Kreative Köpfe

SELTEN WAR WENIGER MEHR – IM GESPRÄCH MIT DER ERFURTER AGENTUR VIELWERT

“Einfach ist bekanntlich am schwersten” – die Erfurter Agentur vielwert – Markenstrategie & visuelle Identität möchte Kund:innen mit klaren Botschaften, die einprägsam und nachhaltig sind, unterstützen. Print is not dead war ihr Slogan zum Jahreswechsel 2020. Auch wenn sich der Fokus in den letzten Jahren in den digitalen Bereich verschoben hat, so ist die Verschmelzung aus digital und analog, aus ihrer Sicht, die beste Kombination. Wir haben die Gesellschafterin Katja Semmisch und den Gesellschafter Sebastian Möhrke zum Interview in ihrem Büro getroffen.

 

Von li. n. re.: Katja Semmisch, Sebastian Möhrke und Juliane Faulstich.

 

vielwert sind: Katja Semmisch, Sebastian Möhrke, Juliane Faulstich
Schwerpunkte: Markenentwicklung, Design, Webdesign & Programmierung
Standort: Erfurt
Web: www.vielwert.com
Mail: info@vielwert.com

 

 

Wer seid ihr und wie hat sich euer kreative Werdegang bis zu vielwert gestaltet?

Katja: Als gebürtige Thüringerin aus Gera, zog es mich nach achtjähriger Agenturerfahrung in Rheinland-Pfalz, wieder in meine Heimat. In Erfurt arbeitete ich im Angestelltenverhältnis als Gestalterin in verschiedenen Agenturen und beschloss schließlich mich als Einzelunternehmerin selbständig zu machen. Um meine Aufträge umsetzen zu können, mietete ich mir einen Workspace im Coworking-Space “Klabauterwerk” an, den Sebastian damals in der Bergstraße gegründet hatte. Seine Expertise rund ums Programmieren und meine Grafik- und Designerfahrungen inspirierten uns dazu, gemeinsam Neues zu wagen und zu wachsen. 2014 gründeten wir unsere Agentur vielwert GbR.

Sebastian: Mich verschlug es erst ein paar Jahre nach der Bundeswehr- und Ausbildungszeit in meiner Heimat Apolda in die Landeshauptstadt. Da es noch nie mein Wunsch war in einem Angestelltenverhältnis zu arbeiten, habe ich mich direkt nach meinem Abschluss als Mediengestalter selbständig gemacht. Die Kundengewinnung in Apolda gestaltete sich allerdings zu dieser Zeit nicht gewinnbringend, weshalb ich mich für einen Umzug nach Erfurt entschied. Mit vollem Tatendrang und der Lust nach frischem Wind, gründete ich 2012 einen der ersten Erfurter Coworking-Spaces – das Klabauterwerk. Aber Thüringen war noch nicht bereit für Konzepte wie diese, sodass ich den Space aufgrund des ausbleibenden Andrangs auflösen musste. Bekanntlich öffnen sich jedoch neue Türen, wenn sich alte schließen: im Space lernte ich Katja kennen und wir starteten die vielwert GbR. Seit 2019 haben wir einen wunderschönen Workspace nahe des Nordparks in der Adalbertstraße angemietet, wo wir auch unsere Kund:innen empfangen. Seit Februar 2022 ist Juliane, unsere feste Mitarbeiterin, Teil unseres Teams. Neben freiberuflichen Dienstleister:innen und Partner:innen an unserer Seite, begleiten wir auch Praktikant:innen.

 

Im Workspace in der Erfurter Adalbertstraße empfangen die „vielwerts“ ihre Kund:innen und setzen Projekte um.

 

Welche Projekte aus den letzten Jahren sind euch besonders in Erinnerung geblieben?

Sebastian: Mein persönliches Traum-Projekt war die CD-/CI-Gestaltung für die Vereinsbrauerei aus meiner Heimatstadt Apolda. Für die Biersorten “Wanderbursche” und “Wandermädel” betreuten wir die Kampagnenentwicklung- und umsetzung, sowie die Markteinführung. Sechs Jahre Beratung und Umsetzung in allen Belangen liegen mit diesem Kunden hinter uns, welcher uns tiefe Einblicke in den Einzelhandel gegeben hat. Wir haben dadurch sehr viel an Erfahrungen und Expertisen in diesem Bereich gewonnen.

Katja: Ein fester Kundenstamm unserer Agentur kommt aus den Branchen der Architektur- und Ingenieurbüros. Nicht nur in Thüringen, sondern auch deutschlandweit und international sind unsere Kund:innen, wie beispielsweise mittelständige und große Planungsbüros im digitalen, analogen aber auch Veranstaltungsbereich, ansässig. Aktuell betreuen wir zudem umfassend den Markenaufbau und das Marketing eines Gründer-Start-ups aus Suhl, welches eine revolutionäre Siebträger-Espressomaschine namens MARO auf den Markt bringen wird. Hier entwickeln wir derzeit neben der Webseite, die Markenbotschaften, Social-Media-Auftritte, Drucksachen, Messeaussattung sowie die kürzlich gestartete Crowdfunding-Kampagne.

 

  

Arbeitet ihr für Projekte auch mit anderen Kreativen zusammen?

Katja: Unser Portfolio umfasst gezielte Dienstleistungen, daher liegen uns kreative Kooperationen sehr am Herzen. Neue Ideen und Umsetzungen erweitern darüber hinaus nicht nur unseren Horizont, sondern schaffen auch neue Sichtweisen und Ansätze. Johannes von Havranek von VONJO.art erstellte uns beispielsweise vor Kurzem die 3D-Modelle für die MARO Siebträger-Espressomaschine. Ansonsten befinden sich in unserem Netzwerk Fotostudios, wie das Fotoloft von Paul Träger in Erfurt, Softwareentwicklungsunternehmen, Programmier:innen, Texter:innen, Dolmetscher:innen, und Illustrator:innen. Auch die rege Zusammenarbeit mit anderen Agenturen, beispielsweise DAS SCHWARZE SCHAF®, nutzen wir für optimale Projektergebnisse. Wenn unterschiedliche Expertisen und Spezialist:innen, sowie die Kommunikation miteinander wie Zahnräder ineinander passen, steht einem erfolgreichen Projekt und zufriedenen Kund:innen nichts mehr im Weg.

 

 

Was ist euch bezüglich einer gelungenen Agenturarbeit besonders wichtig?

Sebastian: Neben der Zusammenarbeit mit regionalen Kreativen und dem direkten Draht zu unseren Kund:innen, ist uns die Umsetzung unserer Produkte und Entwürfe vor Ort besonders wichtig. Seit zwei Jahren nehmen wir als Agentur hochwertige Printprodukte wieder verstärkt in den Fokus, denn Haptik und Papierveredelungen stehen für uns als Qualitätsmerkmal ganz weit oben. Dafür arbeiten wir mit Thüringer Druckereien zusammen, mit denen wir stets im Austausch stehen. So verringern wir Druckfehler und Papierverschwendung, können optimale Absprachen, kurze Lieferwege und perfekte Ergebnisse garantieren. Partner sind unter anderem Proof – Druck- & Medienproduktion, Fehldruck und Repropartner.

 

 

Wie würdet ihr euren Stil beschreiben?

Katja: Tatsächlich ist unser Gestaltungsstil sehr minimalistisch und klar – somit können wir gezielt Highlights setzen und das Gesamtbild verfeinern. Unsere Auftraggeber:innen suchen Designideen und Programmierlösungen, die über Jahre hinweg zeitlos funktionieren. Aktualisierungen passen wir dem aktuellen Geschehen an, wobei die Wiedererkennbarkeit und die Usability konstant bleibt. Im Fokus unserer Arbeit stehen stets Verständlichkeit, Les- und Erfassbarkeit sowie die Kernbotschaft. Wir möchten ganzheitlich und langfristig denken – auch, wenn uns klar ist, dass kreative Arbeit nie abgeschlossen ist und immer wieder das Neue, Altes ablöst, bleibt die visuelle Identität immer erkennbar.

 

 

Habt ihr noch ein paar persönliche Tipps für den kreativen Alltag?

Sebastian: Für Gründungsinteressierte in der Kreativbranche empfehle ich langsames und nachhaltiges Wachstum. Ihr müsst nicht am Anfang zehn Mitarbeitende haben, um in dieser Branche bestehen zu können. Wenn ihr im Team arbeitet: Seid transparent miteinander, verzichtet auf Hierarchien – jede/r sollte sich gleichwertig mit ihrer/seiner Kreativität einbringen können.

Katja: Bleibt neugierig und bewahrt euch so den Blick eures inneren Kindes für neue Themen. Traut euch im kreativen Brainstorming über die Stränge zu schlagen und die verrücktesten Ideen mit in den Topf zu werfen. Für uns funktioniert es, eine Grenze zwischen Arbeits- und Privatsphäre zu schaffen – ein Workspace, der nicht das Zuhause ist, schafft Struktur und die nötige Ruhe zum Entspannen nach einem langen Tag.

 

 

 

Ihr Interview auf unserer Webseite!

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