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8 typische Fehler beim Videomarketing

Gastbeitrag von Gecko One

Video-Content ist aktuell ziemlich en vogue. Das haben auch Unternehmen mittlerweile gecheckt – und feuern seither bunte Bewegtbilder aus allen Rohren. Aber ein paar Grundregeln gilt es dennoch zu beachten. Wir haben für Sie 8 typische Fehler im Videomarketing zusammengestellt, die Sie allem Hype zum Trotz auf dem Schirm haben sollten: 

 

1. “Die von der Kanalreinigung Weber haben jetzt einen Imagefilm. Wir brauchen sowas auch.”

Sie haben eine Webseite, weil alle eine haben. Sie betreiben eine Facebook-Seite, weil das alle so machen. Sie wollen einen Film, weil jeder einen hat? Inklusive anrührender Firmengeschichte, freundlich lächelnder Mitarbeiter und Branchenführergedöns? Kein Problem. Unternehmensfilme von der Stange bekommen Sie heutzutage an jeder Ecke. Doch mit strategischem Videomarketing lässt sich noch viel mehr erreichen als ein bisschen Imagepolitur. Dafür brauchen Sie aber zunächst etwas, das im allgemeinen Video-Überschwang oft vergessen wird: ein konkretes Ziel. Je präziser, desto besser. Wollen Sie sich und Ihre Dienstleistung bekannter machen? Kaufentscheidungen herbeiführen? Oder Ihre Follower bei der Stange halten? Ohne Ziel auch keine Zielgruppe. Und diese bestimmt schließlich über den Anwendungsbereich Ihres Films und die zu bespielenden Kanäle, über den richtigen Tonfall und relevante Inhalte für den Clip. Einfach mal ein Video machen und es willkürlich in alle Himmelsrichtungen ausstrahlen, ist in den seltensten Fällen erfolgversprechend. Sprechen Sie lieber bereits in der Planungsphase mit Videomarketing-Experten und entwickeln Sie gemeinsam eine Strategie, mit der Sie nicht nur vogelwild auf den Bewegtbild-Zug aufspringen, sondern genau da ankommen, wo sie hin wollen.

 

2. “Ich hab’ die Idee für unseren Film! Strahlende Kollegen, ein Sonnenuntergang, dazu ein paar Luftschiffe und Raptoren – is’ doch geil, oder?”

Klar, wer wollte nicht schon mal Regisseur seines eigenen Films sein? Und bestimmt ist Ihre Idee auch äußerst kreativ und schon lange im Kopf gereift. Aber Obacht! Videomarketing ist komplexer, als es aussieht. Bloß weil die Konkurrenz / der Blumenladen um die Ecke / Quentin Tarantino mal einen so und so gearteten Kurzfilm gemacht hat, heißt das nicht, dass ein Eins-zu-eins-Abklatsch auch für Ihr Business funktioniert. Ebenso wenig ist es zielführend, verschiedene filmische Versatzstücke, die der 18-köpfige Marketingstab zusammengeklaubt hat, in einen Topf zu werfen und von irgendeiner Agentur durchgaren zu lassen. Wenn Sie keinen Woody Allen in Ihren Reihen haben, halten Sie sich lieber an folgende Maßregel: Gegenseitige Inspiration – ja. Sturköpfiges Festhalten an Ideen – nein. Lassen Sie Ihre Kreativen und Video-Experten ruhig an der langen Leine. Die kennen das Medium, seine Möglichkeiten und Restriktionen, wissen um das richtige Verhältnis von Information und Entertainment. Und nicht zuletzt, wie man eine Botschaft zielgruppenadäquat an Mann und Frau bringt. Ihre Ideen sind deswegen nicht schlecht. Oder irrelevant. Nur sollten sie auch einer kritischen Prüfung standhalten und sich nicht um jeden Preis ins Rampenlicht drängen.

 

3. “Wir hätten gern einen dieser coolen 360-Grad-Filme für unser Steuerbüro. Sie machen doch sowas?”

Es existieren zahllose technische Möglichkeiten, um einen guten Film zu machen. Realfilme mit allen erdenklichen Kameras von der GoPro bis zur High-Tech-Drohne. 2D- und 3D-Animation am Rechner. Lege-, Stopp- und Zeichentricks. Beeindruckende Ergebnisse können Sie mit jeder gewünschten Darstellungsform erreichen – die passenden Fachleute vorausgesetzt. Viel entscheidender ist eine Frage, die Sie sich unbedingt stellen sollten, bevor Sie den 150.000-Euro-Stratosphären-Dreh buchen: Wie setze ich meine Botschaft am besten in Szene? Welche Filmtechnik bringt meine Kommunikationsziele am besten auf die Straße? Kann ich mit einem 360-Grad-Film wirklich meine abstrakte Finanzdienstleistung erklären – oder nehmen wir doch lieber den preiswerten Animationsfilm, den die Agentur vorgeschlagen hat? Ihre tatsächlichen Inhalte sollten immer an vorderster Stelle stehen – nicht irgendwelche technischen Spirenzchen, um bei der Konkurrenz Eindruck zu schinden. Und nicht zu vergessen: der ökonomische Aspekt. “Möglich” ist prinzipiell erst mal alles, der Technik von heute sei Dank. Aber wie war das noch gleich? Mit einer Navy-Drohne sollten Sie nicht auf Spatzen schießen (oder so ähnlich). Vor allem nicht, wenn Sie denselben (oder einen noch viel gelungeneren) Effekt auch mit einer Handkamera haben können. Was uns zum nächsten Punkt führt…

 

4. “Ich habe mir sieben Vergleichsangebote eingeholt und sie liegen 75 Euro über den anderen. Womit wollen Sie das bitte rechtfertigen?”

Es geht immer um’s Geld, klar. An der Budgetfrage führt kein Weg vorbei. Man muss sich aber stets im Klaren darüber sein, dass ein kleiner Preis auch kleinen Aufwand bedeutet. Nehmen wir mal eine Interviewsituation. Filmteam A hält da einfach nur drauf, braucht fünf Minuten, erledigt. Filmteam B sorgt hingegen für stimmungsvolles Licht, für ein gestochen scharfes Bild, ein externes Mikrofon für besseren Sound und ein bisschen Make-Up für, naja, sie wissen schon wofür. Dauert länger, liefert aber ein rundum überzeugendes Resultat – ganz anders als Team A. Dabei hatten beide Filmteams ein ähnliches Konzept. So läuft das übrigens bei jedem Angebot und jeder Filmidee. Wie also zwischen Kosten und Qualität abwägen? Schon bei den Vorgesprächen sollte der Dienstleister Ihr Vertrauen wecken – sonst ist er nicht der Richtige. Dann sollte man auch offen über eine realistische Budgetempfehlung sprechen können. Niemand will Sie über den Tisch ziehen – schon aus Eigeninteresse an einer langlebigen Partnerschaft nicht. Ihre Videomarketing-Agentur hat gute Gründe, warum sie die Aufwände für den Vor-Ort-Dreh höher (oder niedriger) einschätzt als etwa der Mitbewerber. Geben Sie dem Dienstleister die Chance, seine Kalkulation zu rechtfertigen. Oder aber Sie geben ein festes Budget vor, das nicht überschritten werden darf. Ein guter Anbieter holt aus dieser Vorgabe das Maximum heraus – allein schon aus dem Grund, weil ihn die Herausforderung anspornt. Wenn man also mehrere Filmangebote auf dem Tisch hat, muss man sich gut überlegen, was man tatsächlich will: Schnell? Gut? Oder günstig? Alles gleichzeitig geht in der Regel nicht. Einigen Sie sich jedoch auf zwei dieser drei Variablen, werden Sie sehen, wie sich Erwartungshaltung und Resultat annähern – zur Freude aller Beteiligten.

 

5. “Wir müssen auf jeden Fall alle 28 Farbvarianten zeigen. Und sämtliche Ansprechpartner. Und die Frau Müller aus der PR hätte gern noch die offizielle Firmenhymne im Hintergrund.”

Nicht immer ist mehr auch wirklich mehr. Sie können eine ganze Menge reden (bzw. zeigen), aber dabei überhaupt nichts aussagen. Was besonders fatal ist, wenn Sie sich mal zu Gemüte führen, wie lang die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne Ihres Publikums ist. Heutzutage werden wir schier überflutet mit Bildern, Nachrichten, Geschichten, Botschaften. Die Zeit, die wir zu investieren bereit sind, um ein einzelnes Video zu schauen, ist in den letzten Jahren derart gesunken, dass in der Folge auch die Inhalte immer knapper werden mussten – oder so fesselnd, dass der Betrachter gewillt ist, noch 30 weitere kostbare Sekunden seines Lebens in Ihre PR-Arbeit zu stecken. Deshalb lautet das Schlagwort dieser Lektion auch: Fokus! Und zwar um jeden Preis. Videomarketing-Experten wissen genau, wie lang ein Videoclip in welchem Kanal und für welche Zielgruppe sein darf. Und wie schnell letztere abschaltet. Seien Sie also nicht so grummelig, wenn die Agentur Ihr abendfüllendes Drehbuch rigoros zusammenstreicht. Das ist keine böse Absicht, sondern notwendig. Verzichten Sie in Ihrem Video lieber auf die sechste Wiederholung Ihres Claims oder das Nischenprodukt, das sich sowieso nur zweimal im Jahr verkauft. Nutzen Sie die knappe Spielzeit lieber für die wirklich elementaren Botschaften, für aufmerksamkeitswirksame Bilder und kreatives Storytelling, das schlussendlich im Kopf bleibt. Ihre Kunden wollen unterhalten werden, egal ob es um ein marktfrisches Porsche-Modell geht oder das neue Antragsformular C-38.

 

6. “Wir haben hier ein 85-seitiges Manifest unserer Firmenphilosophie erstellen lassen. Das muss man ja eigentlich nur noch mit Bildern hinterlegen.”

Ähm, nein. Das funktioniert ebenso wenig wie: “Wir haben hier schon alle Texte aus unseren Broschüren zusammengetragen und würden daraus gern ein Video machen.” Bewegtbild ist ein Medium für sich. Mit seinen eigenen Gesetzen. Vorgaben. Einschränkungen. Aber auch einer bunten Palette an Vorzügen, die kein anderes Werbemittel bieten kann. Irgendwelche vorgefertigten Inhalte “mal schnell übertragen”, das wird weder dem Medium Film gerecht, noch Ihren Ansprüchen an die eigene Außendarstellung. Natürlich können Sie den Sprecher auch die Texte von Ihrer Webseite vorlesen lassen, während im Hintergrund ein paar Stock-Video-Schnipsel fröhlich vor sich hin wuseln. Aber da unterschätzen Sie den Zuschauer und seine Sehgewohnheiten maßlos. Der weiß nämlich sehr genau, wie ein Film funktioniert und ist nicht willens, nur einen Podcast im Schafspelz anzuhören oder permanent Text-im-Bild abzulesen. Zeigen Sie ihm, dass Sie auch das “Video” in “Videomarketing” verstanden haben. Lassen Sie Bilder und Töne sprechen, wo bloßer Text an seine Grenzen stößt. Nutzen Sie die Möglichkeiten des Audiovisuellen, um Stimmungen zu erzeugen, Sachinformationen anzureichern oder Sinnzusammenhänge herzustellen, an denen Worte sich die Silben ausbeißen. Denn bewegte Bilder werden nicht nur schneller vom Kopf erfasst, sondern bleiben auch länger im Gedächtnis.

 

7. “Bestens. Der Film ist im Kasten. Jetzt stellen Sie den noch auf YouTube und dann haben wir erst mal Ruhe für die nächsten Jahre.”

Der Film ist abgedreht, alle sind vom Resultat begeistert. Die Korken knallen bereits. Und jetzt? Ab in die Spur damit! Im besten Fall haben Sie sich natürlich schon im Voraus Gedanken über das Danach gemacht. Ist übrigens in den meisten Lebenssituationen ganz praktisch. Vor der Verbreitung Ihres Films sollten Sie sich also gut überlegt haben, wo er seine Zielgruppe auch tatsächlich erreicht, ob auf Facebook, Instagram, als Pre-Roll-Werbespot bei YouTube oder sogar im Kino. Schließlich bestimmt das auch maßgeblich den Drehplan, um für jeden Kanal die richtigen Bilder zu sammeln. So können aus einem einzigen Video-Konzept individuelle, für jeden Kanal optimierte Versionen hergestellt werden. Auch technische Restriktionen wie Auflösung, erlaubte Codecs und Bitrate spielen hierbei eine Rolle. Werden diese nicht mitbedacht, können die unterschiedlichsten Probleme auftreten, vom schwarzen Rand bis hin zu Unschärfe und Bildartefakten. Aber das hat Ihnen Ihr Video-Dienstleister ja sicher gesagt, weswegen Sie sich jetzt getrost ein Gläschen Sekt genehmigen dürfen. Doch nicht gleich wieder völlig eskalieren! Denn da war ja noch was. Oft genügt es nämlich nicht, das Video einfach auf einem beliebigen Kanal einzustellen und abzuwarten, was passiert. Auch Video-Content benötigt erst mal Reichweite, um wirken zu können. Egal ob Website-Besucher, Follower, Fernsehzuschauer oder Gäste am Messestand – Sie sollten Sorge tragen, dass ihr Schmuckstück auch gesehen wird. Und unbedingt die Werbetrommel dafür rühren. Sei es durch Facebook-Ads, Influencer oder Takeover, die natürliche Strahlkraft Ihrer Hostessen oder was auch immer diesen Hipstern von der Agentur noch einfällt.

 

8. “Wir machen seit Jahren unsere Imagebroschüren mit Meyer, Schulze & Oberhuber. Warum sollten wir da extra für einen Clip eine neue Agentur suchen?”

Vielleicht weil Sie einen Clip haben wollen, der Ihre (potenziellen) Kunden begeistert – und nicht nur die Stammtischkumpels von Meyer, Schulze und Schlagmichtot. Weil Sie einen klar gesteckten Selbstanspruch haben, den sie auch in allen anderen Werbeformen penibel durchsetzen. Weil Sie von ausgewiesenen Filmfachleuten beraten werden wollen, nicht vom Werbetexte- oder Gestalter-Azubi, der schon mal “irgendwas mit Video” gemacht hat. Videomarketing ist – wie wir gelernt haben – ein vielschichtiges Unterfangen, das nach Experten verlangt. Bleibt also die Frage, wer all diese Überlegungen gemeinsam mit Ihrem Unternehmen anstellt und nach Ihren Wünschen realisiert. Eine reine Filmproduktionsfirma? Kennt sich mit Marketing nicht aus. Eine Werbeagentur? Hat von Bewegtbild keine Ahnung. Aber eine Agentur für Videomarketing? Das läuft. Denn dort sitzen Nerds aus beiden Lagern, die es verstehen, Videoproduktion und Vermarktung reibungslos zu verzahnen. Das spart Ihnen nicht nur Nerven, sondern am Ende auch bares Geld. Zack. Bumm. Eigenen Film gedreht – wenn nur alles so einfach wäre.

 

Die Autoren

Ralph HölzerRalph Hölzer ist Diplom-Medienwissenschaftler, Designer, Foto- und Videograf, Regisseur, Marketingexperte, Konzeptionierer, Querdenker und Farbangeber, Ideenschmiede und, und, und. Sein Herz trägt er auf der Zunge und bringt damit absolute Ehrlichkeit und kreative Effizienz in das Projekt ein. Von wegen Konzepter und Regisseure machen nur Laber-Rhabarber – und so ein ehrlicher Ralph führt immer zu einem erfolgreichen Online-Projekt.

 

Nico Kunze

Nico Kunze ist Onlinemarketing-Profi und Konzepter für Gecko One. Der Kommunikations- und Medienwissenschaftler versteht das (Kunden-)Problem und löst es konzeptuell fundiert und fetzig. Langweilig und chaotisch gibt es bei ihm nicht. Aufgewachsen ist er in Thüringen, danach ging es nach Leipzig: Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaften. Egal ob Text oder Konzept oder Online-Marketer – bei Nico kommt unter dem Strich immer ehrliche und höchst-kreative Arbeit raus.

 

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