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Instagram: Algorithmen verstehen und Digital Storytelling kreativ nutzen

10 praktische Tipps (und 10 Extra-Tipps) für Kreativschaffende

Digitale Medien bieten ganz neue Möglichkeiten, Geschichten emotional, spannend und multimedial zu erzählen. Die Kommunikation im digitalen Raum ist knapper, schneller und hybrider geworden. Erzähler:innen stehen jedoch vor der Herausforderung: Wie erzählen wir unsere Geschichten in jenem Raum, der ein ganzer Kosmos ist? Und welche Rolle spielen dabei die viel beschworenen, oft mysteriös wirkenden Algorithmen? Instagram-Expertin Teresa Werner alias @resiresolut ist Storydesignerin und Social Author und von Haus aus Literaturwissenschaftlerin. Sie überträgt die Individualität von Firmen und Einzelpersonen in deren digitale Identität – mit Digital Storytelling nach dem Creator-Ansatz. Wir haben Teresa zum digitalen Talk getroffen und konnten ihr 10 praktische Tipps (und 10 Extra-Tipps) für eine strategisch optimierte Business-Kommunikation auf Instagram abluchsen.

 

 

Teresas Tipp Nr. 1:

Netzwerken: Social Media sind keine kostenlose Werbeflächen, die wir nur zu bespielen brauchen. Das sind SOZIALE NETZWERKE. Es geht also vielmehr darum, in Kontakt mit den Menschen zu kommen, die sich für meine Sicht auf die Welt interessieren dadurch – quasi durch die Hintertür – auch für meine kreativen Ideen und Dienstleistungen. Kommunikationsarbeit auf Instagram ist daher Netzwerkarbeit. Das bilden auch die Algorithmen ab, die allein die Interaktionen bewerten – und nicht den Content an sich. Algorithmen können nur bewerten, was mit ihm geschieht. Und wenn wir wollen, dass mit unserem Content interagiert wird, sollten wir auch mit dem Content von anderen wertschätzend interagieren. Dabei immer so menschlich wie nur möglich bleiben und nicht auf verkaufen getrimmt sein. Merke: Interessante Leute sind interessierte Leute. Und das, was ich an Interaktion gebe, entspricht dem, was ich bekomme. Das ist menschlich und daher auch technisch nachvollziehbar. 

#netzwerkarbeit #interaktion #community

 

Teresas Tipp Nr. 2:

Follower sein und haben: Lieber Klasse statt Masse. Algorithmen bewerten, wie viel ich gebe (siehe 1.). Wenn ich 1000 Accounts folge, müsste ich mit 1000 Accounts interagieren. Die Zeit habe ich nicht. Und auch bei den eigenen Followern: Wir brauchen nicht viele, wir brauchen die richtigen, die sich wirklich für uns interessieren. Sonst haben wir Ghostfollower:innen die unsere Interaktionsrate ruinieren und mein gesamter Account wird heruntergestuft. Wenn ich merke, jemand interessiert sich für meinen Content nicht mehr oder ich interessiere mich für seinen Content nicht mehr, dann entferne ich auch schon mal den/die ein oder andere Follower:in oder entfolge einem Account. Kommt übrigens immer gut an: Meine neuen Follower:innen begrüße ich stets via DM.

#zeitfürswesentliche #follower #accounts #entfolgen #entfernen

 

 

Teresas Tipp Nr. 3:

Stories: Sei ein echter Mensch in einer unechten Welt – authentische und echte Inhalte sind gute Geschichten, mit denen Menschen interagieren, weil sie sich identifizieren können. Kurz: Menschen reagieren auf Menschen, nicht auf Produkte und ihre Fakten – das liegt in unserer Natur. Der persönliche Bezug bindet Follower:innen an dich und dein Business. Aber Achtung! Persönlich sollte man immer von privat unterscheiden – zeig deine Persönlichkeit, aber fühle dich keineswegs verpflichtet, Privates von dir preiszugeben. Was du nach außen erzählst, formt dein inneres Bewusstsein und das deiner Fans mehr als dir bewusst ist. Wenn du von (beruflichen) Krisen erzählst, dann immer erst, wenn du sie überstanden hast. Dann ist die Geschichte inspirierend und zieht weder dich, noch deine Follower runter. 

#ciaoperfektionismus #halloauthentizität #persönlichkeit #inspiration #stories

 

Teresas Tipp Nr. 4:

Hashtags: Wer sich fragt, ob Hashtags immer noch cool sind oder nicht, der sollte sich auf ihre wesentlichen Vorteile konzentrieren: Über sie finden Menschen meine Inhalte und ich finde wiederum Accounts, für deren Content ich mich interessiere. Hashtags fungieren als interne Instagram-Suchfunktion und damit als Netzwerkausbau-Tool. Aber Achtung: Instagram hat schon mehrmals angedeutet, dass es bald keine Hashtags mehr geben wird. Das bedeutet für uns, dass wir bei unseren Captions vermehrt auf SEO-Kriterien achten werden müssen. Wann die Änderung kommt, ist noch unklar (Stand November 2022.)

#hashtagssindcool #suchen #finden

 

Foto: DS stories.

 

Teresas Tipp Nr. 5:

Stories gestalten: Wer denkt, Instagram stellt den Nutzer:innen verschiedene kreative Tools zum Stories gestalten nur aus reiner Barmherzigkeit zur Verfügung, der irrt! Die hier verfügbaren Elemente und Creator-Tools sind nicht nur vielfältig und kreativ, sie tragen beim Verwenden auch zu einem besseren Algorithmus bei, da sie Interaktion fördern (Fragen stellen, Reaktionen anstoßen) sowie eure Story-Inhalte greifbarer und emotionaler machen – zum Beispiel durch Musik, Sticker oder Standortangabe. Bei der Gestaltung empfehle ich dein persönliches Look and Feel zu finden, etwa durch das Verwenden von einheitlichen Schriftarten und Farben – das schafft Wiedererkennungswert für dich und deine Marke, Dienstleistungen sowie Produkte.

#storiesgestalten #farben #schriftarten #creatortool #kreativität

 

Teresas Tipp Nr. 6:

Werte und Identitäten: Storytelling, ob in Posts oder Stories, Romanen oder Filmen, ist stets mit Werten verknüpft. Storytelling = Wertekommunikation. Werte sind deine “Seelen-DNA” und spiegeln sich auch in deinem Unternehmen wider. Wenn du diese kanalisiert hast, kannst du darauf deine Kommunikation aufbauen. Ein Beispiel zum Merken: Harley Davidson verkauft keine Motorräder, sondern Freiheit (die Harley bekommt man gratis dazu). Kennst du deine Werte?

#werte #kommunikation #identität

 

 

Teresas Tipp Nr. 7:

USPs: Schaffe dein “eigenes Ding”! Egal, ob die morgendliche Kaffeetasse, lustige Memes, running Gags oder personifizierte Gegenstände, die gemeinsam mit dir auf Instagram “erzählen” – regelmäßige und einzigartige Inhalte kommen bei deinen Follower:innen gut an und bewirken eine richtige Vorfreude auf deinen Content. Isso!

#einzigartigerzählen #witze #gags #memes

 

Teresas Tipp Nr. 8:

Grid: Während du bei deinen Stories unperfekt und nahbar Geschichten erzählst, ist bei deinen Posts (Grafik-) Design gefragt: Achte darauf, dass deine Posts im Raster auf deinem Account, dem sogenannten “Grid”, zusammen harmonieren und somit auf den ersten Blick einen guten Eindruck hinterlassen (ähnlich wie bei deiner Unternehmens-Webseite als Landing Page). Manche Accounts gestalten hierbei richtig aufwändig designte Grids, bei denen alle Kacheln beziehungsweise Posts zusammen ein Gesamtbild ergeben. Für Anfänger:innen reicht aber auch das so genannte Schachbrett: Immer abwechselnd einen Post mit Foto und ein grafischer Post. 

#grid #posts #gestaltung #gutererstereindruck

 

 

Teresas Tipp Nr. 9: 

Videos und Reels: Videos und Reels kommen bei der Community immer gut an – bewegte Bilder sind catchy und können verschiedene Inhalte eindringlich und schnell vermitteln. Ein Tipp von mir: Wenn du dich für bewegten Content entscheidest, dann bring diesen auch regelmäßig, insofern du damit Follower generieren möchtest. Ich persönlich mach Reels nur zum Spaß, das ist auch völlig ok, meine Community weiß das auch. Wenn du jedoch für den Aufwand, den das macht, nicht immer Lust und Zeit hast, dann lass es lieber bleiben. Das ist auch ok. Grundsätzlich gilt: Wenn du Freude beim Erstellen von Inhalten hast, spürt das auch deine Community. Was nicht authentisch ist, liken wir schließlich selbst ja auch nicht, oder?

#reels #videos #bewegtebilder

 

Teresas Tipp Nr. 10:

Kurze Texte: Wie allgemein bekannt, liegt in der Kürze die Würze. Ellenlange und vor allem komplexe Texte kommen bei Social Media-Fans nicht sonderlich gut an. Deine Leser:innen sollten Inhalte schnell und einfach erfassen können und vor allem Spaß beim Lesen haben! Um Texte eindampfen zu können, empfehle ich das sogenannte Begriffscluster anzuwenden. Hierbei stellst du die Schlagworte deiner Inhalte hervor und reihst diese dann zu einem Text aneinander. Durch Verben entstehen die besten Brücken zwischen Begriffen und der Inhalt bleibt wegen seiner Bildhaftigkeit besser hängen. Um Inhalte noch verständlicher zu machen, können dir Sticker und Emojis zusätzlich helfen.

#kürzen #content #dasbleibthängen

 

Instagram-Expertin Teresa Werner gab am 07.09.2022 für die Thüringer Kreativbranche einen 30-minütigen Speed-Impuls zum Thema „Algorithmen auf Instagram“. Neben spannenden Einblicken in ihren eigenen Umgang mit dem Kanal, erklärte Teresa anschaulich und mit viel Humor und Leidenschaft, welche Rolle die viel beschworenen, oft mysteriös wirkenden Algorithmen beim Sichtbarmachen von Geschichten, Produkten und Marken im digitalen Kosmos spielen.

 

Und hier nochmal Teresas 10 Extra-Starter-Tipps für gelungenes digitales Netzwerken auf Instagram:

  1. Definiere dein Netzwerk-Ziel.
  2. Sei du selbst.
  3. Kommentiere aufrichtig, strategisch, nachfragend, kontrovers und auf Augenhöhe.
  4. Sei für eine Sache bekannt.
  5. Frag nach Support, aber nett.
  6. Versende nur eine Kontaktanfrage, wenn du eine konkrete Anfrage hast. Keine Floskeln!
  7. Bringe Leute zusammen.
  8. Sei in Gruppen zu deinen Themen aktiv.
  9. Pitche niemals direkt!
  10. Schreibe richtig gute Artikel.

 

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Titelbild: cottonbro studio.
Headerbild: Kerde Severin.

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