Rückblicke

Rückschau: konTHAKt #Nordhausen

Über Umwege zum unternehmerischen Erfolg

konTHAKt_NH_Norman_CoDeckDie Thüringer Agentur für die Kreativwirtschaft (THAK) lud am 13. April 2016 zu ihrer Veranstaltung konTHAKt #Nordhausen ins CoDeck ein. Der CoWorking-Space ist ein Knotenpunkt der regionalen Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur im Oberzentrum Nordthüringens. Hier arbeiten Einzelunternehmer, Existenzgründer und Freischaffende, sie vernetzen sich und entwickeln gemeinsame Projekte. Der Ort war gut gewählt: ein atemberaubendes Panorama über den Dächern der Hochschulstadt, große Glasfronten und ein lichtdurchfluteter Raum. Durch diese loftartige Atmosphäre ist das CoDeck ein Raum voller Möglichkeiten mit einem modularen Konzept, das sich den individuellen Ansprüchen anpasst. Ob konzentrierte Arbeitsatmosphäre oder große Netzwerkveranstaltung, alles ist mit wenigen Handgriffen möglich.

Ziel der Veranstaltungsreihe konTHAKt ist das Vernetzen von Unternehmen der Kreativwirtschaft. Norman Schulz, Leiter der THAK, fasste es in seinem Eingangsstatement zusammen: „Der Kreativwirtschaftler ist ein Wanderer, Grenzgänger und arbeitet interdisziplinär.“ Die Erfahrung zeigt, dass Kooperation ein Innovationsbeschleuniger ist und die Komplementärkompetenzen der Beteiligten durch den Austausch gestärkt werden.

Komplementär war auch die Besetzung des Podiums: AIDA (Andreas in der Au) wollte schon als Kind Beamter werden, Sven Ehrhardt dagegen sah sich immer als Rockstar und der Weg von Mario Melle (constancy GmbH) schien durch das Aufwachsen in einer Porzellinerfamilie vorgezeichnet. Tatsächlich saßen ein Poetry Slammer, ein Musiklehrer und Fachautor sowie ein Inhaber eines E-Commerce-Unternehmens und Yogalehrer auf dem Podium. In dem unmoderierten Gespräch spielten sich die drei unterschiedlichen Männer die Bälle zu. Dabei wechselte im hohen Tempo das Gespräch offen, ehrlich und authentisch zwischen persönlichen Wertevorstellungen, beruflichen Erfahrungen und lebenswichtigen Entscheidungen. Alle drei haben Brüche im Lebenslauf, sind in Sackgassen geraten oder Umwege gegangen und setzen ihre Kompetenzen jetzt an anderer, neuer Stelle ein. Und alle drei sagen: genau so war es gut.

P1000473Mario Melle: „Dafür ist das Scheitern ja da. Dass man aus einer Sache lernt. Aus einer Sache die gut läuft, kann ich ja fast nichts lernen. Wenn ich unreflektiert immer weiter mache, dann komme ich immer wieder an die gleiche Stelle. Wenn ich das nicht richtig abschließe, dann mache ich immer wieder die gleichen Fehler.“ So gibt es für Mario Melle nur zwei Möglichkeiten aufzuhören. Entweder als bewusste Entscheidung, was die wenigsten können, oder über den Schmerz. „Ich musste unten liegen, damit ich merke – so nicht.“ Der erfolgreiche Inhaber des E-Commerce Unternehmens constancy GmbH ist heute auch Yogalehrer.

Alle Anwesenden waren sich darin einig, Selbstreflektion ist dabei enorm wichtig. Sich ständig zu hinterfragen und bereit zu sein auch neue Wege zu gehen. Mario Melle brachte die Angst, einfach loszulassen, die viele Menschen hemmt, auf den Punkt: „Lieber tue ich den ganzen Schrott, um bloß nicht in ein Loch zu fallen.“ Hinzu kommt, dass viele die Meinung der anderen über ihre eigenen Werte stellen und oft einen Sündenbock für ihr Scheitern suchen. Die Schwierigkeit besteht darin sich selbst gegenüber ehrlich zu sein und keine Ausflüchte zu suchen.

P1000496AIDA schien seinen Lebenstraum Beamter zunächst zu verwirklichen. Sieben Jahre lang arbeitete er in der Bundesarbeitsgruppe Einkommensteuer Stuttgart. Dann verließ er seine Beamtenlaufbahn, machte sich selbstständig und wurde Poetry Slammer. Mit seiner positiven Ausstrahlung und einnehmenden Art hatte er das Publikum sofort auf seiner Seite. Mittlerweile wird er von seinen Dichter-Kollegen oft als „SteuerWEHRmann“ gerufen und ist deren Steuerberater. Er ist froh, dass er neben der Sprache auch noch das Steuerrecht hat: „Ich stelle mich breitbeinig auf. Wenn man sich nur auf einem Bein aufstellt, ist es extrem wackelig“ so der erfolgreichste Poetry Slammer Thüringens.

P1000671Auch für Sven Ehrhardt war sein Berufswunsch schon früh klar – Rockstar. Im Schlafzimmer der Eltern übte er Schlagzeug, wurde ein international gefragter Schlagzeuger und ist heute ein bodenständiger Musiker, Schlagzeuglehrer und Fachautor. Er ist froh über den Weg, den sein Leben genommen hat: „Schlagzeuglehrer zu sein, erfüllt mich zu 100%. Ich mache das über Liebe. Man muss bei den Kindern eine Leidenschaft entwickeln. Im Unterricht bist Du für die der Entertainer.“ Für Sven gilt die Devise: Gib alles. „Verlieren geht, aber nicht aufgeben. Wenn ich verliere, und ich weiß, ich habe alles gegeben, dann ist es okay. Denn es gibt immer einen, der besser ist.“

Das Publikum hörte in der ersten Hälfte der Veranstaltung den drei unterschiedlichen Gästen gespannt zu. Nach einer Pause, die zum Austausch und Netzwerken genutzt wurde, konnten in der zweiten Hälfte Fragen an die drei Unternehmer gestellt werden. Besonders Strategien, wie man sich auf dem Markt behaupten kann und nicht als Person und Dienstleister scheitert, stießen auf ein großes Echo. Für den temperamentvollen AIDA ist es klar: „Es bleibt eine brotlose Kunst, wenn du nicht mit dem Feuer dabei bist.“

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Neben dem Expertenwissen und den Erfahrungswerten zählt die Leidenschaft, mit der man sein Unternehmen vorantreibt. Auf die eigenen Stärken setzen, das Profil schärfen und sich klar positionieren. Sonst wird man schnell austauschbar.

Sven Ehrhardt hat zur inneren Zufriedenheit gefunden, das ist sein persönlicher Erfolg. Ohne Rücksicht auf Verluste und nur seinem eigenen Ziel hinterherzujagen ist kein guter Rat. Was bleibt dann übrig, wenn man es geschafft hat? Meistens nur verbrannte Erde. So ist es wichtig, bei seinen Partnern immer fair zu bleiben. Der Drummer aus Nordhausen resümmierte: „Wenn es eines ist, was ich gelernt habe, dann ist es ein Netzwerk zu haben. Die Menschen gehen mit dir, wenn du fair und ehrlich bist, und wenn du tust wofür du brennst.“
Eine sehr persönliche und packende konTHAKt #Nordhausen, mit wertvollen Tipps und Ratschlägen für den eigenen unternehmerischen Erfolg, war zu Ende. In vertraulichen Gesprächen mit den drei Podiumsgästen diskutierte das Publikum noch bis in den Abend hinein.

Text und Fotos: Michael Krömer

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