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Medienförderung im Kontext des Umbruchs der Medienlandschaft

Gastbeitrag der Mitteldeutschen Medienförderung

Wie alle Branchen erlebt die Medienbranche den digitalen Shift als einen Umbruch etablierter Produktionsweisen und Geschäftsmodelle. Durch neue Technologien stehen sowohl neue Instrumente für die Produktion bereit als auch für die Distribution medialen Contents, es entwickeln sich infolge dessen neue Formate, neue Produkte. Ein weiterer Treiber ist ein sich ständig wandelndes Medienrezeptionsverhalten. Das Brisante an dieser (nicht aufzuhaltenden) Entwicklung ist deren Geschwindigkeit, die es zu einer Herausforderung werden lässt, sich unternehmerisch in den Medien bewegen zu können.
Die Filmindustrie als eher „klassische“ Medienproduktion sieht sich im Zuge der Digitalisierung im Detail mit anderen Themenstellungen konfrontiert als der Bereich der Neuen Medien. Beiden gemeinsam ist der Wunsch, ein Publikum zu erreichen und die Produktion von Medienformaten finanziell solide stemmen zu können. Film kann dabei in Deutschland i.d.R. auf ein gewachsenes Instrumentarium aus Verleih-, Sender und Förderunterstützung auf nationaler und regionaler Ebene zurückgreifen. Für die Neuen Medien sind diese Strukturen teils erst am Entstehen, eine Konsolidierung ist hier noch ein Ziel. Medienförderung ist bestrebt, beide „Bedürfnispakete“ im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben und Möglichkeiten auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene zu beantworten. Eine sinnvolle Begleitung der Produktion von Medien am Standort – für die MDM ist dies Mitteldeutschland als Dreiländerentität – ist Ziel der Tätigkeit regionaler Medienförderung.

 

Förderschwerpunkt Neue Medien

Die MDM orientiert als klassisch gewachsene regionale Medienförderung ihre Schwerpunkte an den Besonderheiten der Medienstandorte Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen: dazu zählen insbesondere die Bereiche Kinderfilm, Dokumentarfilm und die Nachwuchsförderung. Eine Förderung von Games beispielsweise ist seit den Anfangsjahren der MDM, die in diesem Jahr ihr 20jähriges Bestehen feiert, möglich. Für den Bereich der Neuen Medien bzw. den der „anderen audiovisuellen Werke“ bestimmt die Kinomitteilung der EU die gesetzlich mögliche Spannweite förderfähiger Produkte. Verknappt gesagt bedarf es dabei storybasierter und bewegtbildfokussierter Vorhaben. Dazu können narrative, audiovisuelle digitale Games ebenso wie VR-, AR oder XR-Projekte zählen, da diese wichtige Kriterien von Interaktion und Storytelling quasi von Natur aus häufig in sich tragen. Die MDM ist bestrebt, der Vielfältigkeit der neuen Formate entgegenzukommen, indem hinsichtlich der Antragstellung auf Förderung eine Clusterung anderer audiovisueller Werke nach interaktiven Formaten, linearen Webprojekten, immersiven und/oder Multiplattformprojekten vorgenommen wurde. Als Wirtschaftsförderung ist für uns die Darstellung der Marktfähigkeit und Marktgerichtetheit eines Medienproduktes essentiell, wir unterstützen wirtschaftlich erfolgversprechende Produktionen in den drei mitteldeutschen Bundesländern.

 

Branche in Thüringen

Eine Aussage über die Branche in Thüringen ist geprägt durch den Fokus, der sich für uns als Förderung vor allem über die Antragstellung ergibt. Diese spiegelt die Branche erfahrungsgemäß nur in Teilen. In den Anträgen im Bereich Neue Medien finden sich Thüringens starker Bezug zur Produktion von Kindermedien sowie der starke Durchsatz mit technologischer und auch sehr kreativer Forschung bzw. Arbeit an den Hochschulen und Universitäten im Land wieder. Darüber hinaus ist es kein Geheimnis, dass die ostdeutschen und damit auch die mitteldeutschen Bundesländer im Bereich der Medienproduktion eine eher kleinteilige Produktionslandschaft besitzen, die nichts desto trotz spannende, innovative Formate von hoher Qualität entwickelt.

 

Was kann alles gefördert werden?

Das kann sehr eindeutig beantwortet werden: entlang unserer Förderrichtlinie können wir „die Vorbereitung, Herstellung, Verbreitung und Präsentation von Film-, Fernseh-, Video- und weiteren audiovisuellen Medienproduktionen, sofern sie kulturellen Inhaltes und wirtschaftlich Erfolg versprechend sind“ fördern. Im Bereich Neue Medien umfasst dies vorrangig die Phasen von Stoff- bzw. Projektentwicklung und die Produktionsförderung. In Formaten gesprochen können dies – neben narrativen Games – ebenso storybasierte VR- und AR- und 360°-Vorhaben fiktionaler und dokumentarischer Natur sein, gleichgelagerte Apps und unter besonderen Voraussetzungen (Stichwort: Wirtschaftlichkeit) auch reine Webprojekte.

 

Höhe der Förderung

Die mögliche Höhe der Antragssumme auf Förderung sollte sich zum einen immer in einem gesunden Verhältnis zu den Gesamtherstellungskosten darstellen. Als Förderung öffentlicher Hand vergeben wir Unterstützung aus Steuermitteln, üblich ist dabei – wie auch bei anderen öffentlichen Fördermaßnahmen – eine hälftige Finanzierung, auch in Kumulation, nicht zu überschreiten. Wir hinterfragen vor allem den sogenannten Regionaleffekt, also in welcher Höhe der konkrete wirtschaftliche Effekt der ausgereichten Gelder in der Region liegen wird. In der Projektförderung ist ein nachgewiesener Effekt, mindestens in Höhe der Antragssumme, eine Voraussetzung, um mit uns ins Gespräch zu kommen. Zusätzlich ist die Höhe der Förderung auch von der Projektphase abhängig, d.h. ein Projekt in Entwicklung wird i.d.R. nicht so hoch gefördert werden wie ein Projekt in Produktion, da hier die Budgetplanung üblicherweise auch in geringerer Höhe erfolgt.

 

Aktuelle Beispiele für Förderung Neue Medien in Mitteldeutschland

In der jüngeren Vergangenheit konnten wir mit „Crazy Machines VR“ ein VR-Game, das in der Region entwickelt wurde, in Produktion unterstützen. In Entwicklung haben wir u.a. auch Projekte, die in Teilen in Thüringen realisiert werden, gefördert. So beispielsweise die VR-Serie „Future Diaries“ oder das Game „Call her Lotte!“. Mit „Großbreitenbach 100%“ wurde im vergangenen Jahr eine dokumentarische Webserie in Thüringen gedreht, die es in diesem Jahr auch auf internationale Webfestivals schaffte.

 

Kriterien für erfolgreich gestellte Förderanträge

Dazu zählt als erstes ein verpflichtendes Beratungsgespräch vor der Antragseinreichung, bei dem die Gelegenheit zur Präsentation der Firma gegeben ist und vor allem auch das Ausloten des Projektes vor dem Hintergrund unserer bereits erwähnten Förderrichtlinie im Mittelpunkt steht. Da die MDM ein externes Vergabegremium besitzt, gilt es, ein wirtschaftlich erfolgversprechendes Projekt konzeptionell so darzustellen, dass neben dem herauszuarbeitenden Regionaleffekt Inhalt und Form des Produktes die Vergabeausschussmitglieder nach marktgängigen Maßstäben überzeugen. Nicht zu vergessen ist, dass zum Zeitpunkt der Antragstellung alle geforderten Unterlagen vorhanden sein sollten, um eine korrekte Einschätzung des Projektes zu ermöglichen.

 

Auf welche Fallstricke gilt es zu achten?

Für die Antragstellung ist zunächst die Erfüllung der formalen Einreichkriterien der Förderrichtlinie wichtig. Diese ist im Volltext auf unserer Homepage zu finden, zudem gibt es für die unterschiedlichen Förderarten weiterführende Merkblätter, die viele Detailinformationen enthalten. Insbesondere ist auch die Beratungstätigkeit der Fördermitarbeiter, im Vorfeld der Antragstellung, darauf gerichtet, Fallstricke aus dem Weg zu räumen. Man sollte sein Vorhaben wirtschaftlich und inhaltlich schlüssig darstellen können, das ist in der Regel der Fall, wenn man sich selbst mit etwas Abstand mit seinem zukünftigen Produkt auseinandersetzt und das Publikum mitdenkt, für welches man zu produzieren gedenkt.

 

Wo kann man sich informieren?

Natürlich in erster Linie auf unserer Webseite, die neben den Unterlagen zum Förderprozess auch geförderte Projekte und den Service der Film Commission Mitteldeutschland bereithält. Hier sind auch alle relevanten Ansprechpartner mit ihren Kontaktdaten zu finden. Ein direktes Gespräch per Telefon oder auch bei uns im Hause ist nach vorheriger Anmeldung möglich. Neben weiteren Publikationen der MDM, wie unserem Magazin Trailer mit Hintergrundberichten zum Medienschaffen in Mitteldeutschland, finden als Informationspunkte jährlich Veranstaltungen zur Nachwuchsförderung bzw. zu förderspezifischen Medienthemen statt, auf die wir auf unserer Homepage bzw. auf Facebook hinweisen. Zusätzlich sind wir auf regionalen und überregionalen Veranstaltungen bzw. Messen vertreten, um über die Fördermöglichkeiten der MDM zu informieren.

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