu einer kleinen Kreativagentur zu werden. Sätze wie “Sie sind da ja der Kreative.” und “Haben Sie dafür eine Idee?” hört man relativ häufig. Tatsächlich mag ich diese Art von Freiheiten, die man bekommt. Ich bin ja oft zum ersten Mal in einem Unternehmen und kann alle Eindrücke unbefangen aufsaugen und mit den Informationen aus den Gesprächen neu kombinieren. Die Mitarbeiter kennen ihre Räumlichkeiten meistens schon sehr genau und haben viele Ecken schon zum tausendsten Mal gesehen. Es sind daher schon ganz kleine Dinge die ich anders wahrnehme: Da sind dann zum Beispiel dieses Rolltor oder die Glaswand, die zu wunderbaren Hintergründen für ein Portrait werden können oder dieser kleine Raum, der plötzlich ganz anders wirkt, wenn man mal auf einen Stuhl steigt. Dabei hilft es mir, bereits ein paar Ideen anderer Fotografen gesehen zu haben. Ähnlich wie sich gewisse Muster in der Motivsuche anzueignen, die man wiederholen kann und immer wieder auf die Gegebenheiten anpasst.

 

 

6. Was zeichnet die Kreativwirtschaft in Thüringen aus?

Die Fotografen und Filmschaffenden in Thüringen würde ich als sehr bunt gemischt ansehen. Es gibt viele, die sich auf bestimmte Bereiche spezialisiert haben, was allerdings nicht ausschließt, dass sie auch in anderen Bereichen arbeiten, um sich mehrere Standbeine aufzubauen. Es ist sogar ganz gängig, dass zum Beispiel sowohl Privat- als auch Businesskunden betreut werden oder themenspezifisch gesehen so etwas wie Landschaften und Babies fotografiert werden. Alle, die ich kennengelernt habe, sind sehr aufgeschlossen, freundlich und hilfsbereit untereinander – vielleicht auch eine Eigenheit an Thüringen. In meinem Netzwerk ist es auch normal, sich gegenseitig auf einem Shooting zu unterstützen, Tipps zu geben oder mal Technik zu leihen. Ich sehe die Branche hier im Allgemeinen als ein sehr soziales Koexistieren und weniger den Konkurrenzgedanken untereinander. In der Werbefotografie in Thüringen würde ich die Auftragslage derzeit recht ausgeglichen sehen. Das ist sicherlich immer ein sehr subjektiv geprägtes Bild, aber ich nehme auch von meinen Kollegen derzeit keine Kritik oder Existenzängste diesbezüglich wahr. Wobei ich allgemein den Eindruck habe, dass Thüringer Unternehmen tendenziell eher kleinere Leistungspakete (zum Beispiel nur zwei bis drei Bilder) nachfragen, da die Marketing-Budgets tendenziell etwas kleiner gesteckt sind. Allgemein würde ich mir für die Kreativwirtschaft wünschen, dass die Vernetzung noch ausgebaut wird. Man steckt sehr in seiner eigenen lokalen “Netzwerk-Blase” an Bekannten und Kollegen in seiner Stadt oder seinem Landkreis. Vermutlich ist das an anderen Orten in Deutschland auch so aber Thüringen ist ja von der Größe her eigentlich gut überschaubar. Ich glaube die Ambitionen sind von vielen da, aber es braucht noch ein paar Jahre – zumindest für mich und meine Branche – bis man gefestigtere Strukturen für ganz Thüringen hat.

 

 

Kontakt

Christoph Gorke
Bergstraße 14
99089 Erfurt
Mobil: 0173-3817429
E-Mail: kontakt@christophgorke.de
www.christophgorke.de
www.fb.com/chrisgophoto
https://www.instagram.com/chrisgophoto/

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