Rückblicke

Co-Working Space Betreiber in Thüringen

Netzwerkabend im Klabauterwerk Erfurt

alle3aaDie Zukunftsbranche Co-Working ist in aller Munde. Mit dieser dynamischen Gestaltung des Arbeitsplatzes verbinden viele Innovationsstärke und nachhaltige Synergieeffekte. Ist dem wirklich so? Wir wollten es wissen und luden die Betreiber von Co-Working Spaces in Thüringen am 10. November zu einem Netzwerkabend in das Klabauterwerk in Erfurt ein.

Was ist das Besondere an Co-Working Spaces in Thüringen, wer sind die Betreiber und welche Erfahrungen haben sie mit ihren Angeboten bisher gemacht? Welche Gesichter und Geschichten stehen hinter dieser kooperierenden Form des Arbeitens?
Im nördlichen Zentrum von Erfurt ist das Klabauterwerk in der ersten Etage einer Gewerbeimmobilie beheimatet. Der Name des Coworking-Spaces leitet sich von der Architektur des Gebäudes ab. Es erinnert an den Bug eines Schiffes. Im dortigen Veranstaltungsraum nahmen etablierte und angehende Betreiber von Co-Working Orten in Thüringen sowie Vertreter der THAK Platz. So unterschiedlich die Ausrichtung der einzelnen Spaces angelegt ist, eint alle der kollaborative Ansatz, der beim Co-Working im Vordergrund steht. Alle Beteiligten tauschten sich rege und sehr offen über ihre besondere Art der Arbeit aus.

Wissen teilen ist angesagt, wer Konkurrenzangst hat, ist an solch einem Ort fehl am Platze. „Man muss auch was reingeben und nicht nur rausholen“, brachte es Daniela Scheler (Sobaexa Coworking) auf den Punkt. So sind die Türen in ihren Jenaer Räumlichkeiten immer offen. “Ihr müßt einen Weg finden, mit anderen über Eure Arbeit zu reden”, bekräftigte Dr. Dörte Gerhardt den kommunikativen Arbeitsansatz von Co-Workern. Mit ihrer Initiative des Vereins Gründerforum Ilmenau e.V. treibt sie die Vernetzung von Ingenieuren und Kreativunternehmer in der Universitätsstadt voran.

 

CoWo1aBesonders wichtig ist die Flexibilität der Räumlichkeiten. So war das Klabauterwerk zunächst als loftartiger Raum mit vielen Schreibtischplätzen konzipiert, erinnert sich Sebastian Möhrke. Die derzeitigen Mieter bevorzugen konzentrierte Rückzugsorte und nutzen den Treffpunkt in der Küche zum Austausch. So wurden einfach Rigipswände eingezogen und einzelne Büros geschaffen. Der Ort ist nicht mehr statische Gegebenheit, sondern modulares System, das sich an die Bedürfnisse der Nutzer anpasst. Heike Kühn (Sobaexa Coworking) schätzt an der vernetzten Zusammenarbeit vor allem die Chancen, die ein großer Branchen-Mix bietet. Gängige Co-Working-Klischees werden in Jena nicht bedient: „Bei uns steht kein Kicker rum“.

Branchenübergreifend Ressourcen bündeln und Synergien bei Einzelunternehmern schaffen – ein Erfolgsrezept, das auch Katja Semmisch kennt. Es komme auf die Haltung an. „Wir können was nicht, aber du, lass uns Projekte gemeinsam machen“, fasste sie eine erfolgreiche Kollaboration mit einem Mieter in ihrem Klabauterwerk zusammen.

Norman4bFür viele Nutzer und Unternehmen ist diese besondere Art des Arbeitsplatzes ein Garant für Innovationsstärke. Hier ist man am Puls der Zeit, aufgrund der hohen Dynamik und der branchenübergreifenden Arbeiter. Viele kommen aus dem HomeOffice, darauf setzt auch Marcus Klatt (yocowo) in Rudolstadt und Saalfeld. Entscheidend ist die Infrastruktur vor Ort und die Mentalität der Menschen. Wer sich lieber nicht vernetzen möchte, ist hier falsch.

Wie viele Betreiber von Co-Working Orten haben auch die anwesenden Teilnehmer zunächst den hohen Aufwand im administrativen Bereich unterschätzt. Im Sobaexa gibt es mittlerweile feste Sprechzeiten für die Belange der Mieter. Für Katja Semmisch wäre das – noch? – undenkbar. Sie ist immer ansprechbar.

 

Anja3aaDas Modell ist für die meisten Betreiber nicht auf Profit ausgelegt. Keiner der Anwesenden kann allein von der Arbeitsplatzvermietung leben. Oft gibt es eine Co-Finanzierung, und laut THAK-Expertin Anja Erdmann haben 75% aller Betreiber in Deutschland noch einen Hauptjob. Nach 2-3 Jahren arbeiten 40% der Co-Working Spaces in Deutschland profitabel.

Nicole4aaVernetzung und ein beherzter Blick über den Tellerrand – eigentlich Alltag für die Betreiber der Co-Working-Spaces. Dennoch, der Austausch mit Gleichgesinnten, mit anderen Organisatoren, über ähnliche oder auch ganz andere Erfahrungen, Fragen und Problemlösungen, wurde als echte Bereicherung wahrgenommen.

Heike Kühn bewertete den Erfahrungsaustausch positiv und betonte, dass sie sich eine solche Runde
gewünscht hätte, als sie mit der Sobaexa Coworking UG noch in der Entwicklungsphase steckten. Marcus Klatt bestätigt diesen Eindruck, er fühlt sich mit dem neuen Input aus dem Abend gut gerüstet für seinen Start. Sebastian Möhrke ist sich sicher, dass der Abend zu einer gegenseitigen Wertschätzung der Co-Working Spaces in Thüringen beiträgt. Nicole Sennewald lobte den offenen Austausch und dankte allen Beteiligten, dass sie dadurch diesen Abend zu einer gelungen Veranstaltung werden ließen.

Text und Fotos: Michael Krömer

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