Rückblicke

Konkurrenz vs. Kooperation

Rückblick auf die konTHAKt #Weimar

Erfolgreiche Geschäftsmodelle passen sich dem verändernden Markt an. Wie man mit dem Meer an neuen Herausforderungen umgeht, ob man sich direkt in die Brandung wirft, oder erst einmal einen Schutzwall aufbaut, ist typabhängig. In solchen Zeiten ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern nicht zu unterschätzen. Aus Konkurrenten können Verbündete werden. Hält dieser “zauberhafte” Ruf nach mehr Kollaboration auch dem harten Geschäftsalltag stand und ist es wirklich das witterungsbeständige Boot mit dem Fangnetz? Oder ist es doch bloß das Einhorn unter den nachhaltig erfolgreichen Geschäftsmodellen? Diesen Fragen gingen Unternehmer und Experten auf der konTHAKt #Weimar auf den Grund. „Alle reden von Kooperation, aber tatsächlich machen das sehr wenige“, so Claudia Köhler. Die Branchenexpertin für Vernetzung und Beratung bei der Thüringer Agentur für die Kreativwirtschaft (THAK) eröffnete am 6. Dezember die Netzwerkveranstaltung in den Ausstellungsräumen der ACC Galerie Weimar.

Eine Rückschau wird zum Ausblick wird zum Weitblick

Die Galerie für zeitgenössische Kunst feierte im vergangenen Jahr ihr dreißigjähriges Bestehen. In Räumen, Fluren und Kammern, gleichsam gegliedert wie ein Perlboot, wurde die Retrospektive des Filmemachers Pavel Schnabel gezeigt. Dabei standen dokumentarische Zeitzeugnisse des Wandels und der Wendezeit im Fokus. Interviews mit Menschen, die sich neu ausrichteten, weil ihre alte Arbeitswelt keinen Bestand mehr hatte und sich in einer geänderten Gesellschaft neu einrichten mussten. Sie sprachen von Lebensumbrüchen und Orientierungsprozessen in einem Labyrinth. In der Herzkammer der Ausstellung wurde der Dokumentarfilm „Brüder und Schwestern“ von 1991 gezeigt, der die Wende und anschließende Wiedervereinigung in Weimar porträtiert. Dieser Raum bildete den Rahmen für die konTHAKt #Weimar mit dem Thema „Konkurrenz vs. Kooperation – Was bewährt sich in Thüringen: do it yourself oder do it together?“.

Auf dem Podium: Dirk Hildebrandt, Marcus Berger, Alexander Otto und Nicole Sennewald (v.l.)

Ein breites Spektrum an Erfahrungswerten und Meinungen

Auf dem Podium nahmen neben dem Personal- und Teamentwickler Marcus Berger drei weitere Unternehmer Platz. Die Expertin für digitale Kommunikation Nicole Sennewald betreibt in Erfurt das KrämerLoft, ein familienfreundliches Coworking Space. Ihr Motto lautet: Sharing is Caring. In ihrer Community findet durch Kooperationen permanent Wissenstransfer statt. Ein weiterer Verfechter dieser Art der Zusammenarbeit ist der Kreativunternehmer Dirk Hildebrandt. Neben seiner Werbeagentur internet + Design in Weimar, startete er jetzt in ein neues Abenteuer. Gemeinsam mit den beiden Unternehmen Jenpix und Tritum gründete er dreistrom.land. Neben dem engen internen Austausch, werden so weitere Kundenbedürfnisse durch die Kompetenzvermehrung abgedeckt. Ein weiterer Faktor ist, dass man jetzt auch Ansprechpartner für größere Kunden wird. Für Alexander Otto, Unternehmensberater und Geschäftsführer der Brandmediale GmbH in Erfurt, ist Kooperation in der Theorie zwar gut und schön, aber in der Praxis kein nachhaltig gelebtes Erfolgsmodell für Unternehmen. Damit bildete er den Counterpart im unmoderierten Podiumsgespräch der ersten Hälfte. Nach einer kurzen Pause, wurden die Teilnehmer der konTHAKt #Weimar in die Diskussion mit eingebunden.

Komplexes führt durch die Betrachtung Vieler zu Innovationen

„Wie geht man mit komplexen Situationen um, die einen als Individuum überfordern können?“, fragte Marcus Berger und lieferte die Antwort sogleich selbst. „Es steigert sich die Bereitschaft zur Kooperation.“ Überwindet man die Konkurrenzangst und geht die Überforderung strategisch an, kann das der erste Auslöser für eine Zusammenarbeit sein. Vor allem können durch Kollaborationen bewusst Innovationen provoziert werden. In seinem Impulsvortrag: „Richtig kooperieren will gelernt sein“ zeigte der JUNEF–Netzwerkgründer wie kollaborative Zusammenarbeit den eigenen Arbeitshorizont erweitern kann. „Der Arbeitsprozess dauert zwar länger, hat aber seine Vorteile. Wenn alle mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen an der gleichen Sache arbeiten, habe ich viele Schnittstellen, an denen ich Neues entdecken kann. Es wird quasi mit verschiedenen Brillen auf dasselbe Problem geschaut.“ Anstatt nur Abläufe und Prozesse abzuarbeiten, ergibt sich ein: a+b+c+x.

Wieviel Mehrwert bietet denn x den Unternehmern?

In einer Kooperation wird Tacheles geredet, ansonsten ist es Zeitverschwendung. Diese Erfahrung hatte Dirk Hildebrandt früher öfter gemacht. Es müssen vorab die persönlichen Wertvorstellungen und Erwartungshaltungen geklärt sein. Hinzu kommt, dass tatsächliche Kompetenzen preisgegeben werden. Ein sensibles Thema, aber ansonsten ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht erfolgversprechend. „Es gibt Projekte, die vielleicht finanziell nicht so viel einbringen, aber man sammelt dort unglaublich viele wichtige Erfahrungen“, so der Werbeagenturchef. Der Start einer Kollaboration gestaltet sich häufig holprig. Diesen Invest muss man monetarisieren. Nur wer übernimmt die Kosten? Für Alexander Otto ist es klar, dass „der klassische Thüringer Mittelständler das x aus der Kollaboration nicht bezahlen kann.“ Die Kreativunternehmen gehen damit also in Vorleistung, ohne zu wissen, ob es sich wirtschaftlich rentieren wird. Ist das wirtschaftliche Niveau im Ungleichgewicht und spielen die Partner nicht auf Augenhöhe, gerät das ganze Unterfangen ins Wanken. Das seien zu viele Wenns, die einer lang anhaltenden Zusammenarbeit im Wege stehen, so der Unternehmensberater.
Für kurzfristige Projekte biete es aber interessante Vorzüge, ist Nicole Sennewald überzeugt: „Durch Kooperationen kann ich mich flexibel an die Kundenbedürfnisse anpassen. Die Thüringer Kunden wollen alles aus einer Hand, alles andere regeln die Kooperationspartner dann intern untereinander. Im Digitalbereich wird es noch lange genug zu tun geben.“ Einig waren sich die Podiumsgäste, dass die Größe einer Agentur sich im Auftragsvolumen und der Größe des Kunden widerspiegelt. Ein Team auf Augenhöhe schafft mehr, als einer alleine. Das führt zu neuer Handlungsstärke. Es bedarf einer Stabilität und Flexibilität, so dass man mit seinen Unternehmungen langfristig manövrierfähig bleibt.

“Richtig kooperieren will gelernt sein!” Marcus Berger gestaltete den Einstieg in den Abend.

Unterwirft man alles dem Verkaufen, verhindert man den Freiraum für Kreativität

Das Thema rüttelte an den Grundpfeilern der eigenen Unternehmenskultur. Offen und authentisch wurden mit den Teilnehmern die unterschiedlichen Ausrichtungen der jeweiligen Firmenphilosophien und Konzepte diskutiert. Ist das Ziel eines Unternehmens wirklich nur die reine Profitmaximierung? Aus dem Publikum heraus weitete Christian Seidel, Inhaber der Erfurter Werbeagentur Samt & Seidel, den Blick. Er habe immer Wert darauf gelegt, dass die Mitarbeiter in seiner Werbeagentur Freiraum erhalten. „Genau dieser Freiraum brachte den geilen Scheiß, der erstmal nichts einbrachte. Ich brauche aber keinen Sparkassenmitarbeiter. Wir verdienen mit kreativen Kommunikationskonzepten. Die Arbeit kommt nicht auf Knopfdruck. Wenn ich nach der Maxime leben würde, nur Umsatz machen zu müssen, dann wäre ich kein Kreativer mehr.“
Das Fazit der Netzwerkveranstaltung zog Marcus Berger: „Als Branchenfremder war es spannend zu sehen, welches Spektrum hier aufgemacht wurde und welche Erfahrungen die anderen Podiumsgäste gesammelt haben. Da ist aber auch noch viel Arbeit erforderlich.“

 

Text und Bilder: Michael Krömer

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