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Corporate Blogging: Bringt mir ein Unternehmensblog im Jahr 2018 noch etwas?

Wenn es um eine ausgewogene Marketing-Strategie geht, dann kommt dieser Tage kaum ein Unternehmen an dem Thema Content-Marketing vorbei. Egal ob kreatives Videomarketing, lehrreiche Infografiken oder spannende Instagram Stories – Content ist King! Doch wie sieht es eigentlich mit Blogs aus? Gehören diese auch im Jahr 2018 noch zu einer erfolgversprechenden Marketing-Strategie oder verdienen sie bereits das Prädikat „old fashioned“?

 

5 Gründe, die für einen Corporate Blog sprechen

Ja, es stimmt: Ein Unternehmensblog kostet Zeit – und damit auch zwangsläufig Geld. Diesen Umstand kann man nicht schön reden. Wenn Sie sich jedoch vor Augen führen, dass das Corporate Blogging ein paar ziemlich attraktive Vorteile mit sich bringt, dann ist es nur noch halb so schlimm. Lesen Sie hier fünf Gründe, die für einen Corporate Blog sprechen:

Grund #1: ungefilterter Kommunikationskanal
Ich persönlich finde, dass dieser Grund der wichtigste und gleichzeitig auch der unbekannteste ist, der für einen Corporate Blog spricht. Wenn ich das Erstgespräch mit meinen Kunden führe, dann weise ich sie gern darauf hin, dass sie über einen Corporate Blog ungefiltert kommunizieren können.
Das bedeutet: Kein Journalist, kein Algorithmus und kein Adblocker, der sich zwischen sie und ihre Kunden stellt. Klingt doch paradiesisch, oder etwa nicht?

Grund #2: Suchmaschinenoptimierung
Selbstverständlich ist ein Unternehmensblog auch immer dann von Vorteil, wenn Sie Ihre Internetseite im Hinblick auf die Suchmaschinenoptimierung verbessern wollen.
Ein Blog liefert nicht nur immer wieder frischen Content, sondern bietet auch die Möglichkeit, sich mit aktuellen und relevanten Themen auseinanderzusetzen. Google und andere Suchmaschinen werden Sie hierfür lieben!

Grund #3: Content für Social Media
Kennen Sie diese Situation? Sie sitzen vor dem Computer und eine innere Stimme sagt Ihnen, dass es an der Zeit ist, endlich mal wieder etwas auf Facebook zu posten. Doch eine andere protestiert im nächsten Atemzug lauthals: „Jaaahaaaa, aber was denn bloß?!“
Ein Corporate Blog ist selbstverständlich kein Allheilmittel für dieses Dilemma – doch er ist Ihnen durchaus hin und wieder dabei behilflich, Inhalte mit Ihren Fangemeinden auf Facebook, Twitter, XING und Co. zu teilen.

Grund #4: Austausch mit der Community
Apropos Fangemeinde. Es soll ja Unternehmen geben, die eine verhältnismäßig enge Bindung zu ihrer Community aufbauen und diese aktiv in verschiedene Prozesse – beispielsweise das Design eines neuen Produktes – einbeziehen. Gar nicht mal so dumm.
Ein Blog ist der perfekte Kanal, um sich direkt mit Ihrer Community auszutauschen, ihr Fragen zu stellen und nach ihrer Meinung zu fragen. Nutzen auch Sie diese Möglichkeit!

Grund #5: Kostenlose Werbung
Ich nehme an dieser Stelle schon einen Punkt vorweg, der eigentlich erst im nächsten Absatz angesprochen werden sollte: Ein guter Unternehmensblog ist KEINE Dauerwerbesendung.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie ihn nie für Werbezwecke nutzen dürfen. Wir erinnern uns: Ein Corporate Blog ist ein Marketing-Tool und darf auch gern als solches eingesetzt werden – sowohl direkt als auch indirekt.
Ein gutes Beispiel, dass eindrucksvoll zeigt, wie Unternehmen unaufdringlich mit ihrem Blog für eigene Produkte und Dienstleistungen werben können, liefert der Online-Shop odernichtoderdoch. Hier wird übrigens bewusst auf den Begriff „Blog“ verzichtet. Stattdessen liefert das Unternehmen seiner Community „Inspiration“. Eine interessante Wortwahl, wie ich finde.

 

Was macht einen guten Corporate Blog 2018 aus?

Wer 2018 noch mit einem Corporate Blog erfolgreich sein will, der muss ein paar Dinge beachten. Einfach mal hin und wieder einen halbgaren Text hochladen und mit Pixabay-Fotos bebildern ist vielleicht ein (mittelgut gemeinter) Anfang, aber definitiv nicht das, was die weiter oben genannten gewünschten Effekte mit sich bringt.
Wenn Sie das Projekt „Corporate Blog“ professionell angehen wollen, dann werden Ihnen diese Aspekte dabei behilflich sein:

Das Ziel
Was wollen Sie mit Ihrem Blog erreichen? – Eine Frage, die ich meinen Kunden immer gern stelle. Die Antwort darauf lautet in der Regel: „Ich möchte damit Kunden gewinnen.“
Selbstverständlich möchten sie das. Doch ist das tatsächlich die einzige Daseinsberechtigung für einen Unternehmensblog? Sollte er sofort eingestampft werden, wenn nicht innerhalb von sechs Monaten eine Verdopplung der Umsätze verzeichnet wird?
Ich bin immer ein bisschen skeptisch, wenn es um diese Thematik geht. Ja, man kann mit einem Corporate Blog Kunden gewinnen. Doch man kann diesen Kanal auch noch für so viel mehr einsetzen!
Denken Sie beispielsweise an Aspekte wie (Personal) Branding, den Aufbau einer Arbeitgebermarke und den bereits angesprochenen Austausch mit der Community. Es wäre schade, den eigenen Unternehmensblog bloß als einen (weitere) Absatzkanal zu betrachten und alle anderen Chancen ungenutzt verstreichen zu lassen.

Die Strategie
Wenn das Ziel feststeht, gilt es im nächsten Schritt, den Weg zu definieren, der zu diesem führt. Auch hier gilt wieder: Individualismus ist Trumpf. Es gibt keine geheime Zauberformel für erfolgreiche Blogs – oder zumindest ist sie mir nicht bekannt.
Zehn verschiedene Unternehmen werden zehn verschiedene Strategien benötigen, um mit ihrem Blog das zuvor definierte Ziel zu erreichen. Der Fahrplan ist also immer ein anderer.

Die Botschaft
An dieser Stelle kommen wir noch einmal auf die „Dauerwerbesendung“ zu sprechen, die ich weiter oben bereits erwähnt habe.
Die Botschaft von einem guten Unternehmensblog sollte nie lauten: „Los, kaufe unser Produkt/unsere Dienstleistung!“ Das ist nicht nur ziemlich einfallslos, sondern sorgt auch dafür, dass der Leser schneller abgesprungen ist als Sie „Corporate Blogging“ sagen können.
Natürlich sollte sich die Botschaft des Mediums immer auch an dessen Zielsetzung orientieren, doch dürfen Sie in diesem Hinblick gern ein wenig kreativer sein. Denken Sie zum Beispiel noch einmal an den Online-Shop odernichtoderdoch, der seinen Usern nichts aufschwatzen, sondern diese inspirieren möchte. Allein die Bezeichnung des Blogs führt dazu, dass eine besonders angenehme Botschaft zum Rezipienten transportiert wird.

Die Inhalte
Die Inhalte sind nicht nur das Herzstück Ihres Blogs, sondern auch dessen Seele. Ganz allgemein sollten sie diese Merkmale mit sich bringen:

• Qualität
• Relevanz
• Mehrwert
• Aktualität
• Einzigartigkeit

Damit der Inhalt auch langfristig im Gedächtnis des Rezipienten bleibt, empfehle ich gern einen Content-Mix. Ein Blog muss schließlich nicht ausschließlich aus Texten bestehen. Auch Bilder, Infografiken, Videos, Diagramme und mehr haben hier durchaus eine Daseinsberechtigung und werten den Blog qualitativ auf.

Die Corporate Language
Puh, ein ganz schöner Zungenbrecher, was? Die Corporate Language – oder auch einfach: Unternehmenssprache – ist ein wichtiger Bestandteil der Corporate Identity und spielt nicht nur im Bereich Blog eine Rolle. Doch gerade hier wird sie sehr gern außer Acht gelassen.
Jedes Unternehmen schlägt in seiner Kommunikation einen bestimmten Ton an. Die einen mögen es hochgradig professionell mit einer exorbitanten Ansammlung von Fachtermini. Die anderen quatschen ihre Community lieber lockerflockig an.
Welchem „Lager“ Sie angehören oder ob Sie (mit hoher Wahrscheinlichkeit) irgendwo dazwischen anzusiedeln sind, ist zunächst nebensächlich. Wichtig ist am Ende nur dieser Hinweis: Bleiben Sie Ihrer Linie – beziehungsweise Ihrer Corporate Language – treu.

 

Was bringt mir ein Corporate Blog?

Kommen wir abschließend zu der Frage, die ich eingangs in der Headline dieses Artikels gestellt habe: Bringt mir ein Unternehmensblog im Jahr 2018 noch etwas?
Ja – und zwar eine ganze Menge. Allerdings nicht ohne Ihr Zutun beziehungsweise externe Hilfe.
Ein guter Corporate Blog muss im Jahr 2018 durch Qualität, Mehrwert und Relevanz überzeugen. Wer immer nur Themen, die bereits durchgekaut wurden, aufwärmt, vor Fehler strotzende Texte hochlädt und/oder die Leser mit leeren Worthülsen langweilt, der darf keine Wunder erwarten.
Wichtig ist, dass Sie sich eingangs genau überlegen, was Sie wollen und wie Sie am besten an Ihr Ziel kommen. Wenn Sie auf dem Weg dorthin Hilfe benötigen, dann nehmen Sie diese in Anspruch. Ein Unternehmensblog ist nichts, was mal eben schnell nebenbei gepflegt wird. Es gibt genügend Profis aus unterschiedlichen Bereichen, die Ihnen bei der praktischen Umsetzung behilflich sein können.

 

Über die Autorin

Jessika Fichtel arbeitet seit 2015 als freiberufliche und freigeistige Autorin und Bloggerin. Das Spezialgebiet der Wahl-Erfurterin sind Corporate Blogs – von der ersten Konzeption bis hin zur regelmäßigen Generierung von Content. Außerdem lässt sie ihre Kreativität in journalistische Beiträge, Reiseberichte, Webseitentexte, Pressemitteilungen und eBooks fließen. Im August 2018 erscheint ihr erstes Buch „Glücksorte in Erfurt“.

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