Rückblicke

THAK FORUM 2019 – EINE RÜCKSCHAU

Kreative Dienstleister machen Thüringen zukunftssicher

 

 

„Zukunft gestalten” lautete das Motto des diesjährigen THAK Forums am 22. August im ThEx in Erfurt. Über 20 Aussteller und Referenten stellten neueste Technologien und innovative Dienstleistungen aus den kreativen Branchen vor. Rund 300 Besucher nutzten das umfangreiche Veranstaltungsprogramm zum Netzwerken und besuchten Workshops sowie Kurzvorträge zu Themen, die Antworten auf die Zukunftsfragen der Thüringer Wirtschaft lieferten. Um 12.00 Uhr wurden bereits die Pforten in Richtung „Zukunft” geöffnet, durch die gespannte Referenten, Besucher und Entscheider aus unterschiedlichen Branchen hinein strömten. Zwischen den Sessions „Spotlights” und „Wissen:teilen” vernahm man Stimmengewirr nebst eifrigem Visitenkarten-Austausch.

 

Herausforderungen, Potenziale und Chancen der Kreativunternehmen

Lust an Veränderung, Mut zum Experimentieren, die schöpferische Freiheit Althergebrachtes zu hinterfragen und die Dinge neu zu kombinieren – das ist das Tagesgeschäft der Kreativschaffenden. Gleichzeitig machte Norman Schulz, Projektleiter der Thüringer Agentur für die Kreativwirtschaft (THAK), auf die Herausforderungen der Unternehmen in Thüringen in seiner Begrüßung aufmerksam: Die Unternehmen befänden sich in einem sich ständig verändernden Umfeld. Digitalisierung, demografischer Wandel und neue Arbeitswelten zwingen sie dazu, sich ständig neu zu positionieren. Das berge zwar Hürden, biete aber gleichzeitig auch enorme Potenziale. „In Thüringen verändert sich etwas. Es herrscht Aufbruchsstimmung“, so die Staatssekretärin des Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft Valentina Kerst im darauffolgenden Grußwort. Thüringen würde sich mittlerweile in Hinblick auf Digitalisierung und kreativschaffende Branchen gut positionieren. Die Thüringer Agentur für die Kreativwirtschaft sei hier wichtiger Impulsgeber. „Wenn die Welle der Veränderung durch das Land rollt, hilft es wenig, sich an stabile Brückenpfeiler zu klammern. Wir brauchen den Mut, uns auf die Surfbretter zu schwingen und die Welle zu reiten”, so Norman Schulz. Dabei sei besonders der Austausch und die Zusammenarbeit von Unternehmen wichtig, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Dies hatte bereits im vergangenen Jahr Thüringer Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft Wolfgang Tiefensee betont: Der Stellenwert der Kreativunternehmen müsse in Hinblick auf die Entwicklung von Produkten und neuen Geschäftsmodellen stärker werden. Das gehe nur durch horizontale Kontakte innerhalb der Branche sowie durch kooperative Wertschöpfungsketten in der Vertikalen. Ein Jahr später scheint dieser Gedanke sich noch stärker verfestigt zu haben: „Man sollte selbst direkte Wettbewerber nicht als Konkurrenz, sondern als Partner und Chance für die Weiterentwicklung seines Unternehmens verstehen”, kommentierte Geschäftsführer und Gründer der „rooom AG” Hans Elstner im Interview.

22.08.2019 Erfurt: Valentina Kerst. Foto: Thomas Müller

 

From ego to lego – inspirierender Input von Keynote Speaker Ramon Vullings 

Keynote Speaker Ramon Vullings, der sich selbst „ideaDJ“ nennt, gab mit seinem Impulsvortrag den Besuchern im Atrium, das bis auf den letzten Platz gefüllt war, inspirierenden Input für die nachfolgenden Gespräche. Vullings sprach zu Themen wie branchenübergreifende Innovation, wie man Platz dafür durch die Überwindung von Ängsten vor Risiken und Herausforderungen schaffen kann und welche Rollen und Einstellungen erforderlich sind, um sie zu gestalten. Außerdem betonte er, dass Innovationen in Netzwerken gebündelt werden können. “From ego to lego“ – so ein Credo aus seinem Vortrag. Ego war gestern. Zusammen könne man Ideen und Business mixen wie ein „ideaDJ“. Dabei seien Ideen verschiedener Unternehmen wie Legosteine: flexibel und miteinander kombinierbar. “Combine and remix strategies and solutions”, so Vullings. Bleibt jeder für sich, können Unternehmen lediglich auf ihre jeweiligen Kernkompetenzen zurückgreifen und verweilen so in ihrem eigenen Ökosystem. Der gebürtige Niederländer ist Vorsitzende der „European Association for Creativity. Er ist davon überzeugt, dass alle Innovationen Kombinationen sind. Daher hilft er Führungskräften und Geschäftsentwicklern mit kreativen Strategien und Tools über ihre Grenzen hinauszublicken und ihr Geschäft auf intelligente Weise zu transformieren. Der „Master of Interaction” zog das gesamte Publikum mit seinem Drive mit: “Let’s celebrate German creativity!” lautete einer seiner stark pointierten Folien.

22.08.2019 Erfurt: Ramon Vullings. Foto: Thomas Müller

 

Künstliche Intelligenzen warfen technikphilosophische Fragen auf

In der zweiten Hälfte des Programms nahmen die Besucher die inspirierenden Gedanken aus der Keynote entweder zur interaktiven Messe oder zum praxisnahen Wissensaustausch innerhalb verschiedener Sessions mit. So diskutierte Mads Pankow, der als Policy Advisor beim Innovationsbüro, der Digitalagentur des Bundesfamilienministeriums arbeitet, unter dem Titel „Innovation aus dem Automaten — Sind Maschinen die neuen Kreativen?”, die Rolle Künstlicher Intelligenz im Kreativprozess. Maschinen produzieren längst nicht mehr nur Texte, Melodien und Bilder nach vorgegebenen Mustern, sondern entwickeln auch kreative Lösungen für Schaltungsprobleme, eigene Patente und beweisen mathematische Hypothesen. Dafür sind keine Superrechner oder neuronale Netze nötig – künstliche Kreativität besteht meist aus nur wenigen Codezeilen. Trotzdem ist sie oft assoziativer, radikaler und effizienter als ihr menschliches Vorbild. Aber macht sie das schon originell? Der allgemeine Konsens des Publikums lautete: Nein. Empathie für die individuellen Wünsche des Kunden oder unfertige Vorstellungen können Maschinen (noch) nicht in der Form auslesen, wie es beispielsweise ein menschlicher Creative Director könne. Spannend sei jedoch die Schnittstelle zwischen Mensch und Gestaltungstool, die kreative Prozesse vereinfachen und vorantreiben könne.

22.08.2019 Erfurt: Mads Pankow. Foto: Thomas Müller

 

Auf der interaktiven Messe konnte man Räume betreten, die man nie zuvor betreten hatte

Zur gleichen Zeit ließen sich die Besucher auf der interaktiven Messe von Ständen der Thüringer Kreativschaffenden inspirieren, die sich um den vom Kreativquartier „KONTOR” gesponserten Netzwerkbereich aufgereiht hatten und so den Kreis für Gespräche an den runden Tischen schlossen. Es wurde genetzwerkt, gestaunt und ausprobiert: „Visitanda” schaffte es, dass Besucher eine Immobilie besichtigen konnten, ohne diese jemals betreten zu haben. Das Team aus Jena macht Immobilienbesichtigungen mithilfe von VR-Brillen stressfreier und flexibler. Ebenfalls auf innovative Effizienz ist die Geschäftsidee von „Visual Selling ausgelegt. Mit der Visual Selling® Methode, werden Kunden unterstützt Innovationsstrategien visuell zu entwickeln, Ideen zu kommunizieren und zu realisieren. Wie solch eine visuelle Kommunikationsmethode aussehen kann, durften die Besucher der Messe selbst ausprobieren, indem sie Zukunftsthemen zu (Digital-)Papier brachten, welche später zu einer Collage zusammengefügt wurden. „Durch die Visualisierung können komplexe Themen erarbeitet werden. Bilder bleiben einfach eher hängen. Potenzielle Kunden können so Angebote besser verstehen und Produkte auf dem Markt schneller verkauft werden”, erklärte Marko Hamel, Geschäftsführer von Visual Selling. Hier läge die große Chance und auch der Bedarf in Zukunft mehr interdisziplinär zusammenzuarbeiten und Bereiche zusammenzuführen. Die visuelle Kommunikation sei hier der ideale Brückenbauer, erreiche Menschen über die Sprache hinaus, könne aus „Worthülsen echte neue Bilder der Innovation machen” und Veränderung herbeiführen.

22.08.2019 Erfurt: Besucher visualisierten am Visual Selling Stand am iPad ihre individuellen Zukunftsthemen.

 

Musikalische Highlights und Sommerfest

Zum THAK Forum wurden auch in diesem Jahr wieder facettenreiche Themen aufgeworfen, praxisnahe Lösungsvorschläge vorgestellt sowie nachhaltiges Wissen und Kontakte ausgetauscht. Der Tag und die Slots wurden von Graphic Recorder Stefan Kowalczyk festgehalten. Die aussagekräftigen Zeichnungen fanden sich auch im von ihm gescribbelten Wegleitsystem auf der gesamten Veranstaltung wieder.

22.08.2019 Erfurt: Graphic Recorder Stefan Kowalczyk hielt die Eindrücke des Tages fest.

Finalen und musikalischen Abschluss fand das THAK Forum dort, wo es begonnen hatte: Im Atrium fasste Liedermacherin Friederike Teichert die Ereignisse des Tages in einem klangvollen und poetischen „Wrap Up” begleitet am Klavier für alle Besucher zusammen: „Wir singen alle gemeinsam im Chor: Von Ego zu Lego!”. Burghold & Frech widmeten dem THAK Forum nach ihrem Besuch einen Blogbeitrag mit ihren persönlichen Impressionen. Die anregenden Gespräche des Tages wurden zum abschließenden Sommerfest und einem Live-DJ im aufbereiteten Seecontainer der Boxmeisters bei kühlen Getränken (ein Container-Stockwerk darunter) von der B2B-Agenturgruppe ART-KON-TOR vertieft. Die multifunktionalen Boxen, die tagsüber zum kreativen Denken einluden, verwandelten sich abends in eine sommerliche Begegnungsstätte, bei der Besucher, Entscheider und Kreativunternehmen in entspannter Atmosphäre zum Austausch bis in die Abendstunden zusammenkamen. 

22.08.2019 Erfurt: Boxmeisters und ART-KON-TOR. Foto: Thomas Müller

 

Fotos: Thomas Müller

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