Rückblicke

Unternehmenswachstum

Rückblick auf die konTHAKt #Ilmenau

Hat man unternehmerischen Erfolg, dann ist Wachstum die logische Konsequenz. Ist dem wirklich so? Wie Wachstum nachhaltig die Struktur eines Unternehmens verändern kann und vor welchen Herausforderungen die Geschäftsführer dann stehen, darüber sprachen die vier Podiumsgäste auf der konTHAKt #Ilmenau zum Thema „Wachstumsschmerz“.

Als Gastgeber und Ort für die Netzwerkveranstaltung wählte die Thüringer Agentur für die Kreativwirtschaft (THAK) die auftakt.Basis im Technologie- und Gründerzentrum Ilmenau (TGZ Ilmenau). Das Kompetenzzentrum vereint branchenübergreifend innovative Unternehmen. Mit der geographischen Nähe zur TU Ilmenau fördert das TGZ Ilmenau das interdisziplinäre Arbeiten zwischen den ansässigen Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Vernetztes Wissen schafft Synergieeffekte und fördert den Wissenstransfer. Die Architektur des Gebäudes greift die Dynamik des Inkubators auf und setzt dabei auf Transparenz. Markantes Element ist die abgeschrägte Glasfront des Konferenzraumes im Erdgeschoss. Sie lässt großzügig Licht und Energie in den Raum fließen und erweckt Assoziationen zu einem sich öffnenden Garagentor.

Raus aus der Garage, rein ins Geschäftsleben

An dem sonnigen Nachmittag des 7. Mai 2018 führte Claudia Köhler durch die Veranstaltung. „Wir möchten Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen zusammenführen und Erfahrungen austauschen“, so die Branchenexpertin für Vernetzung und Beratung bei der THAK. Das Konzept der konTHAKt #Ilmenau ist so bestechend wie simpel: Ein unmoderiertes Podiumsgespräch mündet in einen offenen Dialog mit dem Publikum.

Auf dem Podium nahmen vier erfolgreiche Thüringer Unternehmer Platz:
– Markus Bonk, Mitgründer der ad hoc gaming GmbH
– Dr. Merle Fuchs, Inhaberin der Unternehmensberatung TechnologieContor.
– Daniel Richter, Geschäftsführer der Firma Gigapixel Ltd.
– Jan Schlennstedt, Gründer der Heimathafen – Erfurter Braumanufaktur

Zu Beginn setzte Dr. Merle Fuchs in ihrem Kurzvortrag wichtige Impulse für das daran anschließende Podiumsgespräch. Dabei schöpfte sie aus ihrem langjährigen Erfahrungsschatz als Inhaberin der Unternehmensberatung TechnologieContor. Seit über zwanzig Jahren betreut und berät Dr. Merle Fuchs innovative, kreative und technologieorientierte junge Unternehmen. So bezeichnete sie sich selbst als „Trüffelschwein“, das immer auf der Suche nach tollen Projekten für Investoren sei. Anhand einiger Fallbeispiele skizzierte die Spezialistin für Business Development wie man mit Wachstum umgehen kann. Bei kleinen Teams schätze sie die Dynamik und mit welcher Geschwindigkeit Projekte gestemmt werden können. Verfolgen jedoch die Investoren und Geschäftsführer direkt zu Beginn eine Strategie des schnellen Wachstums, birgt das Risken. Denn viel Personal bindet viele Ressourcen. Das ist dann eine ganze Menge auf der Payroll, solange man noch in der Gründungsphase ist. „Da ist die Gefahr groß, das Unternehmen gegen die Wand zu fahren“, so die Beraterin.

Ist das Fundament nicht gefestigt, geht das Unternehmen unter

Bei unternehmerischem Wachstum darf man die Verantwortung seinen Mitarbeitern gegenüber nicht aus dem Blick verlieren. „Ist das Fundament überhaupt groß genug, um jemanden einstellen zu können? Niemand entlässt gerne und leichtfertig Mitarbeiter. Da hängen Schicksale dran. Bei Wachstum muss man immer schauen, ob es sich um eine kurzfristige Hochphase handelt, in der viele Aufträge reinkommen, oder ob es etwas nachhaltiges ist“, gab Daniel Richter zu bedenken. Mit zwei weiteren Gesellschaftern betreibt er das einzige Foto-Stockportal der Welt, das sich auf hochauflösende Bilder ab 100 Megapixel spezialisiert hat. So hat schnelles Wachstum für den Geschäftsführer der Firma Gigapixel Ltd. nicht die oberste Priorität. Vielmehr setzt er auf den persönlichen Austausch mit seinem Team. Für Daniel Richter ist eine Unternehmensgröße bis zwanzig Mitarbeiter ideal.

Wenn das Hobby zur Vollzeitfirma wird, ist das alles andere als trivial

Was viele Unternehmer unterschätzen ist der Sprung vom Macher zum Manager. Für das Tagesgeschäft bleibt dann wenig Zeit. Die ursprüngliche Tätigkeit und der eigentliche Grund für die Selbstständigkeit rücken dann in den Hintergrund. Hat man sein Hobby zum Beruf gemacht, ist dieser Wandel für viele ein schmerzhafter Wachstumsprozess. Lebhaft erzählte Markus Bonk den interessierten Zuhörern von seinen Erfahrungen aus der Boom-Branche des eGaming. Auf ehrenamtlicher Basis hatten er und sein Team die Mysterious Monkeys im eSport-Bereich gegründet und damit zweimal die deutsche Meisterschaft gewonnen. Aus dem Ehrenamt wurde eine Vollzeitfirma, als das komplette Team in die ad hoc gaming GmbH überführt wurde, einem Tochterunternehmen der ad hoc best services GmbH. Seitdem hat sich sein Jobprofil stark gewandelt. Internationales Vertragsrecht und Verhandlungen mit neuen Mitarbeitern rückten an die Stelle des einstigen Hobbies. Das Team wächst rasant an. Da muss man genau abwägen welche Kompetenzen und Persönlichkeiten man mit ins Boot holt. „Wir sind ein eingespieltes Team, offen und ehrlich, mit einer gesunden Streitkultur. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass wir aus dem ehrenamtlichen Segment kommen. Für neue Mitarbeiter ist das manchmal schwierig sich in diese Struktur einzufügen“, so Markus Bonk.

Der unternehmerische Reifeprozess

Einen anderen wichtigen Aspekt brachte der Bierbrauer Jan Schlennstedt mit in die spannende Diskussion ein. Sein Ziel mit der eigenen Biermanufaktur sei nicht die größtmögliche Expansion, sondern die Verwirklichung seines Traumes, ein hochwertiges Produkt herzustellen und in der geliebten Heimat zu vertreiben. Er genießt seine Freiheit, nur für sich und seine Familie verantwortlich zu sein. „Angestellte bedeuten auch wieder mehr Zwänge, aus denen Du vielleicht raus wolltest“ so Jan Schlennstedt. Für ihn heiße Wachstum nicht nur mehr Umsätze und größer werden, sondern auch, dass man an sich selber arbeitet und an den unternehmerischen Herausforderungen reift.
Am Ende der anregenden Diskussion mit dem Publikum, leistete der Bierbrauer noch einen weiteren erfrischenden Beitrag – eine Bierverköstigung. Bei kühlen Getränken und Snacks tauschten sich die Gäste mit den Besuchern auf Augenhöhe über ihre Wachstumserfahrungen aus und vernetzten sich untereinander.

Text: Michael Krömer

 

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